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Koreanischer Unialltag – die Corona-Edition

Koreanischer Unialltag – die Corona-Edition

Wie studiert es sich eigentlich am anderen Ende der Welt? Ein Auslandssemester bedeutet meist auch, sich an einen etwas anderen Alltag zu gewöhnen. Inwieweit der Alltag an einer koreanischen Universität anders ist und wie die Uni hier mit Corona umgeht, erfahrt ihr hier.

Gebäude im Hintergrund und Sonnenuntergang
Sonnenuntergang auf dem Campus der Seoul National University, eine der größten und bekanntesten Universitäten Südkoreas.

Unterschiede zum deutschen Unialltag

Den wohl größten Unterschied zum deutschen Universitätsleben sehe ich im Ausmaß an Freiheit und Flexibilität. In Deutschland kann man sich teilweise das gesamte Semester nicht an der Uni blicken lassen. Solange man am Ende die Klausur erfolgreich besteht, kann man trotzdem die erforderlichen ECTS sammeln. Hier in Korea ist das nicht möglich – es besteht meist Anwesenheitspflicht (die einen Teil der Note ausmacht), und regelmäßige (manchmal auch wöchentliche) Hausaufgaben, die oft ebenfalls benotet werden, sind auch normal. Dadurch wird eine kontinuierliche Mitarbeit in den Kursen gefordert, für einen Kurs muss ich beispielsweise jede Woche zwei Hausaufgaben sowie zwei kleine Tests bearbeiten. Dafür fallen Klausuren auch meist weniger umfangreich aus als in Deutschland. Damit erinnert es mich fast ein bisschen an die Schule, es fühlt sich aber auch besser betreut und strukturiert an.

Kurse dauern hier teilweise doppelt so lange wie in Deutschland: so ist es normal, hier drei Stunden lang eine Vorlesung/Veranstaltung zu haben. Daheim war ich eher 1.5-2 Stunden gewohnt. Es gibt zwar normalerweise ein, zwei Pausen zwischendrin, doch mir persönlich fällt es deutlich schwieriger, mich über diesen langen Zeitraum zu konzentrieren.

An der Seoul National University wird zudem zwischen den “Undergraduate“ (Bachelor) und „Graduate“ (Master)-Kursen unterschieden. Bei Graduate-Kursen sind die Anforderungen deutlich größer, die Anzahl an Kursteilnehmern deutlich kleiner. Letztes Semester war ich zu sechst in einem Graduate-Kurs, musste dafür aber auch wöchentlich Literatur lesen und dem Professor meine Anmerkungen schicken, die dann ausführlich im Kurs diskutiert wurden. Bei Undergraduate Kursen hingegen findet man sich in der etwas größeren Masse wieder, und kann eher dem Professor zuhören, als selbst mit Diskussionen den Unterricht zu gestalten.

Wie groß sind die Corona-Einschränkungen?

Leerer Raum in einer Bibliothek
Offen, aber relativ leer: die Universitätsbibliothek.

Meine Erfahrungen mit dem Universitätsalltag hier sind durch die Corona-Einschränkungen nicht ganz repräsentativ für den „normalen“ Unialltag. Bislang haben alle Kurse online stattgefunden, mit Ausnahme meines Sprachkurses. Mehr über die Online-Uni habe ich in diesem Artikel berichtet. Allerdings habe ich das Gefühl, dass trotz Corona auf dem Campus viel los ist. Ich lebe hier im Wohnheim und bin jeden Tag zwischen Mensa, Bibliothek, Café und U-Bahn-Haltestelle unterwegs. Leer und verlassen ist es hier keineswegs, es scheint hier trotz Online-Lehre einiges offline stattzufinden. Von Freunden weiß ich, dass auch einige Kurse in Präsenz stattfinden, zudem sind noch einige Clubs und Sportveranstaltungen geöffnet.

koreanisches Mensaessen
Fester Bestandteil des Alltags hier: Mittagessen in meiner Lieblingsmensa.

Im Gegensatz zu Deutschland ist auch die Bibliothek die gesamte Zeit offen, ebenso wie jegliche Essensmöglichkeiten auf dem Campus. Dadurch ist zumindest das Gefühl, richtig zu studieren und einen Unialltag zu haben, deutlich anders als derzeit daheim.

Corona-Fälle an der Uni?

Vereinzelt sind auch bei uns auf dem Campus schon Corona-Fälle aufgetreten. Jedes Mal erhält man dann über seine Universitäts- E-Mail einen detaillierten „COVID On-Campus Case Report“, mit Details, wann sich die infizierte Person wo aufgehalten hat und wie viele Kontaktpersonen bereits identifiziert wurden. Das beweist wieder das unglaubliche „Contact Tracing“ System Südkoreas, welches als einer der Säulen seines international bekannten Corona-Erfolges gilt. Dafür muss man oft beim Besuchen von Gebäuden und der Mensa seine Kontaktinformationen hinterlassen (per QR-Code oder schriftlich). Als ich dies Freunden in Deutschland erzählt habe, fanden sie das ein wenig unheimlich. Es mag vielleicht erstmal fremd klingen, aber ich denke, dass dies eine wichtige Maßnahme der Pandemiebekämpfung ist – und ist mit Grund, wieso ich überhaupt noch täglich in die Bibliothek und in die Mensa kann, oder abends mit Freunden in ein Restaurant und Café.

Derzeit bin ich daher sehr glücklich mit der Situation hier. Ich hoffe sehr, dass sich die Lage in Deutschland bis zu meiner Rückkehr wieder um einiges bessert!

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