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Warum ich fast einen Nervenzusammenbruch erlitten habe

Warum ich fast einen Nervenzusammenbruch erlitten habe

Ich habe an verschiedenen Stellen schon angedeutet, dass mit meinem Praktikum nicht alles glatt lief. Glücklicherweise sind inzwischen alle Probleme geklärt und ich kann – endlich – in einen richtigen Arbeitsalltag einsteigen. Hier eine Zusammenfassung meines Praktikums-Chaos.

In meinem ursprünglichen Praktikumsangebot von IAESTE Nepal hieß es, dass ich für die Stadtverwaltung Waling an einer neuen Bildungsinfrastruktur und einem besseren Lernumfeld für Schüler*innen arbeiten würde. Als Arbeitgeber war die nepalesische Regierung genannt, und ausgeschrieben war das Praktikum für Studierende der Sozial- oder Wirtschaftswissenschaften. Obwohl das Angebot sehr vage klang und ich mir detailliertere Informationen gewünscht habe, entschied ich letztendlich, mich zu bewerben. Wenig später kam die Zusage und ich versuchte, mehr über die Art des Praktikums in Erfahrung zu bringen – ohne Erfolg. Genauere Informationen konnte mir niemand geben. Schließlich beschloss ich aber, mich nicht verrückt zu machen und das Ganze einfach auf mich zukommen zu lassen.

Ein Ausschnitt aus meinem Praktikumsangebot
Ein Ausschnitt aus meinem Praktikumsangebot.

Kurz vor meinem Abflug erreichte mich dann eine verwirrende Nachricht: Statt in Waling sollte ich plötzlich in der Hauptstadt Kathmandu arbeiten. Warum, wurde mir zunächst nicht gesagt und über den neuen Arbeitsplatz gab es kaum Informationen. Ich wusste lediglich, dass ich an einer Schule arbeiten würde – ein Gedanke, der mich nicht unbedingt beruhigte. Schließlich bin ich keine Lehramt-Studentin, und habe noch nie mit Kindern gearbeitet. Ich versuchte, nicht in Panik zu verfallen und dem IAESTE-Nepal-Team zu vertrauen: Sie würden mir schon einen Job suchen, der zu meinem Profil passt. Ganz vertreiben ließ sich die innere Unruhe aber nicht, und an meinem ersten Arbeitstag war ich entsprechend aufgeregt.

Ein holpriger Start

Ich lernte den Direktor der Schule und die anderen Lehrer kennen und war zunächst optimistisch gestimmt: Sie erklärten, dass sie meine Unterstützung bei ihrem Englisch-Club und bei der Organisation internationaler Projekte mit britischen Schülern brauchten. Leider stellte sich schnell heraus, dass das nicht ganz richtig war. In meiner ersten Arbeitswoche nach dem Dashain Festival sollte ich auf einmal unterrichten. Mit den Worten „teach them something and keep them busy“ wurde ich in einen Klassenraum geschickt. Fach, Lehrplan, Wissensstand der Kinder – solche in meinen Augen wichtigen Informationen bekam ich nicht. Trotz kompletter Überforderung habe ich die Stunde in der siebten Klasse der Schule relativ gut gemeistert. In meiner nächsten Stunde sollte ich jedoch eine zweite Klasse übernehmen – und hier lief das „Experiment Lehrerin“ aus dem Ruder. Niemand hörte auf mich und alle meine Versuche, die Kinder auf ihren Plätzen zu halten waren vergeblich. Wie soll ich auch mit einem Haufen Zweitklässler kommunizieren, von denen kaum jemand ein Wort Englisch spricht? Als ein kleiner Junge zu weinen begann und die ganze Klasse auf Nepali losplapperte, war ich endgültig mit den Nerven am Ende. Ich verließ das Klassenzimmer sichtlich verzweifelt und bat eine der anderen Lehrerinnen um Hilfe. Nach diesem Vorfall war mir klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Das Chaos nahm seinen Lauf…

Ich bin keine Lehrerin

Zunächst versuchte ich meinen Arbeitgebern zu erklären, dass ich keine Lehrerin bin und sie mich nicht ohne Unterstützung oder Lehrplan in den Klassenraum schicken können. Es stellte sich aber schnell heraus, dass das keinen Zweck hatte. Außer dem Unterrichten gab es an der Schule keine Arbeit für mich, und angemessen darauf vorbereiten würde mich niemand. Das ganze System wirkte unheimlich unorganisiert: Teils wurde spontan entschieden, wer welche Klasse übernimmt und ein verbindlicher Stundenplan schien nicht zu existieren. Einige Lehrkräfte waren zudem selbst noch nicht mit dem Studium fertig. Ich fühlte mich die komplette Woche über sehr unwohl und hatte schon fast Angst, morgens zur Arbeit zu gehen.

Schule, Arbeit, Gebäude
Mein alter Arbeitsplatz.
Meine ehemaligen Arbeitskollegen werde ich auf jeden Fall vermissen!
Meine ehemaligen Arbeitskollegen werde ich auf jeden Fall vermissen!

Neuer Job, neues Glück

Glücklicherweise bin ich nicht auf eigene Faust hier, sondern mit der Austauschorganisation IAESTE. Ich habe meinen Ansprechpartnern vor Ort die Situation geschildert und schnellstmöglich Unterstützung bekommen. Anscheinend hatte die Schule vorher zugesichert, mich nicht als Lehrerin einzusetzen, sich aber dann nicht an die Abmachung gehalten. Wie dem auch sei, ich spule mal zur Lösung des Problems vor. Seit letztem Donnerstag habe ich einen neuen Job! Ich arbeite nun am Kantipur City College in Kathmandu und bin für die Kommunikation, einige Recherche-Projekte und die Organisation einer Partnerschaft mir einer deutschen Universität verantwortlich. Schon jetzt bin ich ziemlich begeistert. Das alles sind Aufgaben, die mich wirklich interessieren und die viel besser zu meinen Fähigkeiten passen!

Um das noch einmal klar zu stellen: Meine Erlebnisse an der Schule in Kathmandu waren nicht ausschließlich negativ. Ich habe mich gut mit den anderen Lehrern verstanden und viele der Kinder ins Herz geschlossen. Allerdings fühlte ich mich in der Rolle als Lehrerin nicht wohl. Dazu fehlen mir sowohl die praktische Erfahrung als auch das theoretische Wissen.

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