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Warum ich mein Auslandssemester abgebrochen habe

Warum ich mein Auslandssemester abgebrochen habe


Mein Auslandssemester habe ich früher beendet, als ich es geplant hatte. Sicherlich fragt ihr euch jetzt: Aber es sah doch so aus, als wärst du glücklich? Ich möchte mit euch kurz auf die Erlebnisse zurückblicken, reflektieren und auch das Thema „Semesterabbruch“ aufgreifen.

Mein Auslandssemester begann im Februar 2022 nach den „Abschiedspartys“ mit meiner Familie und meinem Freundeskreis: Endlich ging es los! ¡Vamos! Und auf ins Abenteuer. Ich war sehr gespannt auf das, was mich erwarten würde: Die Gegend zwischen Málaga und Marbella kannte ich schon relativ gut, aber dort einige Monate zu leben, war dann doch noch mal eine andere Sache. Im Februar wurde ich von der Sonne begrüßt und auch wenn die Sache mit der Wohnung noch nicht geklärt war, war ich glücklich, nach mehr als zwei Jahren Pandemie endlich mal rauszukommen. Dann kam das erste Tief: Das mit der Wohnung hatte doch nicht so geklappt, wie wir uns das vorgestellt hatten. Und aus diesem Tief kam ich leider irgendwie auch nicht wieder raus. Wir, das heißt meine Freundin Elena und ich, hatten dann zwar zwei WG-Zimmer gefunden, aber so richtig glücklich war ich damit irgendwie nicht.

Elena und ich auf dem Sofa in meinem WG-Zimmer. Das Sofa ist rot und an der Wand hängt ein Bild.
Elena und ich auf dem Sofa in meinem WG-Zimmer.

Umzug, Uni und Karneval

Die Uni fing dann zum Glück kurz nach dem Umzug in die WG an und ich war erst mal ziemlich abgelenkt. In der ersten Woche habe ich noch meinen Stundenplan sortiert und musste mich an meinen neuen Rhythmus gewöhnen. An vier Tagen die Woche war ich meist von zehn bis 17 oder 18 Uhr in der Uni und danach oder teilweise auch zwischendurch standen dann die Vor- und Nachbereitung an. An den letzten sonnigen Tagen im Februar und Anfang März waren Elena und ich abends auch häufig noch unterwegs und genossen den Vibe, der von den Straßen Málagas ausging, da Karneval war. Die Menschen waren alle draußen und es gab an jeder Ecke etwas zu erleben: Karnevalsumzüge, verschiedene Shows und die Auftritte der comparsas(Gruppen, meist Männer, die Kostüme tragen und musizieren). Für mich nach dem ersten Tief mit der Wohnung also eine willkommene Ablenkung.

Die Kurse in der Uni waren für mich auch relativ anstrengend, da ich alle Kurse auf Spanisch hatte und mich erst mal in die Fachsprache reinhören musste. Aber ich kann sagen, dass ich das doch relativ schnell hinbekommen habe. Für mich war es dafür im Gegenteil schwierig, das Vorgetragene aufzuschreiben. Ich stellte mir also oft die Frage: In welcher Sprache schreibe ich jetzt mit? Letztendlich war es ein ganz schönes Mischmasch zwischen Deutsch und Spanisch, wobei ich womöglich auch nicht unbedingt mitschreiben hätte müssen. Die eine Dozentin las die Folien genauso vor, wie sie sie auch an die Tafel projizierte und in den anderen Kursen bekam ich von anderen Studierenden ihre Mitschriften.

Konnte ich meine Mission „In 182 Tagen zur Malagueña“ erfüllen?

Mein Hauptziel, also die Verbesserung meiner Sprachkenntnisse, war eng mit meiner Mission verbunden: Ich wollte mich ausgiebig mit Sprache, Kultur und Geschichte und natürlich dem Leben in Malaga beschäftigen. Ich kann auf jeden Fall sagen, dass ich einiges an kulturellen Veranstaltungen mitgenommen habe. Aber so richtig zur Malagueña, also einer echten Einwohnerin Málagas, bin ich nicht geworden.

Meine Spanischkenntnisse zu verbessern – das habe ich mehr oder weniger geschafft. Dabei hat mich vor allem überrascht, dass die spanischen Studierenden, zu denen ich hauptsächlich Kontakt hatte, eigentlich eher wenig auf Spanisch mit mir kommuniziert haben. Das hat mich schon auch etwas traurig gemacht, denn ich wollte ja Spanisch üben. Es war mir schon klar, dass wir uns auf Englisch unterhalten würden, wenn andere Studierende aus dem Ausland dabei waren, die eben kein oder nicht so gut Spanisch sprechen.

Jumana steht am Schriftzug "Malagueta" des Stadtstrandes von Málaga. Dahinter sind Palmen und blauer Himmer.


Ich stehe am Schriftzug „Malagueta“ des Stadtstrandes von Málaga.

Überraschungen an der Uni: der Klassenverband und die Schulklingel

In meinem Beitrag zum spanischen Semester und der Uni habe ich schon angedeutet, dass die Kurse meist in einer Art Klassenverband stattfinden. Das hat mich überrascht, da mir nicht klar war, wie „verschult“ die Uni in Spanien ist. Es gibt quasi die Pflichtkurse, die der ganze Jahrgang eines Studiengangs zusammen hat. Dabei wird dieser aber noch in Gruppe A und Gruppe B getrennt, wenn es doch zu viele Studierende sein sollten. Durch diese Klassen kannten sich auch alle schon und waren gut miteinander vernetzt. Für mich war das komisch, denn aus Deutschland kannte ich das so gar nicht. In meinen Studiengängen in Deutschland gibt es zwar auch verschiedene Jahrgänge, aber eigentlich ist von Anfang an eine Mischung der Semester möglich.

Eine weitere witzige Überraschung war die Schulklingel in der Facultad de Filosofía y Letras: Den ersten Tag, den ich meinen Übersetzungskurs (zum Beitrag gehts hier entlang) hatte, saß ich nichts ahnend da… und plötzlich erklang am Ende der Stunde eine Schulklingel. Ich dachte erst, ich hätte mich verhört, aber auch in allen anderen Stunden, die ich dort hatte, ertönte ein typisches Ding-Dong.

Das klingt doch alles total toll! Trotzdem ein Semesterabbruch!

Für euch klangen meine Beiträge und auch meine Social-Media-Post vielleicht total toll und so, als ob ich glücklich wäre. Doch irgendwie hab ich eine Fassade aufgebaut. Innerlich ging es mir nicht gut und trotzdem hab ich versucht zu lächeln. Warum genau ich so traurig und unzufrieden war, konnte ich bisher noch nicht herausfinden.

Ihr fragt euch jetzt sicherlich, wie und warum ich mich dafür entschieden habe, mein Semester in Málaga abzubrechen. Ich kann euch eins sagen: Es war keine leichte Entscheidung! Für mich ist es wichtig, dass ich mich wohlfühle und vor allem gesund bin. Dem war in dieser Zeit nicht so. Es ist sicherlich jedem klar, dass Heimweh nicht schön ist und es seine Zeit braucht, irgendwo anders anzukommen. Ich bin fast pausenlos in Tränen ausgebrochen, auch wenn es keinen ersichtlichen Grund dafür gab. Ich wollte nicht weinen und habe die Zeit in Málaga eigentlich bis auf wenige Momente nicht genießen können.

Außerdem habe ich während dieser ersten Zeit im Ausland darüber nachgedacht, wie sinnvoll das Auslandssemester eigentlich gerade wirklich für mich ist: Denn meine Sprachkenntnisse, vor allem das Sprechen, konnte ich so erstmal nicht wirklich verbessern. Dazu kam auch noch, dass ich mit meinem Studium eigentlich fast fertig bin und mir keine Noten aus diesem Semester für meinen Bachelor anrechnen lassen konnte. Das wusste ich zwar davor schon, aber der Wunsch ein Semester im Ausland zu verbringen, war sehr groß. Na gut, ich hatte einen Kurs, der auch als Note gezählt hätte, aber der fand dann irgendwie auch erst mal nicht mehr statt. Um ehrlich zu sein, war der einzige Grund, die Kurse zu bestehen die Erasmusförderung und dafür war es mir dann doch vergleichsweise zu viel Lern- und Arbeitsaufwand Unter diesen Umständen habe ich dann festgestellt, dass das Auslandssemester gerade einfach keinen Mehrwert für mich hat, weil es die „falsche“ Zeit für mich war.

Ich musste für mich also im Endeffekt abwägen, was für mich das Beste ist. Es gibt kein Rezept, um so eine große Entscheidung zu treffen – ich habe nach meinem Bauchgefühl entschieden und kann euch sagen: Als ich die Entscheidung gefällt hatte, nach Hause zu fahren, ging es mir sofort etwas besser. Nun möchte ich versuchen, mich mehr mit mir zu beschäftigen und auch noch mal zu reflektieren, was gut gelaufen und was schief gegangen ist und was ich hätte besser machen können.

Es gibt sehr wenige Artikel zum Thema Auslandssemesterabbruch und das finde ich irgendwie auch schade, denn ein Semester im Ausland ist eben nicht immer nur „Friede, Freude, Eierkuchen“.  Ich habe für mich gelernt, dass es wichtig ist, auf sein Bauchgefühl zu hören. Mein Abbruch heißt nicht, dass ich nicht weiterhin daran interessiert bin, zu reisen, Menschen kennenzulernen und eventuell sogar noch mal für längere Zeit ins Ausland zu gehen. Jetzt war es für mich einfach nicht die richtige Zeit und für mich ist das jetzt auch in Ordnung. Möglicherweise werde ich es irgendwann bereuen, aber dann gibt es vielleicht eine neue Chance, ins Ausland zu gehen, damit ich mich einer neuen Herausforderung stellen kann.

Ich wünsche allen, die ein Auslandsaufenthalt machen, viele schöne Erinnerungen und eine tolle Zeit. Falls es doch nicht so gut läuft oder ihr an einem Punkt steht, wo ihr euch entscheiden müsst, habe ich ein offenes Ohr für euch.

Un abrazo enorme – eine große Umarmung!

Eure Jumana

Kommentare
  1. Lia.G.

    19. Juni 2022

    Hi
    Ich mache gerade eine sprachreise und bin mir unsicher ob ich sie abbrechen sollte.
    Ich möchte seit Ich hier angekommen bin nur nicht zu meinen Eltern nach Hause aber es ist erst eine Woche vergangen und noch 5 liegen vor mir.
    Was soll ich machen ?
    Nach Hause gehen oder lieber noch abwarten ob es nicht doch besser wird?
    Liebe Grüße

    1. studieren weltweit

      21. Juni 2022

      Hallo Lia, in einer neuen Umgebung und in einem fremden Land kann es zu Anfang ein paar Hürden geben. Vielleicht hilft es, wenn du über die Sprachschule neue Kontakte knüpfst, frag am besten mal direkt nach. Wir drücken dir auf jeden Fall die Daumen, dass es bald mehr Spaß macht und du deine Zeit im Ausland genießen kannst! Liebe Grüße, dein studieren weltweit Team

    2. Jumana

      21. Juni 2022

      Hallo Lia,

      schön, dass du meinen Beitrag gefunden hast.
      Ich weiß, wie schwer es ist, sich in einer neuen Umgebung wohlzufühlen. Sechs bzw. fünf Wochen sind eine absehbare Zeit, deshalb denke ich, dass du durchhalten solltest. Sprich mit deinen Freunden oder deiner Familie darüber, sie können dir auf jeden Fall Mut machen und weiterhelfen.
      Außerdem könntest du zum Beispiel auf Social Media (facebook, instagram,…) nach Gruppen suchen, um Anschluss zu finden. Dazu habe ich in diesem Beitrag https://www.studieren-weltweit.de/studium-wohnungssuche-spanien-tipps-hinweise/ auch schon mal etwas geschrieben, wonach du schauen könntest. Vielleicht gibt es vor Ort auch ein Reisebüro oder ähnliches, wo du mal hingehen kannst und einen Ausflug am Wochenende machen kannst.

      Ich wünsche Dir gutes Durchhaltevermögen, falls du noch Redebedarf hast, kannst du mir gerne auf Instagram eine DM schreiben.

      Liebe Grüße,

      Jumana

  2. Amyyyyy

    19. Juni 2022

    Hi!
    Ich mache gerade einen Sprachaufenthalt in dublin, ich bin hier für 6 Wochen und es ist gerade erst eine vorbei. Das war eine der schlimmsten Wochen in meinem Leben, ich habe so viel geweint und nahezu keinen Appetit.
    Ich wohne in einem Wohnheim in einer Wohnung mit 6 anderen davon kenne ich aber nur eine da sie auf die gleiche schule wie ich geht, sonst sehe ich hier eigentlich nie jemanden außer im gym.
    Eigentlich teilen wir uns in der Wohnung eine gemeinsame Küche, jedoch ist dort kein Geschirr, Töpfe etc. Das muss alles selbst gekauft werden obwohl mir das meine Organisation anders mitgeteilt hatte.

    Richtig anschluss habe ich noch nicht gefunden, die Leute in der Schule sind nett aber eigentlich will ich nur noch nach Hause zu meinen Eltern.
    Ich weiß nicht was ich machen soll, ich habe auch Angst mit meine eltern darüber zu reden.
    Liebe Grüße

    1. studieren weltweit

      21. Juni 2022

      Hallo Amy, das ist sicher kein einfacher Start. Die Situation mit der Küche in deinem Wohnung klärst du am besten direkt mit deiner Organisation, sie können dir bestimmt weiterhelfen. Oft gibt es in der Schule auch außerhalb des normalen Unterrichts Angebote um neue Leute kennenzulernen. Vielleicht kannst du dich da vor Ort mal im Office deiner Schule informieren. Wir drücken dir auf jeden Fall die Daumen! Liebe Grüße, dein studieren weltweit Team

    2. Jumana

      21. Juni 2022

      Hallo Amy,

      ich freue mich, dass du meinen Beitrag gefunden hast. Du hast schon eine Woche von deinem Aufenthalt geschafft und die restlichen fünf, sind auch absehbar.

      Ich kann gut nachvollziehen, wie es dir geht, da es mir sehr ähnlich ging.
      Wie das Team von studieren weltweit schon schreibt, ist das mit der Wohnsituation natürlich etwas unglücklich, aber das solltest du bei deiner Organisation auf jeden Fall ansprechen. Es könnte sein, dass sie das gar nicht wissen und dann könnte es vielleicht geändert werden. Ich drücke dir die Daumen dafür.

      Du kennst schon eine Person oder siehst Leute im Gym? Das ist doch toll! Vielleicht kannst du ja die Initiative ergreifen und mal nach einem Treffen fragen? In deinem Wohnheim könntest du mit der einen Mitbewohnerin versuchen, einen Spieleabend oder so zu organisieren. Ansonsten kann ich dir nur ans Herz legen, dass du mal nach Facebook-Gruppen suchst, wie zum Beispiel „Erasmus in Dublin“. Dort kannst du dann einen Post verfassen und auch Anschluss finden. Ansonsten frag doch mal in deiner Schule bei deinem Kurs nach, ob jemand Lust hat nach dem Unterricht etwas zu unternehmen.

      Ich finde es sehr mutig, dass du dich auf diese Art und Weise öffnest und kann dir auch nur Mut zusprechen, auch mit deinen Eltern darüber zu reden.

      Falls du möchtest, könntest du mir auch auf Instagram eine DM schreiben.
      Ich wünsche Dir alles Gute und gutes Durchhaltevermögen!

      Liebe Grüße,
      Jumana

  3. S.A.

    21. Mai 2022

    Ich finde den Artikel echt super! Nicht für jeden/jede ist ein Auslandssemester geeignet und ich finde es schade, dass an der Uni immer impliziert wird, es wäre ein Muss. Ich persönlich werde definitiv kein Auslandssemester antreten. Danke für den tollen Beitrag!

    1. Jumana

      31. Mai 2022

      Hey 😊
      Danke für deinen Kommentar! Da hast du sicherlich recht. Es gibt ja aber verschiedene Möglichkeiten, einen Auslandsaufenthalt zu absolvieren und das kann ja jede/jeder für sich entscheiden, ob sie/er das machen möchte 😄.
      Ich hab es das Auslandssemester vor allem angetreten, weil ich meine Sprachkenntnisse verbessern wollte, da ich die Sprache ja auch studiere. Durch Corona haben sich da meine Pläne auch verschoben, ansonsten wär es für mich vielleicht auch ganz anders gelaufen.

      Ich kann deine Entscheidung auch nachvollziehen, dass du kein Auslandssemester antreten möchtest und wünsche dir weiterhin alles Gute für dein Studium 🍀🥰.

      Liebe Grüße, Jumana

  4. Tim

    19. Mai 2022

    Auch wenn es natürlich schade ist, dass du abgebrochen hast ist es mindestens genauso schön, dass du wieder da bist 🙂

    1. Jumana

      20. Mai 2022

      Das stimmt, aber es gibt sicherlich noch andere Möglichkeiten für mich, nochmal ins Ausland zu gehen. ✨ Ich freue mich auch, dass ich wieder hier bin. ☺️

Antwort an Tim

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