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Plastikfrei leben: Zwischen PET-Flaschen und Wochenmärkten

Plastikfrei leben: Zwischen PET-Flaschen und Wochenmärkten

Mit dem Jutebeutel in den Supermarkt gehen und Obst oder Gemüse lose auf das Kassenband legen – für mich ist das keine Besonderheit mehr. Plastik versuche ich zu vermeiden. In Szeged falle ich jedoch mit meinem Verhalten teilweise auf. Wie schwer es hier ist möglichst ohne Plastik zu leben und wie es mit der Mülltrennung aussieht, erfahrt ihr jetzt von mir.

Die ersten Einkäufe: Eine richtige Herausforderung!

Mit den ersten Einkäufen standen für mich die ersten Entdeckungstouren und auch die erste Herausforderung auf dem Plan. Mit meinem Jutebeutel und meinem Rucksack bewaffnet, streifte ich durch die vollgepackten Gänge und dabei fiel mir auch erst einmal kein großer Unterschied zu den Supermärkten in Deutschland auf. Erst in der Obst- und Gemüseabteilung sah ich, dass diese kleinen unscheinbaren Plastiktüten hier noch zahlreich genutzt werden. Fast jeder Käufer verwendet eine einzelne Tüte für seine unverpackten Lebensmittel. Gemüsearten, wie z.B. Lauch sind zudem noch mal in einer Styroporschale mit zusätzlicher Plastikfolie verpackt. Zum Glück war das nicht nur der Fall und ich konnte genügend unverpackte Lebensmittel in meinen Jutebeutel legen. An der Kasse sah ich dann kurze Zeit später, dass diese Plastikbeutel dem Käufer noch zusätzlich kostenlos angeboten werden, um Backwaren oder andere Lebensmittel transportieren zu können. Mit einem etwas fragwürdigen Blick der Kassiererin, als ich meine unverpackten Lebensmittel auf das Kassenband legte, beendete ich diesen herausfordernden Einkauf. Und das auch relativ frei von Plastik.

Unverpacktes Einkaufen
Gemüse, Obst, Brot unverpackt eingekauft. Bei Reis und Milch musste ich eine Pappverpackung nutzen und beim Hummus leider auf eine Plastikschale zurückgreifen.

Wie sieht es mit Getränken aus?

Ich habe eine Glasflasche aus Deutschland mitgebracht, damit ich diese immer wieder mit Leitungswasser befüllen kann. Leider musste ich nach den ersten Tagen feststellen, dass das Wasser aus unserem Wasserhahn qualitativ nicht so gut ist. In Ungarn muss das aber nicht der Normalfall sein. Dazu solltet ihr mit eurem Vermieter sprechen, ihn nach der Wasserqualität und unbedingt auch nach den Leitungen im Haus fragen. Sind diese zu alt, und z.B. stark verkalkt, dann solltet ihr das Wasser besser nicht trinken. Also musste ich auch hier auf den Supermarkt zurückgreifen und schaute mir das Angebot an. Überwiegend ist leider alles in PET-Flaschen abgefüllt und kaum in Glasflaschen. Dabei fiel mir aber vor allem auf, dass es kein Pfandsymbol auf den Flaschen gibt. „Scheinbar ist Deutschland immer noch eins der wenigen Länder mit einem Pfandsystem“, dachte ich. Nach einer Internetrecherche und der Nachfrage bei einem ungarischen Freund erfuhr ich, dass das Pfandsystem  in Ungarn tatsächlich noch nicht wirklich populär ist. Zwar gibt es teilweise Automaten in den Supermärkten, aber diese funktionieren nicht immer und sind dem Käufer auch nicht wirklich bekannt. Nur vereinzelt gibt es Geld für Glasflaschen zurück, das lohnt sich jedoch kaum für den Geldbeutel, und trägt daher kaum einen Nutzwert.

Pfandautomat Supermarkt Ungarn
Ein leider nicht funktionierender Pfandautomat im Supermarkt. Kein Unterschied zu den Pfandautomaten in Deutschland.

Wohin dann mit den ganzen Plastikflaschen?

Also musste ich auf Plastikflaschen zurückgreifen, leider mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass ich die Flasche später nicht wieder zurückgeben kann. Wie sieht es mit der Mülltrennung aus? Hier wird überwiegend zwischen „normalem“ Müll – das bedeutet Kunststoff, Papier, Metall und „wieder verwertbarem“ Müll – sprich Biomüll unterschieden. Es gibt also keine separaten Tonnen für Papier, Plastik, Restmüll und Biomüll, wie wir es in Deutschland kennen.

Sammelmülltonne
Sammelmülltonne für Papier, Metall und Kunststoff.

Nicht nur Lebensmittel sind verpackt – im Bad geht’s weiter…

Wenn ich auf den Plastikverbrauch beim Konsum von Lebensmittel achte, dann muss ich auch bei meinen Körper-Pflegeprodukten bewusst einkaufen: Und da sieht es ehrlich gesagt ähnlich wie in Deutschland aus, denn die uns bekannten Drogerie-Ketten, gibt es hier ebenfalls. Das bedeutet, dass ich unverpackte Körperseife, Glas-Deoroller (statt Deospray) finden konnte und auch umweltschonende Marken sind im Bezug auf Waschmittel, Spülmittel etc. gut vertreten. Leider konnte ich keine Shampoo-Seife, Zahnputztabletten oder Bambuszahnbürste hier in Szeged finden. Dafür muss ich wahrscheinlich nach Budapest in eine größere Filiale fahren. Eine meiner größten Umweltsünden im Bad ist leider die Zahnseide, da muss ich unbedingt demnächst nach einer Alternative schauen.

Plastikfrei in Ungarn: Geht’s oder geht’s nicht?

Ist es möglich in Ungarn plastikfrei zu leben? Nein, leider ist das nicht möglich. Aber auch in Deutschland ist das immer noch ein sehr hochgestecktes Ziel. Nahezu alles in den Supermärkten ist in Plastik verpackt und irgendetwas muss man schließlich auch noch essen. Außerdem ist es natürlich auch keine Lösung, sich nur mit Wasser abzuduschen oder keine Zähne mehr zu putzen. Was mich am meisten beschäftigt, ist das nicht wirklich vorhandene Pfandsystem und die daraus resultierende sehr hohe Plastikproduktion, denn Wasser muss und sollte jeder nun mal trinken. Um aber für mich selbst mit diesem Thema in der Zeit hier zufrieden zu sein, achte ich auf gewisse Dinge und versuche so gut es geht Plastik zu vermeiden. Das könnt ihr dann auch in eurer Zeit in Ungarn erreichen, indem ihr einen oder mehrere von meinen folgenden Tipps beachtet.

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