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„Es könnte sehr lange dauern“

„Es könnte sehr lange dauern“

Mittlerweile bin ich wieder zurück in Deutschland. Doch auf meiner Rückreise war so einiges los. Aber lest selbst!

Tschechische Flagge, die an einem Gebäude hängt
Na shledano Tschechien!

Am letzten Sonntag hieß es für mich Na shledano Tschechien (Auf Wiedersehen)! Nach fünf Monaten hieß es Abschied nehmen und Koffer packen. Ganz schön schwierig, fünf Monate in einen Koffer und einen Rucksack zu packen. Zum Glück war schon seit längerer Zeit klar, dass mein Vater mich mit dem Auto in Brünn abholen würde. Eigentlich war sogar geplant, dass meine ganze Familie am Ende meines Erasmus nach Brünn kommt, ich ihnen ein paar Tage die Stadt zeige und wir dann alle gemeinsam nach Hause fahren. Na ja, warum das natürlich nicht möglich ist, brauch ich wohl nicht erklären.

Aber dennoch, mein Vater würde nach Brünn kommen und mich abholen. Also konnte ich doch etwas großzügiger packen. Konkret hieß das für mich ein großer Koffer, mein großer Wanderrucksack, mein Schul- (jetzt wohl eher Uni-) Ranzen, eine riesengroße Einkaufstüte mit allen Sachen, die nicht mehr ins Gepäck passten und natürlich meine Zimmerpflanze.

Vorbereitung

An dem Donnerstag vor meiner Abreise dann die Nachricht, das Deutschland seine Einreisebestimmungen bezüglich Tschechien ändert. Ab Sonntag, dem Tag meiner Abreise, wird Tschechien als Virus-Varianten-Gebiet gelten. Einreisen kann man dann nur noch mit negativem Corona-Test, der digitalen Einreiseanmeldung und einem triftigen Grund einzureisen. Das war mir vor meiner Abreise schon klar, neu sind jetzt nur die Kontrollen an der deutsch-tschechischen Grenze.

Mein Corona-Test ist für Samstag um 09:44 Uhr geplant, da dieser nicht älter als 48 Stunden sein darf. Ich mache mich also auf den Weg. Maske auf und ins Krankenhaus St. Anne’s, welches nicht weit von meinem Wohnheim entfernt ist. Für den Corona-Test gibt es einen extra Eingang. Von da muss ich in eine abgelegene Ecke auf dem Krankenhausgelände. Vor mir in der Reihe ist nur ein Paar. Lange warten muss ich nicht. Schon geht es rein ins Zimmer, Maske runterziehen, Stab rein und zack: wieder raus. Ehrlich gesagt, dachte ich, dass der Stab noch in meiner Nase drin ist, als die Krankenschwester schon meint, ich könnte gehen.

Um mich bis zum Ergebnis des Tests abzulenken, gehe ich wieder zurück in mein Wohnheim, um mich ums Packen zu kümmern. Wie schon gesagt, nach fünf Monaten gar nicht so einfach. Aber mit Ach und Krach passt es doch. Zwischendurch checke ich meine Mails. Beim dritten Check tatsächlich das Ergebnis. Schnell suche ich das Passwort raus, der Test ist dadurch nämlich geschützt. Schnell eingetippt und siehe da: Negativ!! Noch nie habe ich mich so sehr über ein negatives Ergebnis gefreut. Anders wäre es nämlich schlecht gewesen. Mietvertrag abgelaufen und nowhere to go. Aber so weit musste es ja zum Glück gar nicht erst kommen.

Los geht’s!

Am nächsten Tag kommt mein Vater um 10:30 Uhr bei meinem Wohnheim an. Ich hole ihn an der Auffahrt ab und gemeinsam fahren wir direkt vor den Eingang von meinem Wohnblock. Dann wird mein ganzes Gepäck im Auto verstaut. Es wird ernst. Meine Freunde sind da und winken uns zu, als wir uns auf den Weg machen. Schon irgendwie dramatisch und auf jeden Fall traurig. Aber wir haben uns versprochen, in Kontakt zu bleiben und sobald es möglich ist, eine Reunion in Brünn zu machen.

Das Navigationsgerät sagt, dass mein Vater und ich um 21:43 Uhr zu Hause in Kappeln ankommen. Da wartet schon unsere Ferienwohnung auf uns, die sich im ersten Stock unseres Haus befindet. Die werden wir während unserer Quarantänezeit beziehen, damit meine Mutter und mein Bruder nicht auch noch in Quarantäne müssen. Aber gut, bis das so weit ist, haben wir noch ordentlich Strecke vor uns. Fast 1.000 km.

Mein Vater sitzt am Steuer und ich genieße die Aussicht. Die Sonne scheint. So viel von der tschechischen Landschaft habe ich wahrscheinlich mein ganzes Auslandssemester nicht gesehen. Abgesehen von der Hinreise mit dem Zug. Deswegen genieße ich es umso mehr. Schnell sind wir auch schon an Prag vorbeigefahren. Wir nähern uns mit raschem Tempo der Grenze. Auf der Hinfahrt wurde mein Vater nicht kontrolliert. Er konnte einfach nach Tschechien einreisen. Auf der anderen Fahrseite hätte er aber schon die Polizei gesehen. Mal schauen, wie so eine Kontrolle abläuft. Wir haben ja aber alle nötigen Papiere dabei.

Bei Google Maps sehe ich, wie wir der Grenze immer näher kommen. Der blaue Punkt (wir) nähert sich der Linie, die Tschechien von Deutschland auf der Karte trennt, immer mehr. 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1. Und ich bin back in Germany! Die Grenzkontrolle soll am nächsten Autobahnparkplatz stattfinden. Wir fahren durch einen Tunnel. Das nächste Schild sagt uns, dass der Parkplatz nicht mehr weit entfernt ist. Schon sehen wir die ersten Rücklichter. Stau vor der Grenzkontrolle!

Nach wenigen Minuten dann die Verkehrsmeldung: „Am Grenzübergang Breitenau-Schönwald beträgt die Wartezeit circa eine halbe Stunde.“ Es ist mittlerweile 15:22 Uhr. Das Navigationsgerät stellt die Ankunftszeit direkt eine halbe Stunde weiter. Na gut, die kurze Zwangspause ist ja perfekt für einen kleinen Snack zwischendurch. 20 Minuten und nur gefühlte 10 Meter vorangekommen später, hole ich Karten raus. So lässt sich die Wartezeit doch gut verbringen. Bei der nächsten Verkehrsmeldung beträgt die Wartezeit schon eineinhalb Stunden. Also ein paar weitere Runden Karten. Nebenbei bewegen wir uns im Schneckentempo vorwärts. Das nächste Brötchen wird verputzt und die Kekstüte aufgemacht. Nach drei Stunden haben wir es ganze 900 Meter Richtung Grenzkontrolle geschafft. Die Verkehrsmeldung ist mittlerweile ungenauer geworden und sagt nur noch: „Es kann lange dauern.“ Ich fange an auf meinem Handy Solitär zu spielen. Meine Mutter ruft an und fragt, wie die Lage ist. Ich lache: „Frag nicht: Dauert noch, bis wir zu Hause sind.“ Auch die Verkehrsmeldung macht keine Hoffnung. „Es kann sehr lange dauern.“ Ja, vielen Dank, mittlerweile ist uns das auch klar. Sonst hört man von solchen Staus nur im Radio, aber selbst ist man irgendwie nie betroffen. Na ja, bis jetzt. Irgendwie ein bisschen unwirklich. So habe ich mir meine Rückreise nicht vorgestellt. Auch mein Vater hätte mit sowas wohl nicht gerechnet. Sonst hätte er sich das Ganze bestimmt dreimal überlegt. (An dieser Stelle einmal ein dickes Danke an meinen Papa!!) Trotzdem hab ich irgendwie gute Laune. „Die Wartezeit beträgt mehrere Stunden“, tönt es durch den Lautsprecher. Mittlerweile ist auch unser Proviant fast aufgebraucht. Hoffentlich dauert es nicht mehr lange.

Um 22:56 Uhr sind wir durch die Grenzkontrolle durch. Als wir an der Reihe sind, geht alles ganz schnell. Einmal kurz die Papiere vorgezeigt und zack sind wir durch. Weiter geht es. Direkt zur nächsten Raststätte. Dort werden erst einmal die Kräfte aufgetankt, Wasser gelassen und danach geht es wieder ab auf die Autobahn. Eigentlich hätten wir schon längst zu Hause sein sollen. Dann kamen aber die siebeneinhalb Stunden warten dazwischen. Kann man nichts machen.

Von der Grenze bis nach Kappeln ist es aber noch ein ganz schönes Stückchen. Und mittlerweile ist es auch stockdunkel draußen. Da übermannt einen schon mal ein bisschen die Müdigkeit. Mein Vater fährt noch weiter bis Hannover, während ich doch kurz einnicke. Dann tauschen wir Plätze. Das erste Mal seit fünf Monaten wieder hinterm Steuer. Aber es läuft gut. Selbst der Elbtunnel in Hamburg macht diesmal keine Probleme. Wahrscheinlich weil es schon so spät und die Straßen relativ leer sind. Von da an ist es ein Leichtes. Schnell sind wir über die Rader Hochbrücke und dann auch schon durch Eckernförde durch. Von hier ist es nur noch eine halbe Stunde. Als wir über die Brücke nach Kappeln fahren, bin ich total müde, aber glücklich. Kurz überlege ich anzuhalten und schnell ein Foto zu machen. Aber nein, das lohnt sich nicht. Es ist immer noch dunkel draußen. Um 06:57 Uhr fahre ich auf unsere Auffahrt. Meine Mutter lächelt mich durch die Glasscheibe unserer Haustür an. Ich winke ihr zu. Für mich und meinen Vater heißt es jetzt erst einmal 14 Tage Quarantäne, isoliert in unserer Ferienwohnung. Da hat meine Mutter in der Zwischenzeit alles vorbereitet. Nachdem wir das Gepäck ausgeladen haben, gehe ich Zähne putzen und falle todmüde ins Bett.

Das Kartenspiel Uno
So lässt sich die Wartezeit gut verkürzen 😉

Wieder zu Hause

Mittlerweile habe ich meinen Schlafmangel wieder aufgeholt und auch die erste Woche meiner Quarantäne ist schon um. Momentan fühlt sich diese noch ein wenig wie Urlaub an, wahrscheinlich auch deswegen, weil meine Mutti uns so gut beherbergt. Jeden Abend wird uns leckeres Essen auf die Treppe gestellt und morgens der Kaffee in der Thermoskanne. Richtiger Luxus! Trotzdem fällt mir die Decke auf den Kopf. Ich vermisse es spazieren zu gehen. Auf Instagram bekomme ich die ersten Tipps, was ich denn in der Quarantäne alles machen könnte. Und eigentlich habe ich auch noch ein wenig Papierkram zu tun. Mein Gehirn denkt sich nur, wenn ich es jetzt mache, habe ich morgen nichts mehr. Prokrastination at it’s finest! Na ja, die zweite Woche kriege ich auch noch rum. Und bis die vorbei ist, träume ich einfach schon mal von der Ostsee. Die ist nämlich die Erste, der ich einen Besuch abstatten werde!

Blick auf die Ostsee auf der ein Segelboot zu sehen ist
Ein Foto aus dem Sommer!
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