studieren weltweit

Die längste Anreise aller Zeiten

Du möchtest wissen, warum ich ganze sechs Monate gebraucht habe, um nach Mendoza zu kommen? Und was hat ein Lehramtsstudium mit dieser Entscheidung zu tun? Ich nehme auch mit auf meine Reise – warum ich ausgerechnet hier gelandet bin und was Mendoza so besonders macht. Seid gespannt auf meine Geschichte!

Ich studiere im achten Semester Lehramt für die Fächer Russisch und Spanisch. Ich war schon immer begeistert von der großen weiten Welt und habe mit 18 angefangen zu reisen. Ich habe viele verschiedene Möglichkeiten ausprobiert, zum Beispiel FSJ im Ausland, Backpacking, Praktika, Freunde besuchen oder auch Erasmus+ Projekte.

Ich habe mich von Anfang an in das Erleben anderer Kulturen, dem Lernen anderer Sprachen und in die neuen Erfahrungen verliebt. Seitdem steht für mich fest, dass ich soviel wie möglich reisen und erleben möchte, in so vielen Ländern wie möglich! Für mich war klar, dass ich keine Chance auslasse, und dazu gehört selbstverständlich auch das Auslandsstudium. Vor allem als Sprachenlehrer ist die Erfahrung in anderen Ländern unabdingbar und macht mich zu einem besseren Lehrer und einer reiferen Person. Als Spanischlehrer ist es naheliegend, dass ich mich für spanischsprachige Länder bewerbe.

Bereits im Jahre 2021/2022 habe ich ein Erasmus in Las Palmas de Gran Canaria verbracht. Dieses Jahr hat mich damals schon extrem weiter gebracht und mein Spanisch enorm verbessert. Darüber hinaus habe ich Freunde fürs Leben kennengelernt und mich in diese Insel verliebt.

Ein weiterer Grund war für mich auch wieder rauszukommen aus Deutschland nach ein paar anstrengenden Corona-Jahren und einen weiteren tollen Erdteil, Südamerika, kennenzulernen.

Was brauche ich für ein Auslandssemester?

Grundsätzlich ist es nur wichtig, die Deadlines deiner Universität bzw. Fakultät einzuhalten, zu wissen wohin es gehen soll, und Geld zu sparen oder gespart zu haben. Ich musste an der Uni eingeschrieben sein und mich dann bewerben für meine Fakultät Philologie. Ich habe den festen Plan ins Visier genommen nach Südamerika zu gehen, weil ich dort bis dahin nur einmal kurz gewesen bin. Für Lehramtsstudierende ist es nicht so üblich ins Ausland zu gehen, weil man natürlich ein spezielles Bildungssystem hat, bei welchem es sich lohnt in Deutschland zu bleiben und erste Erfahrungen als Lehrer in der Heimat zu sammeln.

Als Sprachenlehrer ist es jedoch verpflichtend, mindestens drei Monate in einem Land zu leben oder zu arbeiten, dessen Sprache jemand unterrichten möchte. Ich möchte hierbei auch nochmal betonen, dass es absolut keinen Nachteil mit sich bringt ins Ausland zu gehen und man durch ein Urlaubssemester sowohl von der Regelstudienzeit befreit werden kann, als auch keine Leistungspunkte machen muss. Aus diesem Grund habe ich vor, alle Auslandssemester, wozu auch Praktika zählen, auszunutzen und wertvolle Erfahrungen überall auf der Welt zu sammeln.

Finanzierung

Die Frage aller Fragen ist die Finanzierung des Auslandssemesters.

Es gibt viele Möglichkeiten, um sich diese Erfahrung zu finanzieren:

  • Auslands-BAföG
  • Stipendium (DAAD, Erasmus+)
  • Arbeiten und sparen bevor des Semesters
  • während des Semesters arbeiten
  • Kindergeld
  • Stiftungen

Ich denke am Besten ist das Arbeiten vor dem Semester, weil ich so viel Geld sparen konnte, um über das Stipendium bzw. die Förderung hinaus so unabhängig wie möglich zu sein. Dazu kommt auch das Bewerben auf alle möglichen Stipendien und bekannten Förderungen. Eine weitere Möglichkeit ist auch neben dem Studium remote zu arbeiten und sich so Geld im Ausland zu verdienen. Auch Stiftungen vergeben jedes Jahr Stipendien, welche oft an akademische Leistungen oder andere Faktoren geknüpft sind. Wichtig ist auch sich das Land je nach Budget gut auszusuchen. Klar bekommt man mehr Förderung bei einem Land wie Kanada, aber die Lebenshaltungskosten sind auch sehr hoch…

In einem halben Jahr durch zehn Länder

Meine Situation ist etwas spezieller, weil ich mich entschieden habe, vor meinem Auslandssemesters ein Urlaubssemester zu beantragen, um mir möglichst viel Zeit zu nehmen. Ganz nach dem Motto: „Der Weg ist das Ziel“.

Wie oben bereits angedeutet habe ich mich entschieden, ein halbes Jahr eher anzureisen und dabei auf dem Weg so viel wie möglich von der Welt zu sehen. Ich beschloss, nur mit einem 40l-Rucksack, meine Reise in Nordamerika anzufangen. Durch das langjährige Reisen habe ich Freunde und Bekannte auf der ganzen Welt und daher war es eines meiner Anliegen so viele wiederzusehen wie nur möglich! Von Toronto ging es in die USA nach Minnesota, um mir einen langjährigen Traum zu erfüllen: Ein NFL-Spiel meines Lieblingsteams den Minnesota Vikings. Danach ging es, um den Winter zu entfliehen in die Karibik. Dort habe ich den Winter übersprungen und konnte Puerto Rico, Kuba und die Dominikanische Republik kennenlernen. Nach einer wunderbaren, erholsamen und eindrucksreichen Zeit ging es dann weiter nach Kolumbien, wo ich in mehreren Städten Freunde wiedergesehen habe. Diese Wiedersehen waren wunderschön und ich konnte vieles neues in diesem Land kennenlernen, unter anderem habe ich auch Salsa und Bachata gelernt. Die hüftsteifen Zeiten sind also vorbei 😉

Anschließend ging es nach Chile und nach Bolivien, um letztendlich hier in Cochabamba mein Visum für Argentinien zu beantragen. Eine wirklich turbulente Zeit mit Höhen und Tiefen, sowohl emotional als auch finanziell…

Mein emotionaler Tiefpunkt war die Trennung von meiner Ex-Freundin, wegen der Distanz. Kurz darauf kam direkt mein emotionaler Höhepunkt mit der Erfüllung meines Traumes in Minnesota! Finanziell war ich zwischenzeitlich durch einige Nachzahlungen in Deutschland in Probleme geraten, allerdings konnte ich diese durch viel Arbeit schnell überwinden…

Meine Finanzierung

Ich habe alle Optionen ausgenutzt, um mich finanziell auf dieser Reise breit aufzustellen. Ich habe den ganzen Sommer gearbeitet, um Geld zu sparen. Darüber hinaus habe ich mich auf alle möglichen Stipendien beworben. Selbstverständlich habe ich mein Recht auf Unterstützung des Auslandssemesters in Form des Auslands-BAföGs wahrgenommen und alle Unterlagen abgeschickt.

Tipp: Am Besten so früh wie möglich das Auslands-BAföG und alles andere beantragen, um nicht in Verzug zu geraten und rechtzeitig gefördert zu werden.

Ich arbeite als Online-Nachhilfelehrer und verdiene mir so ein bisschen was nebenbei, um meine großen Kosten zu decken. Außerdem bin ich seit kurzem Korrespondent für den DAAD. Zusammen mit dem Auslands-BAföG sollte das also kein Problem sein, und ich denke, ich kann davon in Argentinien vernünftig leben. Das Gute bzw. das Beste am Reisen ist, dass ich lernte, mit wenig Mitteln bewusst und verantwortungsvoll umzugehen… Die Auslandskrankenversicherung habe ich für ein Jahr abgeschlossen und diese hat mich ca. 500 Euro gekostet für ein Jahr inklusive Kanada und die USA.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass mir die Anreisezeit von 25.000 km wichtiger war als die Studiumszeit, und ich die Auszeit sehr genossen habe, obwohl ich nebenbei gearbeitet habe. Die Reise hat sich gelohnt und ich würde es jederzeit wieder so machen, denn Erinnerungen zählen für mich mehr als in der Universität schnellstmöglich fertig zu werden.

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