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Das Klima retten – geht das in einer Großstadt wie Tel Aviv?

Das Klima retten – geht das in einer Großstadt wie Tel Aviv?


Kann man in Tel Aviv nachhaltig leben? Dieser Frage möchte ich mich heute widmen. Im ersten Teil möchte ich zwei große Bereiche näher betrachten: Die Ernährung und Verkehrsmittel. Im nächsten Blogbeitrag gehe ich auf die Energieerzeugung ein und schaue welche Lösungsansätze es in diesen Bereichen gibt.

Laut den Wissenschaftler:innen, die am IPCC, dem Intergovernmental Panel on Climate Change Report arbeiten, haben wir es in der Hand wie schnell oder eben wie langsam die Erderwärmung voranschreitet. Derzeit befinden wir uns auf dem Weg zu einem Temperaturanstieg von 2,7 Grad. Ohne Gegenmaßnahmen könnte dies in der Zukunft einen Anstieg der Ozeane, Veränderungen des Niederschlags, extremere Wetterereignisse und eine Versauerung der Meere zur Folge haben. Der wichtigste Punkt ist dabei die Geschwindigkeit der Erwärmung, weshalb es entscheidend ist genau jetzt zu handeln.

Ernährung

In meinem Kurs zur Klimakrise forderte uns der Dozent auf, uns die hier vorgeschlagenen Lösungen näher anzuschauen. Ich hätte vorher nicht gedacht, in welchem Ausmaß die Ernährung dazu beiträgt. Dass eine pflanzenbasierte Ernährung vorteilhaft ist, war mir natürlich bewusst und ich habe schon in Deutschland überwiegend auf tierische Lebensmittel verzichtet. Aber dass etwa ein Drittel des hergestellten Essens nie auf unseren Tellern, sondern im Müll landet, fand ich schockierend. Das stellt eine große Ressourcenverschwendung dar und wird auf der oben verlinkten Webseite auf rund acht Prozent der globalen Emissionen geschätzt.

Vegan zu sein ist in Tel Aviv aus meiner Sicht jedenfalls total einfach. Auf dem Markt sind Gemüse und Obst die günstigste Wahl und auch in den meisten Restaurants findet man immer eine vegane Alternative. Meine Lieblingsrestaurants hier sind Bana und Anastasia. Und fantastisches veganes Sushi gibt es bei The Green Roll.

Auf dem Foto ist im Vordergrund ein Shakshuka-Gericht zu sehen, sowie eine Acai-Bowl im Hintergrund.
In dem Shakshuka von Anastasia wird statt dem Ei, ein Polenta-Ei-Ersatz verwendet.

 

Im Supermarkt findet man auch oft Aufkleber mit einem Herzsymbol in welchem vegan oder vegan-friendly steht. Mir persönlich erleichtert es die Suche nach bestimmten Produkten, da ich noch nicht alle Zutaten verstehe.

Die Kehrseite von den frischen Lebensmitteln auf dem Markt: Jeden Abend wird auch sehr viel weggeworfen. Ein paar Mal war ich deshalb abends mit Freund:innen Lebensmittel retten. Die Händler:innen stellen dabei ihre Produkte, die sie nicht mehr brauchen mitten auf die Straße. Manchmal waren wir aber schon zu spät und der große Bagger der Müllabfuhr, welcher alle auf die Straße gestellten Lebensmittel entsorft, hatte die Straße schon leergefegt.

Meiner Meinung nach sollte mehr gegen die Verschwendung getan werden. In Deutschland nutze ich ab und zu TooGoodToGo. Über die App findet man einige Restaurants oder Cafes, die nach Ladenschluss für ein paar Euro Gerichte oder Lebensmittel verkaufen. In Israel habe ich bei meiner Recherche eine ähnliche App: SpareEat gefunden. Getestet habe ich sie bisher noch nicht, aber es steht auf meiner To-Do Liste.

Verkehr

Während ich im Bachelor für mein Erasmus-Semester in Budapest den Zug genommen habe, ist das Flugzeug als Verkehrsmittel nach Tel Aviv die deutlich einfachere Wahl. Es ist jedoch nicht komplett unmöglich über Land zu reisen, weil es Fähren aus  Haifa nach Zypern oder Italien gibt. Jedoch setzt es natürlich eine deutlich längere Anfahrt und eine sehr bedachte Planung voraus.

Schade finde ich, dass in Tel Aviv trotz der vielen Busse, viele nach wie vor mit dem Auto fahren. Auch wenn die meisten mit denen ich hier spreche sagen, dass ein Auto in der Stadt aufgrund der teuren Parkplätze und Staus keinen Sinn ergibt. Es gibt sehr viele Buslinien, die mal mehr, mal weniger zuverlässig sind und im Zentrum ist das meiste fußläufig erreichbar. Außerdem ist eine U-Bahn in Planung und an einer Stadtbahn wird ebenfalls bereits gebaut. In Jerusalem gibt es übrigens bereits eine. Und was ich interessant finde: Der E-Scooter ist hier sehr beliebt.

Für Reisen in andere Städte habe ich meistens den Zug genommen: Nach Haifa beträgt die Fahrtzeit etwa eine Stunde und Jerusalem ist nur vierzig Minuten entfernt. Im Gegensatz zu den Bussen kamen die Züge bisher auf die Minute genau an.

Zu sehen ist ein roter Waggon eines Zuges.
Fun Fact: die meisten Züge sehen genau so aus wie in Deutschland.

 

Komplizierter wird es wenn man spezifische Orte besuchen möchte, wie zum Beispiel Nationalparks, das tote Meer oder die Wüste. Auf diesen Reisen ist meiner Erfahrung nach ein Mietauto die beste Alternative.

Mein Fazit: Was die Ernährung angeht, ist Tel Aviv zumindest ein gutes Beispiel, wie man sich sehr gut pflanzenbasiert ernähren kann. Initiativen gegen Lebensmittelverschwendung könnten jedoch mehr gefördert werden. Verkehrstechnisch ist hier, meiner Ansicht nach, noch einiges zu tun. Und viele Israelis machen gerne Scherze über die geplanten Bauprojekte, da diese sich hier häufig in die Länge ziehen.

Wie es in anderen Ländern aussieht, findet ihr in diesem Dossier zu Nachhaltigkeit.

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