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Zwischen Frustration & Faszination: Arabisch lernen im Libanon

Zwischen Frustration & Faszination: Arabisch lernen im Libanon

Zum Arabisch lernen geht man doch nicht in den Libanon, sagte mir meine Studienkoordinatorin schockiert, als ich ihr von meinem geplanten Auslandsaufenthalt berichtete. Wie mein Arabisch hier trotzdem ein klein wenig besser wurde und was diese Sprache furchtbar und wunderbar zugleich macht?

Libanon multilingual: Leben in Beirut

Warum meine Studienkoordinatoren für meinen Plan keine Begeisterung aufbringen konnte? Zum Arabisch Lernen gibt es sicherlich geeignetere Orte als Beirut (über die euch Sümeyye aus Marokko oder Ouassima aus Jordanien mehr erzählen können). Denn Beirut ist mindestens trilingual. In Hamra, meinem Wohnviertel, wo sich auch die American University Beirut (AUB), eine der renommiertesten Universitäten des Landes befindet, sind fast alle jungen Menschen ‚french educated‘ – also französisch erzogen. Das heißt, neben Arabisch als Muttersprache, werden sie in der Grundschule bereits nach französischem Schulsystem unterrichtet, sind mit dieser Sprache also von klein auf vertraut. Spätestens in der Mittelstufe kommt Englisch hinzu, die Sprache auf der die meisten anschließend auch studieren. Kaum eine Gruppe junger Menschen, die sich nicht mit einem vollkommenen Mix dieser drei Sprachen durch die Straßen Beiruts bewegt. Das bedeutet für mein Arabisch: Alle Beirutis, vom Gemüseverkäufer bis zum Taxifahrer, sprechen meist genug Fremdsprache, um notwendige Alltäglichkeiten zu erledigen.

Ich habe mich trotzdem für den Libanon entschieden, weil das Erlernen des Arabischen war für mich nicht der alleinige Grund für einen Auslandsaufenthalt ist. Vielmehr wollte ich mein Islamwissenschaftsstudium mit dem der protestantischen Theologie verbinden. Da sich im Libanon eine von nur zwei protestantischen Hochschulen im Nahen Osten befindet, war die Wahl recht einfach. Trotzdem, verfolgte ich auch den (ehrgeizigen) Plan, mein Arabisch zu verbessern. Aber wie?

Fusha und Amiyye – Arabisch in Schrift und Sprache

Etwas, das Arabisch von den meisten anderen Sprachen unterscheidet, ist eine recht klare Trennung von Hocharabisch (Fusha) und Dialekt (Amiyye). Fusha wird heute noch im religiösen Kontext, aber auch in Medien, wie Fernsehen oder Zeitungen, und in allen schriftlichen Veröffentlichungen verwendet. Daneben gibt es eine große Anzahl an gesprochenen arabischen Dialekten. Diese unterscheiden sich teilweise so fundamental voneinander, das manche von libanesisch, marokkanisch oder Ähnlichem sprechen und nicht mehr von libanesischem/marokkanischen Dialekt. Für diese gesprochene Sprache hat sich übrigens mittlerweile, auch durch die fortschreitende Digitalisierung, eine eigene informelle Transkribierung, eine Art Chatsprache, entwickelt, in der die im Englischen fehlenden Laute durch Zahlen ersetzt werden.

Ein Chat, in dem einzelne Laute durch Zahlen ersetzt werden.

Alle arabischen Dialekte haben das Sprachsystem des Hocharabischen als Grundlage, verändern aber Vokalisierung, überspringen Konsonanten und/oder führen eigene, neue Worte, ein. Kurzum, das Libanesische ist grammatikalisch, aber auch in der Aussprache gegenüber dem Fusha deutlich vereinfacht worden. Ein Beispiel für veränderte Vokalisierung: Im Libanesischen wird meist dort, wo das Hocharabische einen kurzen u-Laut führt, ein i-Laut gesprochen.

Außerdem werden harte klingende und schwer artikulierbare Laute, wie das sogenannte Kehlraum-Q, der Einfachheit halber ganz weggelassen. Diese zwei Beispiele sind unter Anderem dafür verantwortlich, warum das Libanesische als ‚weich‘, ’nett‘, oder ’süß‘ bezeichnet wird. Die weniger schmeichelhaften Attribute, die diesem von BewohnerInnen anderer arabischer Länder zudem (be)lächelnd zugeschrieben werden, führe ich hier besser nicht an. Da ich in Deutschland wieder acht Stunde Hocharabisch pro Woche studieren darf, wollte ich mich während meines Auslandsaufenthaltes auf den libanesischen Dialekt konzentrieren, was ich seitdem mal mehr frustriert, mal mehr motiviert angehe.

 Wie ein wenig Arabisch kulturelle Türen öffnet

Um in Beirut zu überleben braucht man kein Arabisch. Trotzdem finde ich, die Kultur eines Landes ist maßgeblich mit seiner Sprache verknüpft. Auch wenn im Libanon die Identifikation hiermit und damit mit der arabischen Welt allgemein verwischt, auch aufgrund großer religiöser Vielfalt, ist das Land über Jahrhunderte maßgeblich vom Arabischen geprägt worden. Als wir kürzlich zehn Tage Urlaub gemacht haben und dabei quer durch den Libanon reisten, ist mir wieder bewusst geworden, wie schon ein paar Brocken Arabisch nicht nur Verständigung vereinfachen, sondern Verständnis fördern. Zwar sind die LibanesInnen auch ohne die Möglichkeit sich sprachlich auszutauschen enorm gastfreundlich und hilfsbereit, ein kleine Höflichkeitsfloskel (etwas, womit die Einheimischen gut und gerne mal zehn Minuten verbringen), oder zumindest der Versuch sprachliche Barrieren zu überbrücken, ist trotzdem hilfreich. Und siehe da, plötzlich merkt man, wie man nach einigen Monaten Sprachkurs schon deutlich mehr versteht als am Anfang.

Alle guten Dinge sind drei – Die passende Sprachschule

In Beirut stehen insgesamt drei Sprachschulen für Hocharabisch und Dialekt zur Auswahl: Die Sprachschule Alps, das Saifi Institute – wo Hostel, Café und Sprachschule in einem geführt werden – und seit September das Lebanese Arabic Institute. Nachdem wir die ersten zwei ausprobierten und nicht das wahrhaft erfüllend gefunden haben, stießen wir auf letzteres und sind seitdem vollauf zufrieden. Samar Awada ist eine mehr als kompetente Lehrerin und ihre Gebühren für Gruppen- und Einzelunterricht sind sogar etwas unter dem Durchschnitt.

Mein Fazit: Arabisch ist eine schwierige Sprache. Es wird falsch herum und obendrauf noch ohne kurze Vokale geschrieben. Es gibt mindestens fünf Laute, die in romanisch oder indogermanischen Sprachen nicht existieren und die ich einfach nicht ordentlich aussprechen kann. Das Grammatiksystem ist mit den mir vertrauten Sprachen hinten und vorne nicht vergleichbar. Und Arabisch ist eine wunderbar klangvolle Sprache. Über die Jahrtausenden unterschiedlich geprägt, mit einem unglaublich vielfältigen Wortschatz, die mich umso mehr fasziniert, je länger ich sie lerne.

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