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Jura in Kopenhagen – Ein Fazit zu meinen Kursen an der Københavns Universitet

Jura in Kopenhagen – Ein Fazit zu meinen Kursen an der Københavns Universitet

Ich habe euch bereits versucht zu überzeugen, den Schritt ins Ausland zu wagen im Jurastudium. Ihr habt den Beitrag noch nicht gelesen? Dann holt das unbedingt nach. Nun möchte ich etwas mehr über meine Kurse berichten, die ich an der Københavns Universitet belegt habe.

Meine letzte Prüfungsaufgabe ist abgegeben, was bedeutet, dass das Semester für mich nun vorbei ist. Also wie war‘s?

Nicht alle Kurse haben überzeugt

Ich habe zum einen den Kurs Peaceful Settlement of International Disputes belegt. Dieser Kurs beschäftigt sich mit Internationalem Recht. Da ich das in meinem Studium in Berlin immer etwas vernachlässigt habe, habe ich mich für den Kurs entschieden. Es ging darum, wie internationale Konflikte friedlich gelöst werden können und welche internationalen Organisationen welche Aufgaben dabei haben.

Ich muss aber zugeben, dass ich etwas enttäuscht wurde von der Vorlesung. Hier haben sich deutlich die Nachteile vom Online-Semester gezeigt. Wir waren am Anfang etwa 30 Teilnehmende. Fast niemand hat die Kamera eingeschaltet und so saß man morgens um acht zu Hause vor dem Laptop und hat auf ganz viele schwarze Kacheln gestarrt. Der Professor, der natürlich seine Kamera eingeschaltet hat, konnte mit Mühe ein paar vereinzelte Studierende überzeugen, ihr Gesicht zu zeigen. Die Vorlesung an sich hat mich aber auch nicht wirklich mitgerissen. Leider saß unser Professor nur am Tisch und hat aus seinem Buch vorgelesen. Auch der geplante Moot Court konnte aufgrund von der Online-Lehre nicht stattfinden.

Ich habe mich dann irgendwann entschieden, den Kurs nicht weiter zu belegen. Da ich trotzdem noch genügend ECTS gesammelt habe, konnte ich mir das auch leisten.

Künstliche Intelligenz und Recht

Der andere Kurs, den ich hier belegt habe, hat mich dagegen direkt begeistert. Im Seminar Artificial Intelligence and Legal Disruption haben wir über rechtliche Fragestellungen zum Thema Künstliche Intelligenz geredet. Wir haben jede Woche verschiedene Paper gelesen und dann zusammen darüber diskutiert. Der Professor konnte uns jede Stunde neu motivieren und hat uns mit seiner Begeisterung angesteckt. Wir waren eine recht kleine Gruppe (maximal 10 Studierende). Und obwohl ich am Anfang etwas zurückhaltend war mit fremden Studierenden online zu diskutieren und meine Meinung kundzutun, hat unser Professor alles gegeben, uns zu motivieren. Wir wurden in Mini-Gruppen eingeteilt online, um uns besser kennenzulernen und ich habe meine anfänglichen Zweifel schnell abgelegt. Wir haben auch nicht nur über juristische Themen diskutiert, sondern teilweise auch versucht philosophische Fragen zu beantworten. Marius ist Informatikstudent und hat auch an dem Kurs teilgenommen. Daher konnten wir ihn mit Fragen über Künstliche Intelligenz löchern, die wir als Jurastudierende niemals hätten beantworten können. Unsere Prüfungsleistung bestand dann darin, ein eigenes Paper einzureichen. Wir waren komplett frei in der Themenwahl. Dadurch hatten wir die Möglichkeit, über etwas zu schreiben, das uns auch wirklich interessiert. Endlich hat eine Prüfung im Jurastudium mal Spaß gemacht.

Unserem Professor muss man hier allerdings auch ein paar Zeilen widmen. Wenn man auf die Webseite der Uni von Hin-Yan Liu geht, findet man die Worte: Hin-Yan lehrt erklärtermaßen nicht. (Übrigens werden hier alle Professoren geduzt und mit Vornamen angesprochen. Auch eine Sache, die neu für mich war, die ich aber sehr genossen habe). Und das stimmt auch. Hin-Yan hat uns dazu angeregt, kritisch nachzudenken und in Diskussionen einzusteigen. Wir hatten kein einziges „Meeting“ (Vorlesung ist hier tatsächlich das falsche Wort) mit ihm, wo er uns sein Wissen beibringen wollte. Stattdessen hat er unsere Diskussion geleitet und mit kritischen und manchmal auch provokativen Fragen bereichert. Er hat so viele Ideen im Kopf, die alle nur so aus ihm heraussprudeln. Teilweise waren es sehr wirre Gedanken, die er mit uns geteilt hat und wir mussten ihn manchmal dazu auffordern, doch mehr Struktur in seine Ideen zu bringen. Aber dafür hat er uns angeregt, neu über bestimmte Themen nachzudenken. Er hat einfach einen anderen Ansatz, ein Seminar zu gestalten und das war super. Manchmal hat man sogar kurz vergessen, dass man in einer Online-Vorlesung sitzt und nicht in der Uni. Zurecht ist er auch für den Preis der guten Lehre an der Uni nominiert.

Ihr könnt sicher herauslesen, dass ich durch und durch begeistert war von dem Kurs und ihn wirklich weiterempfehlen kann.

Mein Sprachkurs an der Uni Kopenhagen

Zusätzlich zu meinen Jurakursen habe ich noch einen Sprachkurs belegt. Ich habe ja vor dem Semester bereits einen Dänisch-Crashkurs gemacht. Das hat mir so gut gefallen, dass ich beschlossen habe, auch während des Semesters einen Dänischkurs zu belegen. Ich habe dadurch nicht nur meine Sprachkenntnisse weiter vertieft, sondern sogar 7,5 ECTS gesammelt, da der Kurs über die Uni angeboten wurde. Ich kann es wirklich empfehlen, einen Sprachkurs zu besuchen im Auslandssemester. Es macht Spaß und ihr lernt auch viele Leute aus anderen Studiengängen kennen. Mehr Infos zu meinem Sprachkurs findet ihr hier.

Die juristische Fakultät der Uni Kopenhagen bietet noch so viele andere interessante Kurse an. Es gibt beispielsweise den Kurs Art Crime and the Law oder Climate Change and the Law oder auch Forensic psychology. Ich konnte mich zu Beginn meines Semesters hier kaum entscheiden, welche Kurse ich belegen möchte. Und auch wenn ein Kurs mich eher enttäuscht hat, waren die anderen dafür umso besser.

Auch die Online-Lehre war besser als erwartet. Ich war anfangs etwas skeptisch, den ganzen Tag vor dem Laptop sitzen zu müssen. Allerdings haben sich die Lehrenden große Mühe gegeben bei der Umsetzung. Ich habe auch von Freunden gehört, dass viele Kurse gut funktioniert haben online.

Wenn euer Interesse nun geweckt wurde, stöbert doch gleich mal im Kurskatalog der Uni Kopenhagen.

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