studieren weltweit
Die Abrechnung: Das kostet ein Praktikum in Russland

Die Abrechnung: Das kostet ein Praktikum in Russland

Russisch Roullete oder rollender Rubel? Wie teuer ist das Leben in Russland während eines unbezahlten Praktikums? In diesem Beitrag erfahrt ihr, was mein Auslandsaufenthalt gekostet hat und welche Punkte ihr für eure Planung auf keinen Fall vergessen solltet.

Ich bin jetzt seit über einen Monat aus Sibirien zurück und hatte die Gelegenheit die Ausgaben und Einnahmen meiner gesamten Reise durchzurechnen. Vor einem Aufenthalt im Ausland stellt man sich oft die Frage, wie man diesen finanzieren soll und was es überhaupt kostet. Damit ihr es einfacher habt, liste ich euch detailliert auf, was zum Beispiel meine Flüge nach Russland gekostet haben oder wie hoch die Miete für ein WG-Zimmer in Nowosibirsk ist.

Das Wichtigste zuerst

Wenn ihr auf der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten für euer Auslandspraktikum seid, nützliche Tipps braucht oder noch mal alles Wissenswerte übers Auslands-BAföG, Stipendien und Co erfahren möchtet, folgt einfach den angegebenen Links. Weitere gute Hilfen geben Sina zum Erasmus+ Programm, Malte zu Promos und Carina zum Praktikum im Ausland.

Bevor ich einzelne Punkte anspreche, möchte ich vorwegnehmen, wie teuer es nun wirklich war: Für meinen Aufenthalt in Russland habe ich insgesamt, mit Flügen, Versicherung etc., fast 4.000 Euro ausgegeben. Eine ganze Menge, wenn man bedenkt, dass ich für drei Monate in Bonn 2.400 Euro brauche.

Die Kosten

  • Vorbereitung: 250 € (Visum, Reiseführer, warme Kleidung, Auslandskrankenversicherung)
  • Flüge (hin u. zurück): 355 €
  • Lebenshaltungskosten in Nowosibirsk: 1700 € (insgesamt für drei Monate, inklusive Miete – 150 Euro für einen Monat)
  • Russischunterricht: 240 € (2x die Woche privater Unterricht am Abend)
  • Reisen: 1.000 € (St. Petersburg, Irkutsk, Tomsk, Jekaterinburg, Kasan – inklusive Flüge, Hostels und Essen/Trinken)
  • Sonstige Kosten: 300 € (Medikamente, Souvenirs usw.)
  • Insgesamt: 3.845 € = 238 390 RUB (1€ = 62 RUB)
Russische Rubel

Und für fast alles brauchte ich Rubel. Die Umrechnung hat mich manchmal in die Verzweiflung getrieben …

Zurück zum Anfang

Wo also, kam das Geld her? Vor dem Praktikum habe ich zu aller erst mein WG-Zimmer untervermietet. Fast 400 Euro mehr, die ich dringend benötigte. Zusätzlich zur Studienunterstützung meiner Eltern arbeite ich während des Semesters in Bonn. Das Geld fiel nun auch weg. Im Endeffekt hatte ich 1.890 Euro für drei Monate zu Verfügung. Völlig unerwartet kam dann die erfreuliche Nachricht vom Goethe-Institut, über einen Reisekostenzuschuss von 500 Euro.

Das Stipendium

Offen geblieben war noch mein Stipendienantrag beim DAAD. Nach einer vermeintlich einfachen Bewerbung über das DAAD-Portal wurde mir das Stipendium eine Woche nach Praktikumsantritt gewährt. Dieses wird nach taggenauen Fördersätzen berechnet und beinhaltet zusätzlich einen Reisekostenzuschuss.  Am Ende waren es 1.565 Euro. Hier also meine „Einnahmen“:

  • DAAD-Stipendium: 1565 €
  • Reisekostenzuschuss Goethe-Institut: 500 €
  • Geld Eltern (Miete aus Bonn, Kindergeld, Sonstiges): 1890 €
  • Insgesamt: 3955 €

Die Endabrechnung

Zieht man jetzt von den Einnahmen die Kosten ab, kommt man auf ungefähr 100 Euro plus. Im Vergleich zu meinem Studium in Bonn hatte ich zwar deutlich höhere Ausgaben, aber durch das Stipendium auch mehr Geld zur Verfügung. Danke dafür lieber DAAD!

Fazit

Man kann in Russland und speziell in Nowosibirsk auf jeden Fall günstiger leben, als ich es tat und man hätte bestimmt an einigen Punkten sparen können, zum Beispiel beim Reisen, aber ich denke, man hätte es auch deutlich teurer machen können.

Am Ende hatte ich während meines Praktikums eine wirklich schöne Zeit, bin neuen Menschen begegnet, habe neue Freunde gefunden und durfte ein unglaubliches Land kennenlernen. Ein Auslandaufenthalt kostet auf den ersten Blick mehr, aber sobald man sich aus der Komfortzone herausbewegt, ergeben sich Möglichkeiten, den Schritt zu wagen. Es „zahlt“ sich aus!

Kommentare
  1. Maria

    18. November 2018

    Hallo Paul,
    ich finde deine Artikel zu deiner Zeit in Russland super! Es ist sehr informativ und weckt regelrecht die Vorfreude in einem 🙂
    Ich habe zwei Fragen an dich: Wie hast du während deiner Zeit in Russland gelebt? Hast du mit einer Familie in ihrer Wohnung zusammen gelebt oder warst du alleine? Was könntest du empfehlen?
    Und zur zweiten Frage: Welche nützlichen Gegenstände kannst du für die Zeit in Russland empfehlen, außer warmer Kleidung? Weihnachten rückt schließlich näher und da könnte man sich ja das ein oder andere für den Russlandaufenthalt wünschen… Bisher habe ich nur an einen guten Reiseführer gedacht, aber es gibt ja sicherlich mehr, was einem vor Ort sehr nützlich erscheint, worauf man in Deutschland aber irgendwie nicht kommt.

    Liebe Grüße
    Maria

    1. Paul

      5. Dezember 2018

      Liebe Maria,
      es freut mich, dass dir die Artikel gefallen! Während meiner Zeit in Nowosibirsk habe ich einer 2er-WG gewohnt. Wenn ich jetzt nochmal meinen Aufenthalt planen müsste, würde ich mir die Wohnung auf jeden Fall vor Ort anschauen und vielleicht erst in ein Hostel gehen … Dann kannst du dir selbst einen Eindruck vom Zustand usw. machen. Mit einer Gastfamilie habe ich wenig Erfahrung, aber es hat natürlich auch seine Vorteile.
      Für Geschenktipps wäre es wichtig zu wissen, in welche Region Russlands du gehst. Generell kann ich dir fürs Reisen – zum Beispiel mit der Transsibirischen Eisenbahn – eine Bauchtasche und vielleicht ein E-Book, falls du gerne liest, empfehlen.
      Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen und wünsche dir einen schönen Aufenthalt in Russland!
      Viele Grüße
      Paul

    2. Maria

      10. Dezember 2018

      Hallo Paul,
      vielen Dank schon mal. Für mich geht es für drei Monate nach Moskau, aber ich möchte auch gerne einige Städtetrips unternehmen, z.B. nach St. Petersburg und Nischnij Nowgorod. Wie viele Tage kannst du für eine solche Städtereise so empfehlen?
      Wenn man zuerst in einem Hostel leben würde, meinst du, das geht wirklich so schnell, dass man dann vor Ort ein Zimmer/eine Wohnung findet? Darüber mache ich mir etwas Gedanken… Kennst du vielleicht gute Seiten für die Zimmer-/Wohnungssuche, also etwas anderes als Airbnb?
      Eine Frage ist mir noch zur Bezahlung eingefallen: Wie hast du vor Ort immer bezahlt, bar oder mit einer (russischen?) Kreditkarte? Auch bezogen auf dein Zimmer, hast du da vor deiner Ankunft schon eine Anzahlung o.ä. geleistet?

      Viele Grüße
      Maria

    3. Paul

      20. Dezember 2018

      Liebe Maria,
      3 Monate Moskau – sehr spannend!
      Für St. Petersburg kannst du nicht genug Zeit einplanen – es gibt wirklich, wirklich viel zu sehen… In Nischnij Novgorod war ich selber noch nicht und kann dir dazu leider wenig Auskunft geben. Aber hier sollten wahrscheinlich 3-4 Tage reichen.

      Vielleicht könnte Ksenia dir zur Wohnungssuche in Moskau helfen, ich glaube, dass sie deutlich mehr Expertise dazu hat als ich …

      Ich habe mit einer normalen Kreditkarte Rubel abgehoben und meistens bar bezahlt. Aber es ist fast überall auch mit Karte möglich. Vor der Ankunft und der Besichtigung des Zimmers würde ich keine Anzahlung leisten … am besten alles vor Ort.

      Dir eine schöne Zeit in Moskau und frohe Festtage,

      Paul

  2. Malte

    9. Juni 2017

    Hey Paul, danke für deinen Artikel! Ich will schon ewig mit der Transib durch Russland und hatte nie so ne richtige Vorstellung von den Kosten vor Ort. Dein Bericht hat da ein bisschen Licht ins Dunkel gebracht! Vielleicht wag ich mich bald mal an die Planung. Liebe Grüße aus Mexiko!

Kommentieren

Bitte beachte, dass dein Kommentar nach dem Absenden erst von unserer Redaktion gesichtet werden muss. Aus diesem Grund kann das Erscheinen deines Kommentars etwas Zeit in Anspruch nehmen.