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„Ich kann mir das nicht leisten“ war gestern

„Ich kann mir das nicht leisten“ war gestern

Ihr überlegt, ein Semester im Ausland zu verbringen, aber fragt euch, ob ihr das finanziell wirklich stemmen könnt? An meinem Beispiel seht ihr, dass die Finanzierung eines spontan geplanten Auslandsaufenthaltes kein großes Problem darstellen muss.

Münzen auf Balkon

Das Erasmus+-Programm

Die wohl bekannteste Möglichkeit, eine ordentliche Finanzspritze für ein Auslandssemester zu erhalten ist das Erasmus+-Programm. Dieses ermöglicht euch nicht nur eine monatliche finanzielle Unterstützung von bis zu 420 € (Mobilitätsbeihilfe). Daneben werden auch die Studiengebühren der Universität im Wahlland innerhalb Europas übernommen, so dass ihr lediglich wie gewohnt die Semestergebühren eurer Heimatuniversität bezahlen müsst.

Darüber hinaus ist es ratsam, sich beim Internationalen Büro eurer Heimatuniversität und/oder dem  jeweiligen Fachkoordinator eurer Fakultät über die Erasmusförderung zu informieren. Der Erasmusprozess ist zwar immer sehr ähnlich, jedoch von Universität zu Universität nicht unbedingt deckungsgleich.

Ich studiere Rechtswissenschaften in Tübingen. Da ich alle notwendigen Prüfungsleistungen vorweisen kann, die ich zur Zulassung für das erste Staatsexamen brauche, bekam ich etwas Panik und wollte davor noch einmal ausgiebig Kraft (und Sonne) tanken. Daher beschloss ich, ganz spontan für ein Auslandssemester nach Spanien zu ziehen. Doch was passiert, wenn ihr euch wie ich erst dann bewerbt, wenn alle „Töpfe“ bereits leer zu sein scheinen?

Zero-Grant-Studierende: Was bedeutet das?

Da ich, wie gesagt, sehr kurzfristig den Entschluss gefasst habe, ein Semester in Spanien zu verbringen, konnte ich mich leider nicht fristgerecht für das Erasmus+-Programm bewerben. Das Internationale Büro meiner Heimatuniversität teilte mir schon vor der Bewerbung mit, dass die bereitgestellten Mittel nicht für alle Erasmusteilnehmer/innen reichen werden. Ist dies der Fall, werden zuerst alle fristgerechten Bewerber berücksichtigt und die gegebenenfalls übrig gebliebenen Mittel auf die anderen Teilnehmer aufgeteilt. Leider reichten die Mittel für mich nicht mehr aus, so dass ich als sogenannte Zero-Grant-Studentin ins Ausland starten sollte. Als Zero-Grant-Studierender erhält man zwar einen studiengebührenfreien Studienplatz an der Wahluniversität im Ausland, jedoch keine monatliche Mobilitätsbeihilfe. Natürlich war das für mich zunächst einmal ein ziemlicher Rückschlag. Schließlich hätten mir im Monat sage und schreibe 360  zugestanden. Klar, dass in einer solchen Situation erstmal Zweifel an dem eigenem Vorhaben aufkommen. Da ich jedoch alle Universitätsprüfungen bereits bestanden habe und somit „nur noch“ das Staatsexamen vor der Tür steht, gab es für mich keinen anderen Zeitpunkt, um ins Ausland zu starten.

Wieso man sich auch als Zero-Grant-Studierender ins Ausland wagen sollte

Zum einen bedeutet Zero-Grant nicht zwingend, dass man überhaupt keine Mobilitätsbeihilfe bekommt. Selbstverständlich müssen die Internationalen Büros darauf hinweisen, dass zunächst keine monatliche Finanzierung durch das Erasmus+-Programm erfolgen kann. Jedoch kann es passieren, dass einige Erasmusteilnehmer/innen kurz vor dem Auslandsaufenthalt abspringen. Kein Wunder bei Bewerbungsfristen, die teilweise schon ein halbes Jahr vor Beginn des Aufenthaltes enden. Dazu kommt, dass einige Teilnehmer/innen ihren Auslandsaufenthalt früher als geplant beenden. Die eigentlich vergeben geglaubten Mittel werden am Ende des Auslandsaufenthaltes dann auf alle Zero-Grant-Studierenden aufgeteilt. Nicht selten, dass diese schlussendlich sogar die Förderung erhalten, die ihnen bei einer fristgerechten Bewerbung von Beginn an zugestanden hätten.

Es gibt aber es auch noch andere Möglichkeiten, den Auslandsaufenthalt zu finanzieren.

Möglichkeiten einer Finanzierung ohne Erasmus+

Da ich als Zero-Grant-Studentin ins Ausland starten würde, war ich mir bewusst, dass ich mich zunächst einmal selbst um die Finanzierung kümmern müsste. Um für meine Leidenschaft, das Reisen, sparen zu können, arbeite ich seit vielen Jahren mindestens einmal wöchentlich und hatte zudem lukrative Ferienjobs. Hinzukommen ein paar Gesangsauftritte auf Hochzeiten, die die Kasse ab und an zum Klingeln gebracht haben. In der kurzen Zeit, die mir bis zum Abflug nach Spanien blieb, ging ich schließlich vermehrt arbeiten, um das bereits Ersparte weiter aufzustocken. All das nutze ich nun, um mein Semester in Spanien und die geplanten Reisen während dieser Zeit zu finanzieren.

Darüberhinaus habe ich mein WG-Zimmer untervermietet. Klar ist es zu Beginn ein unangenehmer Gedanke, einen fremden Menschen in den eigenen vier Wänden leben zu lassen. Jedoch findet man immer eine vertrauenswürdige Person, wenn man nur lange und gewissenhaft genug sucht.

Natürlich ist eine eigene Finanzierung nicht unbedingt der bequemste Weg, allerdings war ich mir sicher, dass mein Fleiß am Ende belohnt werden würde. Und ich kann euch bisher auch versichern, dass es jeden selbst verdienten Cent wert ist! Außerdem kann es doch auch schön sein, am Ende vielleicht doch noch eine Mobilitätsbeihilfe zu bekommen, mit der man schon gar nicht mehr gerechnet hat.

Wenn ihr nicht so spontan wie ich ins Ausland startet, gibt es auch noch viele andere Möglichkeiten der Finanzierung. Diesbezüglich kann ich euch die Informationsseite meiner Heimatuniversität ans Herz legen, auf der andere zahlreiche Finanzierungsmöglichkeiten für Studierende (wie z.B. DAAD-Stipendien) aufgelistet werden. Auch Studieren weltweit hat eine wirklich hilfreiche Seite mit weiteren Finanzierungsmöglichkeiten zusammengestellt. Auf dieser findet ihr Informationen beispielsweise zum Auslands-BAföG, welches euch auch dann zustehen könnte, wenn ihr in Deutschland bisher kein BAföG erhaltet. Auch ein Bildungskredit kann euch euren Auslandsaufenthaltes finanzieren, muss jedoch bei Einstieg ins Berufsleben zurückgezahlt werden.

FAZIT: „Ich kann mir das eh nicht leisten“ gibt’s nicht!

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