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Was man für die Ausreise aus Israel braucht: Zeit, Geduld und starke Nerven

Was man für die Ausreise aus Israel braucht: Zeit, Geduld und starke Nerven

Nach vier Wochen Westbank und Israel war es für mich an der Zeit, nach Hause zurückzukehren. Die Ausreise am Tel Aviver Flughafen hielt allerdings einige Hindernisse und Schwierigkeiten bereit.

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Die Tickets sind erst der Anfang …

Es empfiehlt sich, drei Stunden vor Abflug am israelischen Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv einzutreffen – so lange dauern die Sicherheitskontrollen. Zunächst einmal hieß es für mich: warten, denn bevor man überhaupt das Gepäck aufgeben kann, muss man sich einer Befragung durch israelische Sicherheitsbeamte unterziehen. Die dauert unterschiedlich lange, einige Reisende konnten bereits nach fünf Minuten ihre Koffer abgeben. Nicht so ich. Die Sicherheitsbeamtin, die mich überprüfte, blätterte durch meinen Pass, und ihr misstrauischer Blick fiel sofort auf mein türkisches Studentenvisum und zahlreiche Ein- und Ausreisestempel. Geduldig antwortete ich auf ihre Fragen, dass ich ein halbes Jahr in Istanbul studiert hatte, ein wenig Türkisch sprach und das letzte Mal im Mai in Istanbul war. Sofort hagelte es neue Fragen: Warum ich so oft dort gewesen war, ob ich noch Kontakte ins Land hatte, welche Sprachen ich sprach, wo genau ich in der Türkei gewesen war, warum ich überhaupt in der Türkei studiert hatte? Nachdem ich alle Fragen beantwortet hatte, hatte die Beamtin einen weiteren Einreisestempel in meinem Pass gefunden, der sie stutzen ließ: Marokko. Dort war ich allerdings nur als Touristin gewesen (Wann? Mit wem?), das Thema war also schnell abgehakt.

Fragen über Fragen

Anschließend wollte sie wissen, ob ich meinen Koffer selbst gepackt hätte, warum ich bereits das zweite Mal in Israel war und was ich überhaupt während der vier Wochen im Land gemacht hätte. Ich erzählte, dass ich herumgereist war. Natürlich wollte sie wissen, wo. Also zählte ich möglichst beiläufig einige palästinensische und israelische Städte auf. “Wait a second, please”, erwiderte sie – und lief mit meinem Reisepass davon, was mich ein wenig nervös machte. Kurze Zeit später kam eine andere Frau mit meinem Pass in der Hand auf mich zu, die sich als Sicherheitschefin vorstellte. Sie stellte mir im Prinzip die gleichen Fragen, die ich vorher schon beantwortet hatte, und einige mehr – besonders zu meinem Aufenthalt in der West Bank. Ich schätze, sie wollte herausfinden, ob meine Antworten abwichen. Nach einer gefühlten Ewigkeit war ich fertig und konnte meinen Pass in Empfang nehmen, auf dem nun ein gelber Aufkleber prangte. Im Vorfeld hatte ich schon recherchiert, dass darauf ein Zahlencode stand, dessen erste Ziffer verriet, inwiefern man eine potenzielle Gefahr für Israel darstellte. Die Zahlen reichen von eins (geringste potenzielle Gefahr) bis sechs (höchste potenzielle Gefahr). Ich hatte eine sechs. Das heißt aber anscheinend nicht viel – letztes Jahr hatte ich bereits eine fünf.

Reisepass mit gelbem Aufkleber
Die erste Ziffer beschreibt den Grad der potenziellen Gefährdung, die man für Israel darstellt.

Sorgfältige Sicherheitskontrolle

Bei der Sicherheitskontrolle allerdings wurde mir klar, dass eine sechs entscheidende Nachteile hat. Ich wurde unfassbar genau kontrolliert. Alle meine technischen Geräte, insbesondere meine Kamera, wurden überprüft. Mein Kissen lief dreimal durch den Scanner. Danach musste ich als eine der wenigen Reisenden in einen Körperscanner. Im Anschluss tastete eine Frau mich so gründlich ab, wie ich noch nie abgetastet wurde. Sie zog sogar meine geflochtenen Haare auseinander, um zu sehen, ob ich darin etwas verborgen hatte.

Letzten Endes bekam ich ohne weitere Komplikationen meinen Ausreisezettel ausgehändigt und ich konnte in den Flieger steigen. Obwohl ich so akribisch wie noch nie kontrolliert worden war, kann ich nicht sagen, dass ich grob behandelt wurde. Im Gegenteil, alle Flughafenmitarbeiter waren ausgesprochen freundlich zu mir und erklärten genau, was passierte. Ich war trotzdem froh, als das Flugzeug mit mir an Bord startete – und auch ein bisschen wehmütig, dass meine Reise nun vorbei war.

Blick aus dem Flugzeug auf Land und Meer
Kurz nach dem Start.
Kommentare
  1. SpongeBobbele

    28. August 2019

    Hallo, ich bin gerade zum dritten Mal in Israel. Nach dem ersten Mal, einem Jugendaustausch, hatte ich eine 3 und nach dem zweiten, einem dreimonatigem Volontariat, eine 6 bekommen.
    Bei der jetzigen Einreise gab es überhaupt keine Kontrollen oder Probleme. Wahrscheinlich wird die Kontrolle bei der Ausreise nur wieder länger dauern. 🙂

  2. Gabi

    5. Februar 2018

    Hey!

    Ich war 2016 in Israel und flog direkt nach einer Purim-Party nach Hause, unausgeschlafen, verschwitzt und mit Glitzer im Ohr fiel ich offensichtlich auch auf, aber da ich nichts zu verbergen hatte, blieb ich auch ruhig und war sehr interessiert an den Kontrollen. Ich musste mich ebenfalls ausziehen und das ganze Programm durchlaufen und bin mir ziemlich sicher, dass ich auch eine 5 oder 6 hatte! Jetzt meine Frage: Werden die Einstufungen gespeichert, sodass ich bei meiner nächsten Ausreise aus Israel wieder mit Komplikationen rechnen muss? Oder gilt: neue Reise, neues Glück?
    Danke für eure Tips

    1. Carolina

      21. Juni 2019

      Liebe Gabi,
      ich war seitdem nicht mehr in Israel, daher kann ich deine Frage leider nicht beantworten. Nächstes Jahr fliege ich aber wieder nach Tel Aviv und bin gespannt, wie die Sicherheitskontrolle dann abläuft.
      Viele Grüße,
      Carolina

  3. Alex

    26. Dezember 2017

    Bin Mitte 40 und war dieses Jahr zwei mal in Tel Aviv. Leider nicht um Urlaub zum machen, sondern zum arbeiten. Bei mir kleben hinten im Reisepass Aufkleber die alle mit einer 2 beginnen. Die Befragung am Flughafen waren recht kurz und dauerten nicht länger als 5 Minuten. Vor mir ein junger Mann aus Australien. Rucksack und Iso-Matte … lange Haare … wie ein angehender Student auf Reisen …
    Dieser Mann wurde ziemlich lang befragt und die beiden Sicherheitskäfte haben auch zusätzlich eine Frau angefordert die nochmal anscheinend wesentlich genauer nachgefragt hat.
    Weil ich neugierig bin habe ich diesen jungen Mann später gefragt was er für eine Nummer hinten auf seinem Aufkleber hat. Ich war verwundert das er so wie ich eine 2 hatte.
    Ich glaube die Sache mit der Nummer ist nur ein Märchen !!!
    Es kommt einfach darauf an wo man in der Welt gewesen ist und welche Stempel man im Reisepass hat, sonst nichts.

    1. Para

      19. Juni 2019

      Guten Tag
      Meine Frage ist: Für die Sicherheitsfragen am Flughafen Israel, gibt es Deutsch sprechende Sicherheitspersonal?????
      Weil ich niemals alle fragen verstehen und beantworten kann, schlechte Englisch Kentnisse.

  4. Bekka

    1. November 2017

    Carolina, nachdem ich den von dir verlinkten Artikel (Zahlencode) im Business Insider gelesen habe, der mit meinen Eindrücken an israelischen Flughäfen übereinstimmt, habe ich deinen Artikel nochmal gelesen. Dabei fiel mir folgendes auf, was zu deiner Einstufung als 6 geführt haben könnte:

    Du schreibst “ ihr misstrauischer Blick fiel sofort auf mein türkisches Studentenvisum.“ Warum das wertenden ‚misstrauisch‘? Das ist ihr Job. Dafür wurde sie über aufwendige Verfahren ausgesucht und hervorragend ausgebildet. Das sieht man auch daran: „Marokko. Dort war ich allerdings nur als Touristin gewesen (Wann? Mit wem?), das Thema war also schnell abgehakt.“

    Fragen über Fragen – so ging es mir auch.

    „Also zählte ich möglichst beiläufig einige palästinensische und israelische Städte auf…“ Und genau hier wird die hoch professionelle Spezialistin zurecht misstrauisch, denn ‚möglichst beiläufig‘ ist nicht authentisch, sondern genau die Art von Verhalten, die alle Alarmglocken läuten lässt.

    Wie ich, die ich großes Interesse an den Sicherheitsvorkehrungen zeigte und daher das Interesse der Sicherheitsmitarbeiterin weckte und mit 5 eingestuft wurde, trotz meines fortgeschrittenen Alters, wurdest du durch Auffälligkeiten höher eingestuft. Während ich durch mein weiteres Verhalten wieder zurückgestuft wurde und sogar die angekündigte Sonderkontrolle meines Koffers entfiel, wurdest du durch deine betont ‚beiläufigen‘ Antworten als Risiko bestätigt und genau kontrolliert.

    Genau so sollte es sein und deine Geschichte bestätigt, warum die Flughafenkontrollen in Israel die besten der Welt sind.

    1. Blinder Passagier

      14. März 2018

      Nee, es sind nicht die besten der Welt. Erst in Zürich beim Einreisen in den Schengenraum wurde einmal bei einem Passagier eine 1l Wasserflasche im Handgepäck gefunden, einen anderen ließen die Israelis mit Nagelfeile und zwei Scheren im Handgepäck an Bord. Die Israelis sind in erster Linie paranoid, da können sie schon mal etwas übersehen. Ihre Befragungen sollte man auch nicht zu ernst nehmen. Bei Sprachschwierigkeiten geben sie schnell auf. Trotzdem ein schönes Land, in dem es auch sehr angenehme Menschen gibt.

  5. Bekka

    1. November 2017

    Ich war vor einigen Jahren in Israel und fand die Sicherheitsüberprüfungen -im Gegensatz zu den USA und Europa- sehr gut. Sehr durchdacht. Und auch ich wurde mit 5 eingestuft. 4 besagt jedoch lediglich, dass man Alleinreisende/r ist, kein Jude und 5 entweder männlich bis etwa 35-40 Jahre oder durch irgendetwas aufgefallen ist. Paare, auch junge Schwule, werden niedriger eingestuft, normalerweise mit 2-3.

    Ich war Mitglied einer Gruppenreise und nur eine Woche in Israel. Warum ich strenger überprüft wurde als die anderen erkläre ich mir dadurch, dass ich großes Interesse an den Maßnahmen der Sicherheitsüberprüfungen zeigte. Ich schaute mich interessiert um. Das fiel auf – und so sollte es auch sein.

    Was ich an den israelischen Sicherheitsüberprüfungen gut finde? Sie sind effektiv, sie werden von sehr gut ausgebildeten meist jungen Frauen höchst professionell und freundlich ausgeführt. Die Frauen, die bereits während des Militärdienstes als talentiert für diese wichtige Arbeit auffallen, werden psychologisch trainiert und sie sind, im Gegensatz zu vielen Sicherheitsmitarbeitern in anderen Ländern, keine schlecht bezahlten Teilzeit-/Kräfte.

    Ich wurde als erste befragt, während die junge Frau ihren Blick immer wieder durch das Terminal schweifen lies. Keinerlei Hektik. Auch musste ich als Einzige meiner Gruppe zu einer zusätzlichen Kofferkontrolle.
    Anscheinend wird auch hier alles genau überwacht. Als ich aufgerufen wurde und meinen Koffer auf den Tisch hob, musste ich ihn erst wieder runternehmen, da dies erst nach Aufforderung zu geschehen hat, und nach der Aufforderung wurde mir gesagt, ich könne gehen, es wäre alles in Ordnung. Auch mein Koffer müsse nicht geöffnet werden. Auf meine Frage hieß es, es sei keine Überprüfung notwendig. Anscheinend hatte ich mich genauso harmlos verhalten, wie ich es war. Darauf sind die israelischen Sicherheitskräfte trainiert und das merkt man.

    Ich konnte mein Getränk behalten und mit ins Flugzeug nehmen und musste meine Schuhe nicht ausziehen. Selten habe ich mich so sicher gefühlt, wie am Flughafen in Israel.

    So wünsche ich mir alle Überprüfungen: Konzentriert, freundlich, ohne lästiges Schuhe ausziehen oder Handcremes und Getränke entsorgen.
    Dafür konzentriert auf Risikogruppen: Diese sind junge allein reisende Männer. Zum Beispiel wurden auch die beiden Mittzwanziger, die in unserer Reisegruppe lediglich das Zimmer teilten, als Hochrisiko eingestuft und intensiver befragt. Aufgrund des Alters, männlich, nicht jüdisch und kein Paar.

    In Israel wird nicht PC-korrekt die Oma zur Random-Höchstkontrolle abgeführt, was in Frankfurt durchaus passieren kann. Da ältere Damen normalerweise keine Anschläge verüben werden sie als niedriges Risiko eingestuft – außer sie fallen auf. Es wird sich auf die konzentriert, die die höchste Risikogruppe darstellen: Junge Männer und alle, die sich besonders un/auffällig verhalten.

    Extrem, ja. Aber effektiv. Bisher wurde kein Flug von Ben Gurion entführt und die israelische Fluggesellschaft El Al hat seit mehr als 30 Jahren keinen Angriff mehr erlebt. Und dass, obwohl Israel von arabischen Staaten umgeben ist und es dort nicht immer friedlich zugeht.

    Daran sollten sich die TSA und andere Länder orientieren. An diesem System, das funktioniert. Allerdings müsste man die dafür notwendigen Mitarbeiter aufwendig trainieren, wertschätzen und gut bezahlen.

    1. Julia

      16. November 2017

      Super berichte!

  6. Matilda

    5. August 2017

    hej! danke für deinen erfahrungsberich!
    warst du nach deiner kategorisierung in die höchstmögliche gefährdungsstufe „6“ noch einmal in israel? weisst du, ob es mit dieser schwieriger/unmöglich ist, einzureisen?
    liebst
    matilda

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