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Bem-vindo a Lisboa: Zwischen Campingleben und Business-Uni

Nach 3.000 km und zwei Wochen im Auto sind wir nun also in Lissabon angekommen. Robin, meine Tochter, ist in der Kita eingewöhnt, die Uni hat angefangen, Wege sind herausgefunden und wir machen es uns auf dem Campingplatz gemütlich. Endlich mal Zeit also, um erste Eindrücke festzuhalten? Denkste! Denn nach dem ganzen Stress bin ich erst mal krank geworden. Klassiker.

Die Tour: Von Berlin nach Lissabon

Die Strecke Berlin – Lissabon mit einem Kleinkind im Auto zurückzulegen, war rückblickend eine mittelgute Idee. Weil Robin im Auto sitzen blöd findet, konnten wir nämlich nur Nachts fahren. Und weil das Budget nicht ständig für Campingplätze reichte, haben wir auf fließendes Wasser und Strom verzichtet. Ohne Kind ist das sicher abenteuerlich und aufregend – mit Kind eher ziemlich anstrengend. Trotzdem, von Südfrankreich über Nordspanien und Porto hatten wir jeden Morgen den Atlantik vor der Tür. Das hat sich dann schon gelohnt.

Babys steht vor Küste
In Nordspanien gibt es viele kleine Surfstrände an denen man die Nächte verbringen kann.

Die Stadt: Wie schön ist Lissabon wirklich?

Wenn ich in den letzten Monaten erzählt habe, dass wir nach Lissabon gehen, kam als Reaktion meist ein andächtiges „Die Stadt ist sooo schön“. Und, es stimmt. Lissabon mit seinen ganzen Gässchen, direkt am Tejo, ist echt eine wunderschöne Stadt. Hier, statt in Berlin, verbringen wir also den Winter. Alles richtig gemacht, würde ich sagen. 🙂

Vom Campingplatz in die Stadt dauert es mit Bus und Bahn schon eine gute Stunde. Generell ist Busfahren in Lissabon auf jeden Fall ein Erlebnis. Wann und wie oft der Bus kommt, weiß der Herrgott, und sein Kind schnallt man sich am Besten um und hält sich gut fest. Weil es schneller geht, fahren wir die Strecke zur Uni und Kita momentan mit dem Fahrrad. Obwohl nur ein paar Kilometer, kommen wir bei der Steigung und mindestens 30 Grad in der Mittagszeit schon ziemlich ins Schwitzen. Kinderwägen sind bei der Steigung und den ganzen Treppen in Lissabon übrigens nicht zu empfehlen.

Die Kita: Eingewöhnung auf die harte Tour

Die Kita liegt direkt gegenüber der Uni. Anfangs war ich etwas skeptisch, weil die Eingewöhnung hier für Berliner Verhältnisse eher auf die harte Tour verläuft. Das Kind bleibt innerhalb von einer Woche von anfangs zwei Stunden bis es Ende der Woche den ganzen Tag. Aber Robin hat das gut mitgemacht und ist jetzt ein richtiges Kindergartenkind.

Ein bisschen befremdlich ist, dass die Kinder offenbar den ganzen Tag Schuhe anhaben und mit der Kita nicht rausgehen. Aber das läuft dann wohl unter dem Aspekt ‚kulturelle Eigenheiten‘. Und richtig cool: Nach dem ersten Tag hat sie schon ‚Óla‘ – Hallo auf portugiesisch gesagt.

Die Universidade Católica Portuguesa – mit Gott, Wirtschaft und Bildung #häh?

Die Universidade Católica hat einen kleinen, von zwei Autobahnen eingerahmten Campus. Auf den ersten Blick stellen wir überrascht fest: Hier geht es wirklich sehr ordentlich zu. Denn offensichtlich sind wir an einer privaten Wirtschaftsuni gelandet. Das würde zumindest erklären, weshalb die Bürokratie ohne Wartezeiten funktioniert und hier alles wie aus dem Ei gepellt aussieht. Ich ahne dunkel: Revolutionen sind hier nicht zu erwarten.

Werbeplakat für die Hochschule
Kleine Kuriositäten

2013 habe ich ein Semester an der staatlichen Universidade de Sao Paulo studiert. Dort herrschte eine enorme Politisierung unter den Studierenden. Die Universitätsstadt galt als der einzige Ort in ganz Brasilien, an den die Militärpolizei keinen Zugang hat. Während sich die Studierenden dort also auf die nächste Demo vorbereiteten, scheinen hier schicke Kleidung und Leistung auf der Tagesordnung zu stehen. Mit den unvermeidlichen Flecken der letzten drei Kindermahlzeiten als Muddi geoutet, komme ich mir da zwischen den Businessstudentinnen schon ein bisschen fehl am Platz vor. Der Kontrast zu unserem Campingleben könnte größer jedenfalls nicht sein.

Mal die andere Seite des Studierendenalltags im Ausland kennen zu lernen, hat auch was für sich. Auch wenn mir der direkte portugiesische Vergleich fehlt, die Unterschiede zwischen privater und staatlicher Bildung treten deutlich zu Tage. Gerade in Sachen baulicher Zustand, Sauberkeit und Bürokratie ist das spürbar. Kleiner Fun Fact: Als ich an der Uni Erlangen meinen Bachelor gemacht habe, kamen dort mal Teile der Decke runter. #öffentliche Bildung

Auf der anderen Seite, mangelt es – Überraschung – innerhalb dieser elitären Privatuni an Offenheit für alternative Lebensformen. Ein queerer Freund aus der Erasmusgruppe ist, bei dem Versuch in einem Kleid an der Mensa Essen zu retten, ziemlich respektlos abgekanzelt worden. Zugegeben, die Situation mutet qua ihrer Kontraste, schon bizarr an – nett ist das aber nicht.

In wie weit sich die Tatsache, dass die Studierenden hier 500 Euro pro Monat zahlen, auf die Lehre auswirkt, kann ich noch nicht sagen. Denn da die Masterkurse bisher noch nicht angefangen haben, belege ich momentan nur Portugiesisch und Englisch. Fun fact II: Unser Englischdozent Mister Rose hat unter Studierenden wegen seiner nikotininduzierten Hautfarbe (grau) schon seinen Spitznamen weg: der englische Tod.

Soviel erst mal zu unserem Start in Lissabon. Wie es bei uns weitergeht und wie wir die Stadt weiter erkunden, erfahrt ihr in den nächsten Wochen hier!

Até!

Louisa

Kommentare

  1. anni

    26. September 2017

    Wirklich klasse, wie ihr das meistert? Wie habt ihr denn den KitaPlatz gefunden? Schon von Deutschland aus oder erst nach Anreise?

    1. Louisa Kamrath

      20. Oktober 2017

      Hallo Anni. Wir haben den Kitaplatz schon einige Monate im Vorraus festgemacht. Ist zwar ein bisschen blöd, weil man die Einrichtung natürlich noch nicht kennt. Aber generell würde ich es empfehlen, denn Kitaplätze sind auch hier eher rar. Bei der Suche hat uns das International Office der Partneruni geholfen. Sie haben uns einige Adressen genannt.

  2. Eli

    20. September 2017

    Ola…also die Regenlatzhose steht Robin hervorragend!

    1. Louisa Kamrath

      20. Oktober 2017

      oh yeah!

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