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Preisverdächtig: Schuljahresabschlussfeiern in Vietnam

Preisverdächtig: Schuljahresabschlussfeiern in Vietnam

Jeder von uns kennt es, die große Freude, dass die Schule nun endlich vorbei ist und die Ferien beginnen. Wenn ich mich an meine Zeit als Schülerin zurück erinnere und den letzten Tag vor den Ferien Revue passieren lasse, fällt mir sofort die Zeugnisvergabe ein. Das ist immer ganz unspektakulär im Klassenzimmer passiert. Die Lehrkraft rief jeden in der Klasse der Reihe nach auf, ich bekam das Zeugnis, ärgerte mich über meine schlechte Mathenote, die ich dann aber angesichts der bevorstehenden sechs Wochen Freiheit wieder schnell vergaß, und radelte mit meiner Freundin nach Hause, ab in die Ferien. Doch in Vietnam ist das anders. Von wegen unspektakuläre Zeugnisvergabe im kleinen Rahmen  – hier gibt es ein richtiges Fest zum Abschluss des Schuljahres. Ich war bei zwei Feiern mittendrin. Besonders meine erste vietnamesische Schulabschlussfeier werde ich so schnell nicht mehr vergessen.

Um halb acht Uhr morgens ging es los. Die Nguyen-Thuong-Hien-Schule war kaum mehr wiederzuerkennen. Ein großes Segel wurde im Innenhof aufgespannt, eine Bühne wurde aufgebaut und überall stand prächtiger Blumenschmuck. Alle waren festlich gekleidet. Die Herren trugen Anzug, die Frauen im Áo dái, dem traditionellen vietnamesischen Gewand. Doch es blieb mir keine Zeit zum Bestaunen der schönen Menschen. Ich musste meine Kollegin finden, die ich auf diese Veranstaltung begleiten sollte. Leider war sie weit und breit nicht auffindbar oder zu erreichen. Was nun? Die Zertifikate und Preise für besonders herausragende Leistungen in Deutsch mussten doch vergeben werden.

Da man mir meine Aufregung und Überforderung wahrscheinlich sofort ansah, kam eine Dame auf mich zu und fragte mich, ob sie mir weiterhelfen könne. Ich schilderte ihr meine Lage, sie nickte verständnisvoll und meinte, dass ich wohl nun die Preise vergeben müsse. Sie leitete mich ins Lehrerzimmer, wo lauter wichtig aussehende Leute saßen. Ich begrüßte schüchtern die Runde und nahm Platz.

Und dann ging es auch schon los. Mit Musikbegleitung betraten die wichtigen Menschen und ich den geschmückten Innenhof. Ich durfte sogar in der ersten Reihe sitzen. Die Zeremonie begann mit einer Rede. Natürlich verstand ich nichts, war ja auf Vietnamesisch. Bis plötzlich mein Name genannt wurde (erstaunlich gut ausgesprochen!). Oh Gott, muss ich jetzt was machen? Ich lächelte einfach nur und hoffte, dass niemand meine Überforderung bemerkte – ich wurde tatsächlich als Gast der Feier in der Begrüßungsrede erwähnt.

Es gab weitere Reden, Gesangs- und Tanzeinlagen und dann wurden viele Preise verliehen. Für besonders gute Leistungen und einzigartigen Einsatz zum Beispiel. Dann wurde wieder mein Name genannt. Nun musste auch ich auf die Bühne, um Zertifikate und Preise zu übergeben. Zum Glück gaben mir die vertrauten und freundlichen Gesichter der Deutschschülerinnen und –schüler ein wenig Sicherheit in dieser Situation. Alles hat geklappt, ich bin nicht von der Bühne gefallen, habe nichts umgerannt und mir ist auch nicht der Kreislauf weggekippt (ich hatte kurzzeitig Angst, dass das geschehen würde, bei der Hitze).

Nach insgesamt zweieinhalb Stunden bei gefühlten 45°C war die Feier vorbei. Die Schüler sprangen auf, ließen Ballons steigen und feierten sich selbst und das abgeschlossene Schuljahr. Sie schienen erleichtert. Doch wahrscheinlich war keiner so erleichtert wie ich nach diesem aufregenden Vormittag. Meine erste vietnamesische Schulabschlussfeier war ein spannendes und tolles Erlebnis. Vergleiche ich diese schönen Feierlichkeiten mit Deutschland, finde ich, wir sollten auch ein wenig mehr Zeremonie in den deutschen Schuljahresabschluss bringen.

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