studieren weltweit
Wie ging’s Euch beim Blick in die Klassenzimmer der Welt?

Wie ging’s Euch beim Blick in die Klassenzimmer der Welt?

Inspiration, Anregung, Staunen: Praktika in anderen Bildungssystemen sind bei Lehramtsstudierenden sehr beliebt.Vielleicht hast ja auch Du Dich schon vom Reisefieber anstecken lassen?

Welche Einblicke haben denn Dich bei Deinem Auslandspraktikum besonders verwundert, berührt, geprägt, irritiert?

Kommentare
  1. Miriam

    12. April 2017

    Hallo,
    ich befinde mich zurzeit in Charlotte, North Carolina, und absolviere hier mein Praxissemester im Rahmen meines Lehramtsstudiums an der Uni Jena. Für 4 Monate bekomme ich Einblick in eine völlig andere Unterrichts- und Schulform. Ich studiere Französisch und Spanisch für Gymnasien, arbeite hier aber in einer Schule, in der Kinder vom Kindergarten bis zur 8. Klasse lernen. Französisch gehört zu dem Immersionsprogramm, dem „Aushängeschild“ der Schule. Für mich ist es sehr interessant zu sehen, wie diese Form des Fremdsprachenunterrichts abläuft. Am meisten bin ich erstaunt über das sichere Auftreten der jungen Schüler, da sie sich keine Gedanken über die Fremdsprache machen. Die Schüler müssen den ganzen Tag in Französisch sprechen und weichen nur selten in ihre Muttersprache Englisch aus.
    Allerdings sehe ich negative Seiten des Schulsystems: immer mehr moderne Technik gelangt in die Klassenzimmer. Schon die Schüler ab der 2. Klasse arbeiten jeden Tag mit IPad’s und Laptops. Die Schule ist so gut ausgestattet, dass jedem Schüler ein eigenes Gerät zur Verfügung gestellt wird. Jeder scheint diese Lernform anzupreisen, ich bin jedoch davon überzeugt, dass die Schüler aufgrund dieser Entwicklung weniger Konzentrationsfähigkeit und Teamarbeit lernen. Ich bin teilweise schockiert, wie schlecht die Schüler selbst in höheren Klassen schreiben können. Ganz zu schweigen von dem mangelnden Ausdrucksvermögen.

    Mittlerweile ist die Hälfte meines Praktikums vergangen und ich freue mich auf die nächsten Wochen, in denen ich unbedingt noch ein wenig Zeit in dem Deutsch-Immersionsprogramm verbringen möchte.
    Ich bin sehr froh, mich für diese Art des Praktikums entschieden zu haben und möchte keiner der Erfahrungen, die ich bisher machen durfte, missen. Zudem würde ich jedem zu dem Schritt raten, einen Perspektivwechsel zu wagen und ein anderes Schulsystem kennenzulernen.

    1. Renate Schüssler

      14. April 2017

      Liebe Miriam,
      herzlichen Dank für Deinen spannenden Erfahrungsbericht. Die Digitalisierung der Klassenzimmer scheint in vielen Ländern um sich zu greifen, mit all ihren positiven Implikationen und negativen Konsequenzen … Ich finde es gut, so wie du, diese Entwicklung nicht nur euphorisch zu beschreiben, sondern hier schon umfassender zu schauen und kritisch zu hinterfragen.
      Wie schön, dass Du den Auslandsaufenthalt und die lange Zeit des Praktikums so eigeninitiativ ausgestalten kannst und gewinnbringend für Dich nutzen kannst, ich bin gespannt, was Du nach dem Abschluss davon berichten wirst.
      Weiterhin viel Spaß und alles Gute, Renate

  2. Jasmin

    10. April 2017

    Ich habe vier Monate an einer High School in Wales verbracht. In erster Linie war ich sehr erstaunt darüber, dass die Schüler keine Lehrbücher im Unterricht genutzt haben. Darüber hinaus hatten sie auch keine Schreibhefte, die sie mit nach Hause nehmen durften, sondern lediglich Hefte, die im Klassenzimmer aufbewahrt wurden und in die nicht mehr und nicht weniger geschrieben werden durfte, als das, was alle anderen Schüler auch machten. Folglich bekamen die Schüler auch keine Hausaufgaben auf. Auch weiteres Material brachten die Schüler nicht selbst mit. Stattdessen ließen sie sich vom Lehrer mit Stiften, Kugelschreibern, Klebestiften, Scheren und Linealen versorgen.
    Generell musste ich auch feststellen, dass das Anforderungsniveau sehr gering war und für die jeweilige Altergruppe teilweise gar nicht angemessen.
    Am meisten hat mich irritiert, dass im Fremdsprachenunterricht (egal ob Deutsch oder Französisch) die Sprache kaum gesprochen wurde. Trotz mehrerer Jahre des Unterrichts, hatten die Schüler sogar die Basisgrammatik nicht gelernt. Vielmehr, so schien es mir, wurde den Schülern ein grober Überblick über die Sprache vermittelt, nicht jedoch die aktive Anwendung.
    Alles in allem ist der gesamte Schulalltag in Wales in keiner Weise mit dem in Deutschland vergleichbar. Diese Tatsache hat das Praktikum zwar nicht leichter gemacht, aber dafür gesorgt, dass man das Schulsystem in der Heimat auf eine Weise zu schätzen lernt, wie man es vorher nicht getan hat.

    1. Renate Schüssler

      11. April 2017

      Liebe Jasmin,
      danke für Deinen interessanten Erfahrungsbericht. Das ist wahrscheinlich das Beste an einem Auslandspraktikum: dass man sich auf der Folie der Eindrücke und Erfahrungen im Ausland aktiv und mit einer neuen Brille mit dem eigenen Bildungssystem auseinandersetzt.
      Ich betreue viele Studierende, die ein Auslandspraktikum machen, viele davon auch in Großbritannien. Die Rückmeldungen bis jetzt waren in der Regel sehr positiv: viel Nutzung digitaler Medien im Unterricht, gutes Arbeitsklima und eine super Aufnahme und Begleitung von PraktikantInnen. Aber auch das waren nur Eindrücke von wenigen Schulen – die natürlich nicht repräsentativ für die Bildungssysteme in Großbritannien sind.
      Wurde Dein Praktikum denn durch ein Seminar vorbereitet und begleitet?

    2. Clara Schaksmeier

      17. April 2017

      Liebe Jasmin,
      vielen Dank auch von mir für deinen Erfahrungsbericht! Hast Du Dich mal mit den Lehrkräften unterhalten, warum sie den Unterricht genau so gestalten und was ihre “didaktische Strategie” dahinter ist? Ich glaube, das wäre spannend zu erfahren, um diese Form von Unterricht ein wenig besser zu verstehen. Was sagen die SchülerInnen zum Unterricht? Macht er ihnen Spaß?

      Ich habe beim Blick ins vietnamesische Klassenzimmer festgestellt, dass vieles, das erst anders, komisch oder gar kontraproduktiv erscheint (hinsichtlich der Dinge, die wir in der Uni gelernt haben etc.), in einem fremden kulturellen Umfeld gar nicht so schlecht ist und sogar Sinn macht. Ob das für Deine Erfahrungen in Wales zutrifft, kann ich schwer beurteilen, aber es wäre auf jeden Fall spannend zu erfahren, warum der Sprachunterricht so gestaltet wird. Und wer weiß, vielleicht kannst Du, wenn Du selbst vor der Klasse stehst, ein paar neue Methoden anwenden und so ein wenig frischen Wind in den Unterrichtsalltag bringen 🙂

Kommentieren

Bitte beachte, dass dein Kommentar nach dem Absenden erst von unserer Redaktion gesichtet werden muss. Aus diesem Grund kann das Erscheinen deines Kommentars etwas Zeit in Anspruch nehmen.

Mehr über #zMeinungLehramt