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Warum ich 9 Monate auf mein Visum in Mexiko warten musste

Warum ich 9 Monate auf mein Visum in Mexiko warten musste

Die Wörter „Bürokratie“ und „nervig“ passen zusammen wie Max & Moritz, wie Dick & Doof oder auch wie das Amen in die Kirche. In Mexiko ist das nicht anders, deswegen erfahrt ihr hier alles, was ihr wissen müsst, um möglichst reibungslos durch den ganzen Visumsprozess zu kommen.

Alles in allem ist es kein Hexenwerk, ein Visum für Mexiko zu bekommen. Was mir aber schwierig vorkam, war die Frage, wo ich die ganzen Infos herbekomme, welche Dokumente ich wann und wo vorzeigen muss. Diese Infos findet ihr jetzt hier! Vor allem kann ich euch den Tipp geben, euch sehr gut zu überlegen, ob ihr das Visum überhaupt braucht. Bis zu 180 Tage kann man in Mexiko ohne Visum bleiben, bei allem, was darüber hinausgeht sollte man das Visum „Residencia Temporal“ beantragen. Da ich hier ein Jahr bleibe, habe ich das beantragt, ohne vorher zu wissen, dass es auch eine andere Möglichkeit gibt: Wenn ihr kein Visum beantragt und kurz vor der 180-Tage-Frist aus dem Land ausreist, dann bekommt ihr bei Wiedereinreise nochmal die Aufenthaltserlaubnis für 180 Tage. Das nutzen hier einige aus, indem sie ein verlängertes Wochenende in Guatemala, den USA oder Kuba verbringen. Es kann aber sein, dass eure Uni in Deutschland (oder in meinem Fall Kulturweit) von euch verlangt, dass Ihr das Visum beantragt.

Sonnenuntergang mit Palmen in Acapulco
Während ich auf meine Aufenthaltserlaubnis wartete, durfte ich nicht aus Mexiko ausreisen. Deshalb habe ich viel das Land kennengelernt, so wie hier Acapulco. Auch nicht schlecht!

Beantragung in Deutschland

Die Beantragung des Visums in Deutschland ist relativ einfach. Auf der Webseite der mexikanischen Botschaft in Berlin findet ihr alle nötigen Informationen zu den benötigten Dokumenten, die per Mail eingereicht werden müssen. Darüber hinaus muss eine Gebühr von circa 30-35 EUR überwiesen werden, der Beleg der Zahlung muss dann auch mit eingereicht werden. In der Mail könnt ihr dann auch gleich einen Termin ausmachen, um das Visum abzuholen. Zu dem Termin solltet ihr dann alle Dokumente im Original und als Kopie mitnehmen. In dem Termin wird dann noch ein Foto von euch gemacht und ihr werdet kurz mit dem Konsul über den Zweck eures Aufenthalts sprechen und dann bekommt ihr auch schon das Visum in den Reisepass geklebt.

Ankommen am Flughafen: Es ist Vorsicht geboten!

Im Flugzeug auf dem Weg nach Mexiko werden dann Zettel ausgeteilt, sogenannte FMMs. Dort sollt ihr dann eine mexikanische Adresse und den Grund des Aufenthalts angeben und Daten aus eurem Reisepass eintragen. Am Flughafen in Mexiko angekommen, müsst ihr euch dann in eine Schlange stellen und die sogenannte Migración durchlaufen. Wenn ihr als Tourist nach Mexiko einreist, wird dort in eure FMM eingetragen, dass ihr 180 Tage hier bleiben dürft. Wenn man allerdings, wie ich, ein Visum für eine temporäre Aufenthaltsgenehmigung beantragt hat, sollten die MitarbeiterInnen am Flughafen 30 Tage eintragen, denn das ist die Frist, um hier zur Einwanderungsbehörde zu gehen und die erforderlichen Dokumente abzugeben. Leider wusste ich das noch nicht, als ich angekommen bin und nach der 16-stündigen Reise wollte ich auch einfach nur noch so schnell wie möglich durch die Migración kommen. So ist es mir nicht aufgefallen, dass der Mitarbeiter am Flughafen auch 180 Tage eingetragen hat.

Zensierte Tarjeta de Residencia Temporal von mir
Das ist das Kärtchen, auf das ich so so lang warten musste! Jetzt, wo ich sie endlich habe, nutzt sie mir als eine Art Personalausweis.

Meine unzähligen Male bei der Einwanderungsbehörde

Auch wenn auf meinem Zettelchen fälschlicherweise stand, dass ich 180 Tage in Mexiko bleiben darf, bin ich nach 29 Tagen zur Einwanderungsbehörde gefahren und habe die erforderlichen Dokumente abgegeben. Vor dem ersten Mal dort musste ich allerdings auf der Website des Instituto Nacional de Migración (INM) das Online-Formular ausfüllen und die erforderlichen Daten eingeben. Je nachdem, was für einen Aufenthalt ihr hier macht, müsst ihr das entsprechende Formular ausfüllen. Dann wird ein Blatt zum Download bereitgestellt, mit dem ich zur Bank und dort erst mal gut 200 EUR bezahlen musste. Dazu braucht ihr noch eine Bestätigung, was ihr in Mexiko macht, also eine Praktikumsbestätigung, eine Bestätigung eurer Uni hier oder des FSJs. Wenn ihr euer International Office um Hilfe bittet, wird euch sicherlich auch lieb geholfen. Bei mir an der Einsatzstelle gab es leider noch wenig Erfahrung mit dem Prozess, deshalb war ich dabei ziemlich auf mich allein gestellt.

Zettelchen mit Aufschrift "INFORMES", der Nummer 13, handschriftlich dem Wort "LEON" und dem Datum 13.05.2019
In der Einwanderungsbehörde darf man eigentlich sein Telefon nicht benutzen, aber um diesen Freitag, den Dreizehnten, festzuhalten, habe ich es doch fix gezückt. An diesem Tag hatte ich tatsächlich kein Glück mit meinem Visum.

Das Warten auf meine Karte nahm fast kein Ende

Im April 2019 habe ich also alle meine Dokumente abgegeben und auch wenn meine FMM falsch ausgefüllt war, war ich erst mal erleichtert, den ersten Schritt gemacht zu haben. Einen Tag später bekam ich dann eine Mail mit den Zugangsdaten zu dem Online-Portal, wo man den Status des Prozesses einsehen kann. Mir wurde gesagt, das würde so 2-3 Wochen dauern, bis man seine Fingerabdrücke abgibt und so den nächsten Schritt macht. Nach einem Monat bin ich wieder hingestampft, um nachzufragen und wurde mit einem Hinweis auf den (im Dezember 2018 passierten) Regierungswechsel vertröstet. In den nächsten Monaten hat sich auch nichts in dem Online-Portal getan, sodass ich dann immer mal wieder zur Einwanderungsbehörde gegangen bin, bis ich im Oktober meine Ausreise im Februar erwähnt habe. Dann irgendwann (im November 2019) kam endlich die Mail mit einem Brief und dem Hinweis, ich könnte meine Fingerabdrücke abgeben. Dann musste ich noch fix meine persönlichen Daten mit Infos über Körpergröße und Gewicht und Co. ergänzen und konnte mich dann am INM noch einmal für 4 Stunden in die Schlange stellen, habe am Ende aber tatsächlich meine Fingerabdrücke abgeben können. 3 Tage später bekam ich dann eine Benachrichtigung und konnte meine so lang erwartete Aufenthaltsgenehmigung abholen.

Selfie von Student mit seiner mexikanischen Aufenthaltsgenehmigung
Inzwischen sehe ich dem Foto, das ich am Anfang für diesen Ausweis geschossen habe, gar nicht mal mehr so ähnlich.

Überlegt euch gut, ob es der Aufwand wert ist!

Im Endeffekt habe ich endlich, nach knapp 9 Monaten in Mexiko, meine Aufenthaltsgenehmigung in den Händen. Wenn ich noch mal einen Aufenthalt hier machen sollte, der länger als 6 Monate dauert, würde ich mir den Stress nicht noch ein Mal machen wollen und einfach so tun, als ob ich als Tourist einreise. Dann hat man zwar nur 180 Tage die Erlaubnis hier zu sein, kann sich aber nach fünf Monaten ein schönes Wochenende im Ausland machen und bei der Rückkehr nach Mexiko erhält man so wieder 180 Tage Aufenthaltserlaubnis. Der Hauptgrund aber ist, dass man sich die über 200 EUR und viele Stunden Stress spart, wenn man das so macht.

ABER: Es kann sein, dass eure Austauschuniversität, das Unternehmen, bei dem ihr ein Praktikum macht, oder, wie in meinem Fall, der Träger des FSJs, von euch verlangt, dass ihr ein Visum beantragt. Wenn das so ist, dann müsst ihr das wohl machen. Ich rate euch aber, es ohne Visum zu versuchen, so spart ihr euch viel Zeit und Geld.

 

Kommentare
  1. Stefanie

    29. Dezember 2019

    Hallo Leon,
    vielen Dank für die Infos. Ich bin sicher, dass diese vielen Menschen weiterhelfen werden.
    Ich war sehr überrascht, wenn nicht sogar geschockt, was deine Empfehlung, das Land für kurze Zeit zu verlassen und einfach wieder einzureisen, angeht.
    Ich weiß nicht, wie streng die Einreise bei Deutschen oder Europäern in Mexiko gehandhabt wird, aber es ist auf keinen Fall sicher, dass man ein zweites Touristenvisum bekommt. Viele Länder verlangen z.B. einen längeren Aufenthalt im Heimatland, das Vorzeigen eines sehr zeitnahen Rückflugs oder ähnliches. Des Weiteren schränken viele Länder die Migration in Bezug zu Visa-Hopping (kurze Reise von einem Land in ein anderes Land um wieder in das eine Land einreisen zu können) extrem ein und vergeben bereits dort keine Einreisegenehmigung. Ich kann nur von persönlicher Erfahrung und Erfahrungen von Freunden in Asien berichten und viele hatten dort Probleme ein zweites Touristenvisum zu erhalten. Teilweise wurde das zweite Visum sehr stark verkürzt oder sogar die Einreise verweigert!
    Es ist sehr ärgerlich, dass du so lange auf deine Aufenthaltsgenehmigung warten und so viel Zeit und Geld investieren musstest.
    Dennoch sollte man sich am besten selbst gründlich informieren, besonders was Einreiseregulierungen und der gleichen angeht.
    Liebe Grüße

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