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22 Gründe, warum ich Kolumbien mag

22 Gründe, warum ich Kolumbien mag

Während meiner Zeit in Kolumbien folgt zum Glück auf eine positive Erfahrung immer schnell die Nächste. Natürlich gibt es auch Aspekte (zum Beispiel Sicherheitsbedenken), die mir nicht gefallen. Das Schöne steht dennoch ganz klar im Vordergrund. Doch was ist es eigentlich genau, was mir gefällt? Diese Frage habe ich mir selbst gestellt und mich auf die Suche nach Orten und Momenten begeben, die meine Zeit hier besonders schön machen. Was folgt, ist eine kleine Auflistung dessen, was mir im Zuge meines Auslandsaufenthaltes in Kolumbien besonders gefällt.

1. Vielfältige Natur – Es gibt zwei Aspekte, die mich an der kolumbianischen Natur faszinieren. Auf der einen Seite ist da die unglaubliche Vielfalt. Neben tropischen Inseln, karibischen Stränden und Regenwäldern gibt es auch Berge, Gletscher und zwei Wüsten. Konkret hat mich bisher die Sierra Nevada de Santa Marta besonders beeindruckt: das höchste Küstengebirge der Welt (höchster Gipfel: 5.775 m).

2. Die Herzlichkeit der Menschen – Nicht alle, aber die meisten Kolumbianer:innen heißen mich hier mit offenen Armen willkommen. Ob in der Schule, unter Freunden, wiederum deren Freund:innen oder Fremden. Ich bin einfach beeindruckt, wie wohl ich mich in der Gesellschaft von Kolumbianer:innen fühle. Sie geben einem das Gefühl, dass man dazugehört und dass man sich schon ewig kennt.

3. Kultur des frühen Aufstehens – Da ich auch in Deutschland früh aufstehe, fällt es mir nicht besonders schwer, wenn jeden Tag um 5 Uhr der Wecker klingelt. Vielmehr mag ich es es, den Tag so früh zu beginnen und mit dem Sonnenaufgang aufzuwachen. Warum so früh? Ganz einfach: Ich muss um 6 Uhr morgens das Haus verlassen, weil die Schule um 7 Uhr beginnt und mein Schulweg einige Zeit in Anspruch nimmt. Der Vorteil und Grund, warum die Menschen hier früh aufstehen, liegt darin, dass es am Morgen noch nicht so extrem heiß ist.

4. Sprachen lernen – Jeden Tag wird mein Spanisch ein bisschen besser. Im Gegensatz zum Sprachkurs in Salamanca lerne ich hier nicht explizit Vokabeln und Grammatik. Ich greife vielmehr in jedem Gespräch neue Wörter und typische Gesprächsgewohnheiten auf. Und an Sprechsituationen mangelt es nicht. Ob in der Schule, im Bus, im Taxi oder mit Freunden: Spanisch ist in der Stadt Barranquilla allgegenwärtig. Und sehr spannend: Der nördlicher Küstendialekt (Costeño) ist der mit Abstand schwierigste in Kolumbien und bereitet mir immer wieder Kopfschmerzen – aber dazu mehr in einem der nächsten Blogartikel!

5. Großes Interesse an Deutschland – Vom ersten Tag an war ich beeindruckt, wie groß das Interesse der Kolumbianer:innen an Deutschland und den Deutschen im Allgemeinen ist. Neben meinem Interesse an Kolumbien, der Kultur und all ihren Facetten, gab das gegenseitige Interesse von Anfang an viel Gesprächsstoff. Fragen über Fragen an das jeweilige Gegenüber: Es gibt nichts Besseres!

6. Meine Schule – Ich freue mich, dass ich an der Deutschen Schule hier in Barranquilla ein Praktikum machen darf. Es sind nicht nur das Umfeld, die Kolleg:innen oder die Rahmenbedingungen, die stimmen. Ich schätze vor allem die Freiheit, die ich während meines Praktikums an meiner Schule habe. Ich bin völlig flexibel in dem, was ich tue und kann individuell und spontan entscheiden, wozu ich Lust habe. Vor allem in meiner neuen Rolle als Praktikant der Schulleitung bekomme ich sehr interessante Einblicke in die Abläufe und Prozesse einer deutschen Auslandsschule. Was genau ich dabei mache, werde ich im kommenden Artikel beschreiben.

7. Hurra, langes Wochenende! – Kolumbien ist eines der Länder mit den meisten Feiertagen weltweit. Im Jahr 2022 sind es genau 19. In Deutschland gibt es im Vergleich dazu nur 12 Feiertage (in Baden-Württemberg und Bayern). Die Besonderheit: Fast alle Feiertage fallen (absichtlich) auf einen Montag. Das wiederum bedeutet lange Wochenenden, die gefühlt im Zwei-Wochen-Takt stattfinden. Vor allem in den letzten Monaten des Jahres gibt es die meisten freien Montage. Jedes verlängerte Wochenende eignet sich hervorragend für Ausflüge, die am Donnerstagnachmittag nach der Schule beginnen, bevor es erst am darauffolgenden Montagabend wieder nach Hause geht.

Person läuft mit dem Rücken zur Kamera nach vorne blickend in den Regenwald.
Hier habe ich eines der zahlreichen langen Wochenenden genutzt und bin in die zweieinhalb Stunden entfernten Berge gefahren. Vier Tage – 30 Stunden wandern. Am Dienstag ging es dann wieder in die Schule.

8. Obstparadies – Im Gegensatz zu dem oft frittierten Straßenessen ist die Vielfalt an Früchten außergewöhnlich. Frisches Obst gibt es den ganzen Tag über an fast jeder Straßenecke. Je nach Saison gibt es neben Mangos, Bananen, Papayas, Ananas, Äpfeln, Birnen, Passionsfrüchten und Orangen auch eine Vielzahl von Früchten, die ich in Deutschland nicht jeden Tag sehe. Vor allem Granadillas (ähnelt einer Maracuya, nur etwas säuerlicher) und Corozos (dunkle Beeren) haben mich bisher überzeugt. Mein Tipp: Nutze die Möglichkeit, wenn du in Kolumbien bist und trinke frisch gepresste Säfte. Die meisten kosten umgerechnet knapp einen Euro und schmecken in meinen Augen intensiver als deutsche Säfte.

9. Die per-du-Kultur – Anders als im Englischen („you“) hat das Spanische eine Höflichkeitsform („Usted“), genau wie das Deutsche („Sie“). Allerdings wird diese in der Alltagssprache nur selten verwendet, da die überwiegende Mehrheit das Gegenüber direkt duzt. Ich persönlich mag das, weil ich den Eindruck habe, dass sich beide Gesprächspartner:innen auf diese Weise immer direkt auf Augenhöhe begegnen und leichter ins Gespräch kommen. Das macht sich besonders in der Schule bemerkbar. Im Klassenzimmer bin ich nicht mehr Herr Schäfer, sondern Tim. Daran könnte ich mich gewöhnen.

10. „Ins Gespräch kommen” leicht gemacht – Nicht nur wegen der Du-Ansprache, sondern allen voran wegen der Offen- und Herzlichkeit der Kolumbianer:innen komme ich mit ihnen sehr leicht ins Gespräch. Ohne Spanischkenntnisse wäre dem jedoch womöglich nicht so, da die meisten Barranquilleros kaum Englisch sprechen. Was ich schön finde: Es mangelt auf keinen Fall an Gesprächsthemen. Häufig geht es um die persönliche Lebenswelt, Reisetipps, Geschichte oder auch Sport.

Drei Personen sitzen auf einer Leitplanke vor einem Gebäude und lachen in die Kamera
Egal auf wen ich treffe – ins Gespräch kommen ist nahezu immer ein Selbstläufer. Ein Vorteil dabei ist auf jeden Fall, dass ich Spanisch spreche.

11. Neue Ideen, Meinungen und Perspektiven – In den vielen unterschiedlichen Gesprächen bekomme ich zwangsläufig neue Perspektiven und Ansichten aufgezeigt. Wie stehen Kolumbianer:innen zu Deutschland? Was ist ihre Meinung zu Freundschaft? Was ist wichtig im Leben? Tagtäglich bekomme ich Ideen aufgezeigt, die sich von meinen bisherigen Vorstellungen unterscheiden. Auf die Frage, was das wichtigste im Leben sei, sagte mir vor kurzem ein Freund: Das Schweigen zu brechen. Damit bezog er sich auf die vielen ungeklärten Verbrechen und Morde in der jüngeren Vergangenheit Kolumbiens, die das Land noch bis heute überschatten. Eine Antwort, die ganz weit weg von dem ist, was ich „erwartet“ hatte.

12. Wetter extrem! – Warum das Wetter einen Platz in meiner Auflistung findet, liegt vor allem daran, dass es durch seine Variation so spannend ist. In Barranquilla sind es vielleicht gerade noch 35 Grad mit extremer Luftfeuchtigkeit und nur 5 Minuten später regnet es für mehrere Stunden so heftig, dass die typischen Stadt-Ströme („arroyos“) entstehen und alles mit sich reißen. Vor allem aber das äquatoriale Klima in anderen Städten Kolumbiens fasziniert mich. Während in Bogotá das ganze Jahr über herbstliche Temperaturen mit starkem Sonnenschein ist, gilt zum Beispiel Medellín als die Stadt des ewigen Frühlings. 365 Jahre perfektes Wetter – herrlich!

13. Nachtragend? Fehlanzeige! – Kurz und knapp; meine Erfahrung nach drei Monaten: Kolumbianer:innen nehmen einem Fehler nicht lange übel und richten den Blick schnell nach vorn. Mir fällt auf, dass ich hier viel seltener ein schlechtes Gewissen habe und Dinge weniger oft überdenke als in Deutschland.

14. Ergänzt sich gut: Deutsch-kolumbianische Arbeitsweise – Die jeweiligen Arbeitseinstellungen könnten unterschiedlicher kaum sein. Deutscher Perfektionismus und Strukturiertheit treffen an der Schule auf kolumbianische Gelassenheit gepaart mit einem unermüdlichen Fleiß, was mir bislang eher neu war. Zwischenfazit: Beide Kulturen ergänzen sich in der Hinsicht sehr gut und liefern viel Potential für ein konstruktives Miteinander.

15. Das Meer vor der Tür – Es ist schon etwas Besonderes, ständig das Meer um sich herum zu haben. Bei mir persönlich löst das Urlaubsgefühle aus und entschleunigt den Alltag auf angenehme Weise. Ein weiterer Vorteil, direkt am Wasser zu wohnen: Die starke Brise. Bei den oben genannten Temperaturen ist diese Gold wert und macht das tropische Klima etwas erträglicher.

16. Geschichte(n) Kolumbiens – Vor meiner Ankunft wusste ich kaum etwas über die kolumbianische Vergangenheit. Generell hat die lateinamerikanische Geschichte während meiner Schulzeit kaum bis gar keine Rolle gespielt. Dabei hat speziell Kolumbien eine ganz spannende Geschichte, die (leider) unmittelbar mit der Gegenwart verschmilzt und dadurch allgegenwärtig und immer mitzudenken ist. Darauf näher einzugehen, würde den Rahmen sprengen – Ein Tipp für Interessierte: „Free Walking Touren“ vor Ort sind ideal, um von Locals eine Perspektive auf die jeweilige Stadt oder bestimmte Themen zu erhalten. Nach drei Monaten habe ich bereits sechs solcher Touren gemacht.

17. Unterricht mal ganz anders! – Mit ein Hauptgrund, weshalb ich hier bin: Unterrichtserfahrungen sammeln. Jeden Tag finde ich es einfach nur interessant zu sehen, inwiefern sich Unterricht in Deutschland von dem in Kolumbien unterscheidet. Das hilft mir dabei, Unterrichtsprozesse besser zu verstehen und einen neuen Blickwinkel auch auf den Unterricht in Deutschland einzunehmen, da ich immer wieder neuen Fragen auf den Grund gehen kann: Warum ist eine differenzierte Unterrichtsgestaltung, die die unterschiedlichen Leistungsniveaus der Schüler:innen berücksichtigt, hier zum Beispiel deutlich komplexer? Oder weshalb ist es in deutschen Klassenzimmern tendenziell leiser? Fragen über Fragen, die mich allesamt weiterbringen.

18. Musik immer und überall – Dass dem so ist habe ich zwar vorher schon „gehört“, jedoch völlig unterschätzt. Überall, und damit meine ich wirklich von überall her kommt Musik. Auch wenn in ganz Kolumbien Musik eine zentrale Rolle spielt, ist die Musikpräsenz an der Küste und speziell in Barranquilla noch einmal auf einem anderen Level. „Quilla“ (umgangssprachlich) ist die Hauptstadt des Karnevals und des sogenannten „Vallenatos“, einer Musikform, dessen Basis Akkordeon und Trommel sind. Egal, ob um 6:30 Uhr im Lehrerzimmer, im überfüllten Bus, im Supermarkt oder beim Spazieren gehen. Vallenato (oder auch Salsa und Reggaeton) sind immer dabei.

Zwei Männer sitzen am Straßenrand und spielen Gitarre.
Entweder live auf der Straße oder aus Lautsprechern in jedem zweiten Hauseingang: Musik ertönt aus allen Ecken und ist nahezu immer hörbar.

19. Geringe Lebenshaltungskosten – Monatsmiete 220 EUR, 3-Gänge-Menü für 2,10 Euro (EUR), zweistündige Taxifahrt für 9,00 EUR. Ich würde lügen, wenn ich den vergleichsweise günstigen Lebensstil nicht genießen und wertschätzen würde. Anders als die ebenfalls eher günstigen Millionenmetropolen Bogotá und Medellín im Landesinneren ist die Nordküste nochmal günstiger. Dies ermöglicht mir auch dank meines DAAD-Stipendiums einen finanziell bedenkenlosen Auslandsaufenthalt, bei dem ich mir alles, was zum Leben notwendig ist, leisten kann. Und es bleibt meistens sogar noch etwas übrig, wodurch ich noch mehr vom Land sehen kann. Danke!

20. Von A nach B: jederzeit, egal von wo! – Eine Hassliebe, die wirklich jede:r Kolumbianer:in mit mir teilt: Der Verkehr. Auch wenn man immer wieder von überfülltem Stadtverkehr und langen Staus hört (und ja die gibt es!) bin ich von der Infrastruktur insgesamt doch positiv überrascht. Warum? Man kommt kostengünstig zu jeder Tageszeit an jeden gewünschten Zielort. Dies ermöglichen das groß ausgebaute (komplexe) Busnetz, die allgegenwärtigen Taxis und vor allem das Netzwerk „InDriver“. Über eine App kann man privaten Fahrer:innen einen Preisvorschlag für eine Strecke machen und in den meisten Fällen sitzt man schon zwei Minuten später in einem Auto und fährt los. Das ist zudem eine perfekte Gelegenheit, um Spanisch zu sprechen und mit den Menschen vor Ort in Kontakt zu kommen.

21. Kolumbien ist „Vieles“ – Es ist das Land der Gegensätze. Das geht nicht zwangsläufig mit Positivem (zum Beispiel der großen Schere zwischen bitterster Armut und Reichtum) einher, macht andere Aspekte aber wiederum auch sehr interessant. Es ist häufig davon die Rede, dass Kolumbien eigentlich fünf Länder in einem ist: Es setzt sich aus der Andenregion, dem Amazonasgebiet, der Karibikküste, dem Pazifischen Küstentiefland und den weiten Savannen- und Sumpflandschaften („llanos“) zusammen, die allesamt völlig unterschiedliche Lebensvoraussetzungen und Kulturen aufweisen. Kolumbien erscheint mir grenzenlos und einfach nur spannend.

22. Tapetenwechsel und neue Freiheiten – Einer der Gründe, warum ich es hier mag ist abschließend vielleicht gar nicht unbedingt direkt an Kolumbien selbst geknüpft. Es ist vielmehr die Tatsache, auf einmal in einem neuen Land und einem bis dahin unbekannten Umfeld zu leben. Ich muss mich neu orientieren, befinde mich in neuen Rollen und erlebe jeden Tag Neues. Deutschland fühlt sich nicht nur durch die räumliche Distanz ganz weit weg an. Auch wenn das manchmal dazu führt, dass ich beispielsweise meine Familie vermisse, genieße ich dennoch die neuen Freiheiten am anderen Ende der Welt. Ich muss und darf mich völlig unvoreingenommen aufs Neue beweisen, da mich hier bislang niemand kannte. Das geht den anderen Correspondents in ihren Auslandsaufenthalten bestimmt auch so.

Es gibt sicherlich noch viele weitere positive Facetten Kolumbiens. Und einige Aspekte mehr, die meine Entscheidung in dieses Land zu kommen, zu der genau Richtigen machen. Warst du schon einmal in Kolumbien und hat dich dabei noch etwas ganz anderes fasziniert? Oder hast du speziell eine Frage zu einem der aufgeführten Aspekte? Dann verfasse gerne einen Kommentar oder schreibe mir direkt auf Instagram.

Tim

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