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Sicher unterwegs in San José, Costa Rica

Sicher unterwegs in San José, Costa Rica

Wie ist es eigentlich, alleine als Frau in der Hauptstadt von Costa Rica unterwegs zu sein? Das Land hat zwar die niedrigste Kriminalitätsrate in ganz Mittelamerika, Vorsicht und Insiderwissen schaden aber nie. Heute möchte ich ein paar Geschichten und Tipps mit dir teilen, damit du mit einem guten Gefühl nach Costa Rica reisen kannst.

San Jose selbst hat auf dem Papier ja nur 300.000 Einwohner*innen, der Agglomerationsraum drumherum erstreckt sich aber über das gesamte Central Valley und ist das Zuhause von gut einem Fünftel aller Costaricaner*innen. Daher würde ich San Jose eher als Millionenstadt ansehen, was nunmal mit einer erhöhten Gefahr von Gelegenheitsübergriffen wie Taschendiebstahl oder Straßenüberfällen einhergeht.

Generell kann man sagen, dass es von der Sicherheit her große Unterschiede zwischen den Stadtvierteln gibt, und dass es Teile der Stadt gibt, in denen man gefahrlos herumlaufen kann, aber eben auch Teile, in die man alleine nicht unbedingt gehen sollte. Was komisch ist, ist dass „sichere“ und „unsichere“ Viertel direkt nebeneinander liegen können, und dass ähnlich wirkende Stadtteile sehr sehr unterschiedlich sein können. Im Zweifel ist es immer gut, mal Locals zu fragen, welche Teile sie als sicher empfinden.

Wertsachen und Raubüberfälle

Im Allgemeinen ist es ratsam, in der Stadt genauso achtsam mit seinen Wertsachen umzugehen, wie man es in anderen Urlaubsorten auch machen würde: Nicht aus den Augen lassen. Gerade im Bus würde ich meine Tasche nie in die Gepäckablage legen. Auch ist es schlau, nicht mit seinem neuen, teuren Handy in der Öffentlichkeit herumzufuchteln oder ein volles Portemonnaie irgendwo herauszuholen, so dass alle die Scheine sehen können. Mein Tipp: Hab zwei Portemonnaies dabei, ein kleines mit dem, was du im Alltag brauchst, und ein zweites, in dem du den Rest deines Bargelds aufbewahrst, sowie wichtige Dokumente (wobei du super wichtige Dokumente wie deinen Reisepass vielleicht sowieso nicht im Alltag dabeihaben solltest).

Raubüberfälle passieren hier leider ab und an mal, und auch ich habe schon in meinem direkten Umfeld von einem Überfall gehört. Eine Freundin von mir wurde Sonntag morgens auf offener Straße bedroht, es wurde versucht, ihr das Handy wegzunehmen und man schlug ihr mit einer Waffe auf den Kopf. Die Wunde musste genäht werden, ihr Handy konnte sie den Angreifern aber wieder abnehmen. Das Auswärtige Amt rät in solchen Fällen übrigens dazu, sich nicht zu wehren!

In so einem Fall muss man das Geschehene unbedingt bei der Polizei melden, auch wenn das nicht immer erfolgversprechend ist. Doch auch wenn nicht alle Fälle aufgeklärt werden können, ist es wichtig, es zumindest zu versuchen!

Generell ist es wichtig, nachts nicht (alleine) herumzulaufen. Wenn es nicht anders geht, sollte man wenigstens in einer größeren Gruppe unterwegs sein. Und: „Nachts“ bedeutet hier, wenn es dunkel ist, und das ist es schon ab halb sechs abends.

Catcalling und Belästigung

Ich kann schon gar nicht mehr zählen, wie oft ich in San Jose schon von vorbeifahrenden Autos angehupt wurde, beziehungsweise mir irgendetwas hinterhergerufen wurde. Die Feministin in mir regt sich jedes mal unglaublich darüber auf, wie Männer es wagen können, ihre vermeintliche Macht über mich (wir können dich belästigen und dir Sachen hinterherrufen, und du kannst nichts dagegen tun) so zur Schau zu stellen, und würde die betreffenden Typen am liebsten jedes Mal zur Rede stellen. Ich habe aber gelernt, dass es sicherer ist, sich von dieser Machismo-Kultur nicht provozieren zu lassen und alle solche rein verbalen Belästigungen einfach zu ignorieren. Denn die Gefahr ist da, dass sich bei einer negativen Reaktion, wie zum Beispiel beschimpfen oder gestikulieren, die Männer provoziert fühlen und dann zu Drohungen oder so etwas übergehen. Daher: tief durchatmen, Augenkontakt vermeiden und weitergehen. Das ist schwer, aber sicherer. Physische Belästigung ist mir auf der Straße zum Glück noch nicht widerfahren.

Taxi und Uber

Auch in San Jose gibt es, wie in vielen anderen Städten, seit ein paar Jahren den Fahrtenanbieter Uber, der den alteingesessenen Taxifahrer*innen Konkurrenz macht. Uber steht zwar zum Teil wegen seinem Umgang mit den Arbeitsrechten in der Kritik , deshalb benutze ich es in Deutschland nie. Hier in San Jose möchte ich aber jedem ans Herz legen, lieber ein Uber oder einen vergleichbaren Anbieter statt einem Taxi zu nehmen, und zur Erklärung teile ich gerne ein nicht so schönes Erlebnis mit euch.

Vor ein paar Wochen hatte ich das Wochenende an der karibischen Küste verbracht, und war Sonntag abends nach einer langen Busfahrt wieder an einem Busterminal in San Jose angekommen. Da es regnete, dunkel war und das nächste Uber lange gebraucht hätte, bis es am Busterminal angekommen wäre, entschied ich mich dazu, ein Taxi nach Hause zu nehmen. Ich hatte auf derselben Strecke schonmal eins genommen, und es war nur wenig teurer als ein Uber gewesen. Im Folgenden beging ich aber ein paar schwere Fehler.

Zuallererst fragte ich den Taxifahrer, ob er mir einen ungefähren Preis für die Strecke sagen könnte. Das ist üblich, aber er verneinte mit dem Argument, dass er nicht wüsste, wie viel Verkehr wäre. San Jose ist zwar für seine Staus bekannt, allerdings nicht Sonntags abends. Aus irgendeinem Grund ließ ich mich aber beschwatzen, ich war müde und wollte schließlich einfach nur nach Hause.

Als nächstes hielt er mir die Beifahrertür auf, und ich stieg auch vorne ein. Das rächte sich schnell, denn er versuchte schnell, den Abstand zwischen uns zu überbrücken und wischte mir ungefragt über meine regennassen Arme. Spätestens da hätte ich auf mein Bauchgefühl hören sollen, und aussteigen sollen. Aber ich lächelte und versuchte, freundlich Konversation zu betreiben, vergaß aber, darauf zu achten, wo das Taxameter ist und was es anzeigt.

Als wir nach ungefähr zehn Minuten ankamen, hatte der Fahrer einige unangenehme Kommentare gemacht und immer wieder versucht, mich zumindest an den Händen anzufassen, so dass ich wirklich einfach nur noch dringend aus diesem Auto rauswollte. Daher war es umso mehr ein Schock, dass er auf meine Frage nach dem Preis 20.000 Colones sagte. Das entspricht nämlich ungefähr 30€ und ist das fünffache von dem, was ich letztes Mal für dieselbe Strecke in derselben Zeit gezahlt hatte. Ungläubig versuchte ich also, zu verhandeln und er argumentierte mit einer Zahl auf dem Armaturenbrett, die einundzwanzigtausendirgendwas anzeigte ich bin mir sicher, dass das einfach nur der Tripkilometerzähler war, aber mein Spanisch war nicht gut genug, um das ausdiskutieren zu können. Um also der ganzen Situation schnellstmöglich zu entkommen, gab ich nach und händigte ihm den Betrag zähneknirschend aus.

Das war natürlich erstmal nur ein von mir persönlich erlebter Einzelfall, ich habe aber schon viele andere ähnliche Geschichten gehört. Was lernen wir daraus? Mehrere Dinge:

Es bleibt natürlich noch zu erwähnen, dass die von mir erlebte Situation nicht die Norm ist, und dass die allermeisten Taxifahrer auch einfach nur ihren Job machen, aber die Wahrscheinlichkeit, dass es noch einmal passiert, ist mir einfach zu hoch meine Sicherheit geht mir vor!

Fazit

Alles in allem habe ich in San Jose im täglichen Leben keine Angst, mich in der Stadt zu bewegen. Ich wohne aber auch in einem sehr sicheren, wohlhabenden Viertel und achte darauf, in weniger sichere Viertel nicht zu Fuß oder alleine zu gehen. Abends, wenn ich bis sieben oder acht Uhr Uni habe, nehme ich immer ein Uber nach Hause.

Du siehst also, mit den richtigen Vorsichtsmaßnahmen kann man auch als Frau alleine hier in San Jose eine gute Zeit haben. Lass dich also nicht von den Geschichten abschrecken, vergiss aber deine Vorsicht auch nicht zu Hause!

Schau gerne auf meiner Seite hier vorbei für Geschichten von den schönen Seiten San Joses. Wenn dich Aspekte der Sicherheit im Rest des Landes interessieren, stell doch gerne deine Frage in den Kommentaren, dann behandle ich die sehr gerne in einem weiteren Beitrag.

Hast du noch Fragen?

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