studieren weltweit
Jura im Ausland – das geht?

Jura im Ausland – das geht?

Viele Jurastudierende gehen vor ihrem ersten Staatsexamen nicht ins Ausland. Der Gedanke, dass man sonst wertvolle Zeit zum Lernen verliert ist dabei weit verbreitet.

Während eines Jurastudiums ins Ausland zu gehen, scheint für viele nicht naheliegend. Jura ist ein Fach, das sehr national ausgerichtet ist. In Deutschland lernt man das deutsche Zivilrecht, das deutsche Strafrecht, das deutsche Verwaltungsrecht und so weiter. Man muss schon Eigeninitiative zeigen, um im Studium über den Tellerrand zu blicken. In der Justiz und als Anwalt oder Anwältin im Ausland zu arbeiten, ist auch eher schwer. All das spricht aber noch lange nicht gegen einen Auslandsaufenthalt während des Jurastudiums. Hier ein paar Gründe, warum ihr den Schritt wagen solltet.

Neue Sprache

Egal wohin ihr ins Ausland geht, ihr werdet sicherlich mit einer neuen Sprache konfrontiert sein. Manchmal studiert ihr in der Landessprache und wenn nicht, dann auf Englisch. Ihr habt also die Möglichkeit, eine neue Sprache zu lernen oder eure Sprachkenntnisse aufzufrischen. Ich fühle mich nach ein paar Monaten Studium auf Englisch schon viel sicherer in der Sprache. Außerdem habe ich die Chance genutzt und ein paar Wörter Dänisch gelernt. Für alle die Spaß an neuen Sprachen haben, ist ein Auslandssemester ein Muss im Studium.

Neue Freunde

Es ist sehr einfach, während eines Auslandsaufenthalts neue Leute kennenzulernen. Jeder ist neu in der Stadt und ist motiviert, neue Bekanntschaften zu machen. Klar, ist das im Moment durch die Pandemie etwas eingeschränkt aber dennoch möglich (darüber habe ich kürzlich berichtet). Das schöne ist, dass ihr Studierende aus der ganzen Welt kennenlernt und sicher entwickelt sich daraus auch die ein oder andere neue Freundschaft, die auch nach dem Auslandsaufenthalt bleibt.

Tapetenwechsel

Eine große Motivation für mich ins Ausland zu gehen, war die Sehnsucht nach einem Ortswechsel. Ich bin in Berlin aufgewachsen und studiere dort auch. Daher war es für mich wichtig, auch mal eine gewisse Zeit in einer anderen Stadt zu leben. Ich kann nun neben meines Studiums in Kopenhagen auch die Stadt entdecken. Und es gibt viel zu entdecken in Kopenhagen.

Interessante Kurse

Natürlich gibt es an der Uni Kopenhagen auch viele interessante Kurse für Jurastudierende. Ich belege den Kurs Artificial Intelligence and Legal Disruption. Wir diskutieren über Künstliche Intelligenz und die daraus resultierenden rechtlichen Probleme. Das Feld ist sehr interdisziplinär und breit. Daher ist es kein typischer Kurs, bei dem unser Professor vor uns steht und einen Vortrag hält. Wir lesen vor jeder Stunde einige Paper und diskutieren anschließend im Kurs darüber. Dieses Kursformat kenne ich von meiner Heimatuni überhaupt nicht. Daher war es anfangs etwas ungewohnt für mich aber auch sehr bereichernd. Diese Herangehensweise an die Lehre gefällt mir sehr gut.

Nun denken sich die Jurastudierenden unter euch sicher: Aber kann ich mir Kurse im Auslandssemester überhaupt anerkennen lassen? Ich verliere doch nur Zeit damit. Das kann tatsächlich ein Problem sein, wenn man von einer juristischen Fakultät kommt und ins Ausland geht. Ich kann mir keine Kurse von meinem Semester in Kopenhagen anerkennen lassen. Aber das liegt auch daran, dass ich alle meine Credits im Studium schon voll habe. Ich belege in Kopenhagen aber Kurse, die ich so nie in Berlin hätte absolvieren können (vor allem nicht auf Englisch). Daher ist es keine verschwendete Zeit für mich. Viele Unis bieten auch extra Credits an, die man entweder im Inland oder im Ausland belegen kann. Erkundigt euch dafür einfach bei eurem Prüfungsbüro.

Erfahrung für den späteren Beruf

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass ihr im Ausland die Möglichkeit bekommt, in ein neues Rechtssystem einzutauchen. Selbst wenn ihr denkt, dass es euch für das Studium nicht viel bringt. Später im Berufsleben ist es sehr wertvoll. Viele Kanzleien schätzen es, wenn ihr eine Zeit im Ausland verbracht habt. Ihr seid nämlich aus eurer Komfortzone getreten, bringt Fremdsprachenkenntnisse mit und könnt euch in ein fremdes Rechtssystem einarbeiten. Das sind gute Qualifikationen für den späteren Beruf als Jurist*in.

Entschleunigung

Dieser Punkt trifft sicher nicht für jede*n zu. Allerdings habt ihr während eines Erasmus-Semesters die Möglichkeit, weniger Kurse zu wählen als an eurer Heimatuni (für eine Erasmus-Förderung müsst ihr nur 15-20 ECTS absolvieren). Außerdem könnt ihr diese Kurse frei nach euren Interessen wählen. Dadurch habt ihr mehr Zeit für Freizeit, Reisen, Freunde oder Sprachkurse. Normalerweise hat man diese Möglichkeiten im Jurastudium nicht. Daher bietet sich die Chance, im Auslandsaufenthalt etwas zu entschleunigen. Ihr müsst sie nur nutzen (Stichwort Hygge 🙂 ).

Wie ihr seht, spricht so einiges für einen Auslandsaufenthalt während des Jurastudiums. Ich habe meinen Auslandsaufenthalt noch nicht bereut. Vor allem habe ich nicht das Gefühl, Zeit verloren zu haben. Im Gegenteil: Ich konnte mir nach sechs Semestern Jura noch nicht vorstellen, in die Vorbereitung aufs Staatsexamen zu gehen. Die Erfahrungen, die ich bisher sammeln konnte und noch sammeln werde, helfen mir in der Zukunft sicher weiter. Also, traut euch! Es lohnt sich.

Hast du noch Fragen?

Mehr zu #Auslandsstudium

Video aktivieren

Zum Aktivieren des Videos klicke bitte auf "Video laden". Wir möchten dich darauf hinweisen, dass nach Aktivierung Daten an YouTube übermittelt werden. Mehr dazu findest du in unserer Datenschutzerklärung