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Dankie Stellenbosch – Rückblick auf mein Auslandssemester

Dankie Stellenbosch – Rückblick auf mein Auslandssemester

Seit ein paar Tagen bin ich nun wieder in Deutschland und es ist Zeit, mein Auslandssemester in Südafrika Revue passieren zu lassen. Ich habe mich in Stellenbosch wohlgefühlt und habe das Gefühl, dass das Auslandssemester genau das Richtige war – zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Wie ich auf die letzten fünfeinhalb Monate zurückblicke und ob ich meine Mission erfüllt habe, darum soll es in diesem letzten Blogbeitrag von mir gehen.

Als ich meinen Master in International Economics an der Uni Göttingen angefangen habe, war es weder mein Plan, ein Auslandssemester in Südafrika zu machen, noch wusste ich von der engen Kooperation zwischen den VWL Departments meiner Uni und der Stellenbosch Universität (SU). Manchmal ergeben sich eben unverhoffte Möglichkeiten und Anfang Februar war es dann so weit für mich – per Direktflug ging es von einstelligen Temperaturen und Nieselregen zu Sonne pur und 33 Grad.


Der Campus – the place to be

Der Campus hat mich von Anfang an angezogen, und das nicht nur aus dem Grund, dass ich meine erste Vorlesung keine 24 Stunden nach Landung hatte. Und auch nicht nur aus dem Grund, dass ich noch drei Prüfungsleistungen aus Deutschland mit an meine Gastuni genommen habe, die mich die ersten fünf Wochen begleitet haben. Vielmehr habe ich mich am Campus einfach wohlgefühlt, da ich lange keinen so belebten Campus mehr zu Gesicht bekommen habe. Der Campus war das, was ein Campus sein sollte – ein Ort voller Leben, Austausch und spontanen Begegnungen. Die Aussicht auf die Berge um Stellenbosch, die Palmen und Bäume, die grünen Liegewiesen und das gute Wetter machten den Campus gerade in der Anfangszeit zu einem meiner Lieblingsorte. Auch das Neelsie (zentrales Einkaufszentrum mit Essensmöglichkeiten) im Herzen des Campus war ein beliebter Treffpunkt für die Mittagspause, in dem teilweise sogar ein DJ mittags Musik aufgelegt hat.

Bild eines Univeristätsgebäudes der Stellenbosch Universtität mit Palmen und Berge im Hintergrund
Wohlfühloase Campus – Die grünen Bäume und die Aussicht auf die Berge machen den Campus besonders.

Unter diesen Bedingungen konnte ich auch motiviert meine Prüfungsleistungen aus Deutschland abschließen. Gleichzeitig konnte ich mich in meinem neuen Umfeld einleben, auch wenn dies doch eine zeitliche Herausforderung war.

Allgemeines zum Studium an der Faculty of Economics der SU

Die Organisation rund um das Studium läuft in Stellenbosch etwas anders ab als in Göttingen. Das Semester war bei mir durch eine zweiwöchige „recess“ in zwei Teile unterteilt. Während recess gibt es keine Vorlesungen, aber es stehen Fristen für Abgaben und die Zwischenprüfungen kurz danach an. Durch meine individuelle Kurswahl hatte ich allerdings nur einen Essay abzugeben. Insgesamt hat sich bei mir der Großteil der Prüfungsleistungen auf das Ende des Semesters konzentriert. Nach dem recess wechseln dann in der Regel die Dozenten in den Kursen, was auch bei mir der Fall war.

Dadurch, dass in meinem Master in meiner Kohorte an der SU nur etwa 25 Studierende waren, ist die Atmosphäre generell etwas familiärer und weniger anonym im Vergleich, wie ich es aus Deutschland kenne. Die Professor*innen und Dozierenden sind nach der Vorlesung immer gut ansprechbar bei Fragen. Dadurch, dass alles etwas flexibler ist, kam es bei mir vor, dass eine Klausur weniger als 24 Stunden vorher um vier Tage nach hinten verschoben wurde. Die Abgabetermine und Klausurtermine werden nämlich individuell zwischen den Professoren und der Studiengangsvertreterin festgelegt, sodass sehr gut auf die Bedürfnisse der Studierenden eingegangen werden kann. Insgesamt hat sich mein Semester dann aber durch die Prüfungstermine meiner gewählten Kurse sowie einem bereits zuvor thematisierten Vorfall etwas in die Länge gezogen. So hatte ich noch Abgabetermine, als mein Vertrag im Wohnheim schon ausgelaufen war und die meisten anderen Austauschstudierenden schon wieder in ihre Heimat zurückgekehrt sind.

Die folgenden Kurse habe ich belegt:

  • Econometrics: Ökonometrie Pflichtkurs für alle Masterstudierenden vor Ort. Es wird ein breites Repertoire an quantitativen Inhalten behandelt. Die Endnote setzt sich aus zwei dreistündigen Klausuren und zwei individuellen Hausarbeiten, in denen man die Inhalte mithilfe von statistischer Software anwendet, zusammen. Insgesamt viel Zeitaufwand, aber auch viel gelernt.
  • Data Science for Economics and Finance: Die Dozierenden arbeiten in der freien Wirtschaft und geben spannende Einblicke. Die 15-stündige Programmierklausur hatte es in sich. Ich habe viel mitgenommen aus dem Kurs und bin froh, mich für diesen entschieden zu haben.
  • Advanced Development Economics: Jede Woche ging es um andere Themen wie Bildung, Gesundheit oder Ungleichheit – meist mit Bezug auf Südafrika. Die Vorlesungen wurden insgesamt von drei verschiedenen Professoren gehalten, für Abwechslung war also gesorgt.

Mein soziales Projekt

Die Universität Stellenbosch bietet im Rahmen ihrer Community Engagement Programme verschiedene Möglichkeiten an, sich sozial zu engagieren. Ein Bestandteil meines DAAD-Stipendiums war das Engagement in einem sozialen Projekt. Ich habe mich für das Songo-Programm im Township Kayamandi entschieden, in dessen Rahmen Kinder zwischen 8-16 Jahren nach der Schule Nachhilfe in Mathe und Englisch von internationalen Studierenden bekommen. Hier habe ich darüber bereits berichtet. Die zwei Stunden wöchentlich empfand ich als willkommene und sinnvolle Tätigkeit abseits der Bubble auf dem Campus. Ich bin sehr froh, dass die SU diesen Austausch organisiert. Es hat mir sehr dabei geholfen, Südafrika besser zu verstehen und die Kinder konnten auch ihre sozialen Fähigkeiten ausbauen und haben (hoffentlich) etwas für ihren Englisch- und Mathematikunterricht mitgenommen.

Freizeitangebote der SU

Ich kann mir keinen Ort vorstellen, an dem man ein so breites Angebot an Outdooraktivitäten, kulinarischen Veranstaltungen und Großstadtmöglichkeiten (Kapstadt) hat wie in Stellenbosch. Das Sportangebot der Uni ist hervorragend. Ich habe in der Surfing Society das Surfen im 30 Minuten entfernten Ort Strand gelernt. Ich kann mich noch sehr an die erste Surfstunde erinnern, die Lichtkulisse mit dem Sonnenuntergang hinter dem Tafelberg ist eine ganz Besondere. Ohne die festen Termine der Surfing Society, hätte ich mir wahrscheinlich nicht die Zeit zum Surfen genommen.

Zusätzlich habe ich mich mit ein paar Freunden aus meinem Wohnheim im Ruderclub der SU angemeldet. Das Training war unter der Woche immer am Sportgelände der Uni auf Rudermaschinen in der Hütte des Ruderclubs. Über eine App konnte man sich für das Training eintragen und frei entscheiden, an welchen Nachmittagen und zu welcher Uhrzeit man kommen möchte. Diese Flexibilität habe ich in meinem Unialltag sehr zu schätzen gewusst.

Zwei Highlights in meiner Freizeit waren für mich von musikalischer Natur. Einmal habe ich ein Konzert des Symphonieorchesters der SU besucht und einmal ein Konzert des Universitätschores der SU, welcher zu den besten der Welt gehört. Vor allem bei Letzterem ist Gänsehaut-Feeling vorprogammiert. Dazu habe ich auf meinem Blog auch eine Story hochgeladen.

Die Region Stellenbosch ist darüber hinaus bekannt für ihre landwirtschaftlichen Erzeugnisse wie Wein. Es gibt über 200 Weingüter in der Umgebung, die wunderschön gelegen sind und zum Zeit verbringen einladen. Manche dieser Weinfarmen bieten nicht nur Wein an, sondern verkaufen auch andere Erzeugnisse wie Käse, Obst und Gemüse. Drei meiner Lieblingsweinfarmen sind Babylonstoren, Boschendal und Spier. Diese gehören zu den Größeren ihrer Art und haben auch Restaurants, Cafés und Platz zum Lesen, Arbeiten und Entspannen. Das International Office der Uni hat am Ende des Semesters auch einen Ausflug zu einer dieser vielseitigen Farmen organisiert, der Spice Route in Paarl. Dort haben wir einen halben Tag mit verschiedenen Tastings (z. B. Schokolade und Wein) verbracht, was einer schöner Abschluss war.

Mission completed

Als Mission vor meinem Auslandssemester habe ich mir vorgenommen, neue Impulse auf mein Studienfach und Südafrika zu gewinnen, bevor ich meine Studienzeit mit meiner Masterarbeit abschließen werde.

Akademisch bin ich mit dem Auslandssemester zufrieden. Bei der Kurswahl hatte ich die Freiheit, die Kurse auszuwählen, die ich wollte. Mit den neu gelernten Inhalten und Methoden bin ich nun gewappnet, das letzte Projekt meines Studiums, die Masterarbeit, anzugehen. Für nicht-fachliche Kurse wie einen Sprachkurs oder einen Kurs zu Naturschutzmaßnahmen mit einwöchiger Exkursion in den Kruger-Nationalpark blieb leider keine Zeit. Durch die Teilnahme am oben beschriebenen sozialen Projekt und in den Sportsocieties konnte ich aber auf andere Weise viel über Südafrika und über mich lernen.

Den Großteil meiner Zeit habe ich im Western Cape – in Stellenbosch, Kapstadt und an der Garden Route verbracht. Durch meine Reise am Ende meines Semesters nach Johannesburg und in den Kruger-Nationalpark hatte ich die Möglichkeit, weitere Teile Südafrikas kennenzulernen. Das hat mir dabei geholfen, ein umfassenderes Bild dieses riesigen und vielseitigen Landes zu bekommen.

In einem Auslandssemester lernt man auch mit schwierigen Situationen umzugehen, so war es auch bei mir. Die Zeit, in der mir Handy und Portemonnaie gestohlen wurde, war sehr herausfordernd und stressig. Nichtsdestotrotz habe ich auch diese Zeit gemeistert und mich nicht entmutigen lassen, Südafrika zu erleben.

Wie geht es nach Südafrika für mich weiter?

Meine letzte Woche in Südafrika habe ich wieder in Stellenbosch verbracht habe und mich noch von einigen Freund*innen und Kommiliton*innen verabschiedet. Seit ein paar Tagen bin ich wieder in Deutschland bei meiner Familie.

Gruppenfoto von Erik's Abschiedsabend vor einer Bergkulisse
Am Tag vor meinem Abflug war ich mit ein paar Freunden aus meinem Studiengang noch ein letztes Mal auf einer Weinfarm.

Im Laufe des Augusts werde ich wieder nach Göttingen zurückkehren, um mein Studium fortzusetzen. Davor werde ich noch Familie und Freunde in Deutschland besuchen und den Sommer ein wenig genießen.

Falls ihr noch weitere Fragen oder Kommentare habt, bin ich weiterhin auf Instagram (@eriksson396_) erreichbar. Ich hoffe, ich konnte euch ein umfassendes Bild zu meinem Auslandssemester in Südafrika vermitteln. Meine Zeit als Correspondent ist hiermit vorbei und ich bin sehr froh, Teil der Kampagne „studieren weltweit – ERLEBE ES!“ gewesen zu sein.

Alles Gute und bis bald!

Erik

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