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In 5 Schritten als Freemover in die USA

In 5 Schritten als Freemover in die USA

Die US-Partnerunis deiner Heimatuni bieten nicht deine Traumkurse an, befinden sich irgendwo im Nirgendwo oder liegen in akademischen Rankings eher auf den hintersten Plätzen? Zum Glück gibt es immer noch die Option, sich sein Auslandssemester in den USA als Freemover einfach selbst zu organisieren. Wie das geht erfährst du hier in fünf Schritten.

Schritt 1: Werde dir über deine Erwartungen bewusst

Nur, wenn man möglichst genau weiß, was man sich eigentlich von der Zeit an der Austauschuniversität erhofft, weiß man auch, wonach man eigentlich sucht. Das Finden einer geeigneten Uni kann als Freemover nämlich viel Zeit in Anspruch nehmen, da die Auswahl logischerweise deutlich größer ist. Möchtest du lieber in einer Großstadt studieren oder ist es dir wichtiger, dass du das authentische Leben in einer ländlicheren Umgebung kennenlernst? Soll es eine große Uni sein mit vielen Sportteams oder lieber ein kleines College mit persönlicherer Atmosphäre? Schreibe dir außerdem auf, welche Fächer du im Ausland belegen möchtest. Außerdem ist es wichtig, genau zu wissen, von wann bis wann du ins Ausland gehen möchtest, denn an vielen amerikanischen Unis ist das Jahr nicht in Semester, sondern Trimester oder Quarter aufgeteilt, was sich häufig mit den deutschen Semesterzeiten überschneiden kann. Mir hat es geholfen, eine Liste mit Punkten anzulegen, die mir in meinem Auslandssemester zusätzlich besonders wichtig waren: zum Beispiel wollte ich an einer richtig typisch amerikanischen Uni mit Football, Schoolspirit und überdimensionalen Dining-halls wie aus den Filmen studieren, ich wollte die Möglichkeit haben, auf dem Campus zu leben sowie Uni-Clubs beizutreten. Mir war es außerdem wichtig, an einer Uni zu studieren, an der es nur wenig deutsche Austauschstudenten gibt und die einen guten Mix aus akademischer Exzellenz und genügend Möglichkeiten zum Feiern und Reisen bietet.

Schritt 2: Suche und finde deine Traumuniversität

Ein weit verbreiteter Irrtum ist es, dass man sich als Freemover quasi an jeder US-Uni bewerben könne. Viele amerikanische Austauschunis nehmen als „Visting Students“ (und das seid ihr als Freemover nunmal) jedoch ausschließlich Austauschstudenten von Partnerhochschulen an. Das trifft zum Beispiel auf viele Unis der Ivy Leage (zum Beispiel Yale, Dartmouth oder Stanford) zu oder auf einige größere und renommierte Universitäten wie die University of Maryland. Jedoch bieten diese Unis für internationale Gaststudenten häufig sogenannte Summer Sessions an, also die Möglichkeit, während des Sommers gemeinsam mit anderen (internationalen) Visiting Students auf dem Campus zu leben und Kurse zu belegen. Das ist aber natürlich nicht gleichzusetzen mit der Erfahrung eines richtigen Auslandssemesters.

Auch wenn mit den oben genannten Unis schon einmal einige Optionen wegfallen, stehen dir noch immer unglaublich viele Hochschulen offen. Ein wenig Hilfe bei der Übersicht und der Entscheidung können verschiedene – kostenlose – Anbieter geben wie IEC, Magoo oder College Contact. Diese kooperieren mit einigen (meist größeren und bekannteren) US-Unis und bieten auf ihren Websites einen guten Überblick, Erfahrungsberichte und Bewerbungstipps und Insider-Infos an.

Zum Beispiel kann man als Visiting Student an Unis wie etwa der UC Santa Barbara im Bereich BWL nur Abendkurse primär für bereits Berufstätige belegen – das erfährt man aber nicht, wenn man sich nur die Website für Visiting Students der UC Santa Barbara durchliest. Mir persönlich hat es damals sehr geholfen, mich durch die Homepage von College Contact zu klicken und mich von einer der Mitarbeiterinnen beraten zu lassen – letztendlich habe ich dann auch über College Contact von der Michigan State University erfahren und mich für diese Uni entschieden. Die meisten Freemover, die ich kenne, haben ihren Auslandsaufenthalt mit College Contact oder ähnlichen Anbietern organisiert.

Schritt 3: Stell alle Unterlagen für die Bewerbung zusammen

Nimmst du die Unterstützung von solchen Anbietern in Anspruch, übernehmen diese „Agenturen“ das Zusammenstellen und Übermitteln aller Bewerbungsunterlagen. Bewirbst du dich direkt bei einer US-Uni, musst du das selber tun. In beiden Fällen ist die Bewerbung etwas aufwendiger als wenn du über ein Partnerprogramm deiner Heimatuni in die USA gehst. Zu den typischen Bewerbungsunterlagen zählen ein englischsprachiger Notenauszug, ein  mehrseitiges Motivationsschreiben, ein Lebenslauf, ein Sprachtest, Versicherungsbelege, übersetzte Kontoauszüge und kopierte Ausweisdokumente. Plane hierfür auf jeden Fall ausreichend Zeit ein und verpasse auf keinen Fall die Deadlines. Diese variieren von Uni zu Uni, liegen aber für einen Studienbeginn im August meistens schon im Februar desselben Jahres.

Das Zusammenstellen aller Unterlagen kann ordentlich Zeit in Anspruch nehmen
Das Zusammenstellen aller Unterlagen kann ordentlich Zeit in Anspruch nehmen

Schritt 4: Koordiniere deinen Auslandsaufenthalt mit deiner Heimatuni

Dieser Schritt entfällt, wenn du über ein klassisches Partnerprogramm in den USA studierst. Als Freemover aber musst du deinen selbstständig organisierten Aufenthalt rechtzeitig mit deiner Unileitung absprechen und mit diversen offiziellen Dokumenten sicherstellen, dass dir dein Auslandssemester an dieser Uni anerkannt wird. Der genaue Ablauf unterscheidet sich von Hochschule zu Hochschule, mach dich aber auf jede Menge Papierkram und viele Learning Agreements gefasst. Bei Letzteren handelt es sich um eine Art „Vertrag“ zwischen dir, deinem deutschen Professor und deinem amerikanischen Professor für einen bestimmten Kurs, den du im Ausland belegen willst und der dir dann in Deutschland anerkannt werden soll. Das ist enorm wichtig und spielt bei Freemovern eine größere Rolle als bei „normalen“ Austauschstudenten. Hier solltest du ebenfalls mit ausreichend Zeit rechnen, denn je nach Professor kann sich das Anerkennen von Kursen an einer Nicht-Partneruni entweder als sehr kompliziert oder sehr langwierig herausstellen.

Schritt 5: Kümmere dich um die Finanzierung

Der größte Nachteil daran, als Freemover in den USA zu studieren ist es, dass dir die Studiengebühren nicht erlassen werden. Je nach Uni können dann zu den Lebenshaltungs- und Wohnungskosten von ca. 12.000 Dollar zusätzliche 5.000 – 20.0000 Dollar anfallen. Eine große Summe, über deren Finanzierung du dir frühzeitig Gedanken machen solltest. Hier sind ein paar Möglichkeiten:

  • Auslands-BAföG: auch wer sich in Deutschland nicht für BAföG qualifiziert, kann sein Glück bei der Auslands-Studienfinazierung versuchen. Dann nämlich wird der BAföG-Satz anders berechnet. Das ist zwar mit viel Bürokratie verbunden und muss später natürlich zurückgezahlt werden – lohnen kann es sich trotzdem. Immerhin beträgt der Förderhöchstsatz bis zu 9.000 Euro.
  • Bildungskredit: die Aufnahme eines Bildungskredits wird immer beliebter, ist aber auch mit einem hohen bürokratischen Aufwand verbunden. Ich selbst habe keine Erfahrung damit, hier gibt’s jedoch alle Infos.
  • Jobben im Ausland. In den USA darfst du bis zu 20 Wochenstunden neben deinem Studium für den dortigen Mindestlohn arbeiten. Allerdings darfst du das nur auf dem Campus tun und musst vorher jede Menge Beglaubigungen und Dokumente einholen. Das kann locker bis zu acht Wochen dauern – wenn das Auslandssemester schon wieder zur Hälfte rum ist. Sinnvoll ist das meiner Meinung nach daher erst, wenn du länger als ein Semester in den USA studieren wirst.
  • Stipendien: Stipendien stellen eine großartige Möglichkeit dar, dir dein Studium auf Zeit im Ausland (teilweise) zu finanzieren. Es gibt Stipendien, die wirklich nur für den Auslandsaufenthalt bestimmt wird und solche, die du auch in Deutschland dein gesamtes Studium über erhalten kannst. Erstere haben oft lange Bewerbungsvorlaufzeiten (bis zu einem Jahr vor Beginn des Auslandssemesters) und unterscheiden sich deutlich in ihrer Höhe. Einige, wie das DAAD Jahresstipendium für Studienaufenthalte im Ausland,beinhalten zum Beispiel einen (großen) Zuschuss zu den Studiengebühren, einen Reisekostenzuschlag, eine monatliche Stipendienrate und Leistungen zu Versicherungen. Andere Stipendien wie das Promos-Stipendium decken deutlich weniger  Kosten ab. Manche Stipendien sind auch an bestimme Bedingungen gekoppelt, etwa die Länge deines Auslandssemesters, ein bestimmtes Studienfach oder einen gewissen Notendurchschnitt. Einen guten Überblick über mögliche Stipendien gibt es hier. Eine weitere Möglichkeit sind reguläre Studienstipendien, die du auch in Deutschland beziehst. Ich zum Beispiel werde seit Beginn meines Studiums von der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) ideell und mit 300 Euro im Monat gefördert. Wie auch die anderen großen Begabtenförderwerke oder die Studienstiftung des Deutschen Volkes unterstützt die KAS Auslandssemester mit bis zu 5000 Euro, diversen Zuschüssen und einer monatlichen Rate.

Die meisten Freemover (wie auch ich) finanzieren ihr Auslandssemester über eine Mischung aus Stipendien, der finanziellen Unterstützung der Eltern und eigenen Ersparnissen.

Als Freemover in die USA zu gehen erfordert also viel Planung, Organisationstalent und eine genau Idee, wie sich der ganze Spaß finanzieren lässt. Das ist aber ganz schnell vergessen, wenn man dann erstmal an der Traumhochschule angekommen ist und mit jedem Tag mehr und mehr in den amerikanischen Alltag eintaucht.

Ich als Freemover vor dem Wahrzeichen der Michigan State University - der Aufwand lohnt sich!
Ich als Freemover vor dem Wahrzeichen der Michigan State University – der Aufwand lohnt sich!
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