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Wenn in Asien…

Ein Auslandssemester in Asien steht bei vielen Leuten auf der Bucket-Liste. Warum aber? Für mich ist die Antwort klar; das Reisen!

Einer der Hauptgründe, die mich dazu aufgemuntert haben, ein Auslandssemester in Taiwan zu unternehmen, war der Gedanke, dass ich von dort aus Asien kennenlernen gehen konnte. Bisher war ich schon auf den Philippinen, in Hongkong, Macau, plane eine Ski-Reise nach Japan, werde in Malaysia bergsteigen und tauchen gehen und backpacke dann durch Vietnam mit meiner Schwester. Ich habe eine ganze Weile hierfür mithilfe meines Werkstudentenjobs gespart und komme dann auch mit leeren Hosentaschen zurück nach Europa. Hiermit wollte ich nur klarstellen, dass man wirklich gut und relativ billig auch, innerhalb Asiens rumkommen kann.

Billige Flüge, und alles andere auch

Flüge von Taipei in die Philippinen bekommt man oft für unter 50€, nach Kota Kinabalu in Malaysien haben wir um die 70€ bezahlt. Nach Hongkong kamen wir hin und zurück für knapp 100 €. Ich könnte weitergehen, aber man checkt die Vibe glaube ich, oder? Eine längere Zeit im Südostasienraum gibt einem Allerlei Möglichkeiten, flexibel zu sein, um entweder sehr billig fliegen zu können oder an besonderen Zeiten zu reisen, um zum Beispiel Ereignisse wie ein Laternefestival in Thailand, die Hammerhai-Migration in Japan oder Neujahr in Taipei miterleben zu können.

Ankunft Hongkong

Man könnte ja sagen, dass man im frühen professionellen Leben, als Expat, auch die Möglichkeit hat, gut zu reisen, nur hat man dann mehrere Grössenordnungen weniger an Zeit und Energie. Selbstverständlich spielt dann die wirtschaftliche Komponente viel besser mit, als wenn man Student ist. Als Student kann man aber mehr Wert aus jedem Euro schöpfen. Man würde staunen, was Studenten alles machen, dass ihr Geld ihnen länger hält. Leih dir was von deinen Eltern aus, spare so viel wie es geht vor dem Austausch, wie ich gemacht habe. Ich kenne auch viele, die Stipendien beantragt hatten, und besonders in Taiwan, wo das Leben im Vergleich zu Deutschland um einiges billiger ist, bleibt den meisten auch genug übrig, um zu reisen.

In den meisten Ländern im asiatischen Raum ist das Leben deutlich billiger als bei uns. Wenn man Singapur und Japan umgeht, lebt man sonst wie ein Milliardär mit den wenigen Euro, die man von zu Hause mitgenommen hat. Gut, das war vielleicht ein bisschen übertrieben, was ich aber meine, ist, dass man ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis erhält, wenn man seine Reisen geschickt organisiert. Auch in den teureren Städten wie Hongkong haben wir nie mehr als 10–12 € am Tag für Essen ausgegeben. Street food is the way to go in den meisten Ländern, wenn man budget-freundlich bleiben will.

Night Market in Hongkong

Natur, Kultur, Sport, Geschichte – es gibt für jeden was!

Es ist ja schön und gut, dass es sich wirtschaftlich im Vergleich zu Europa lohnt, aber nur weil es billiger ist, sollte man aus Prinzip nicht Flüge kaufen. Reisen ist ja etwas sehr Persönliches, und das, was mir gefallen hat, muss nicht unbedingt jedem gefallen. Dem Argument kann ich jedoch sehr gut widersprechen, da es für jede Interessentengruppe zahllose Zielorte zum Entdecken gibt.

Von Viertausendern bis zu Regelwäldern gibt es für jeden was zum Wandern. Ich war schon vorher ein affiner Bergsteiger, viele Austauschstudenten haben aber hier in Tainan durch den Wanderclub eine neue Liebe für die Berge gefunden. Einige kleinere Wanderungen haben wir schon unternommen. Jetzt stehen noch mindestens zwei Expeditionen auf der Liste. Erstmal Mount Yushan, der höchste Berg Taiwans, für den man eine besondere Genehmigung braucht, und Mount Kinabalu auf der Insel Borneo. Möglicherweise besteigen wir noch den Mount Fansipan in Vietnam, wenn das Wetter es erlaubt.

Wenn wir schon über naturbezogene Aktivitäten reden, muss man noch das Meer mit einbeziehen. Ob Schnorcheln, Tauchen, Wassersport oder Islandhopping: In einem Radius von unter 1000 km liegen einige der besten Orte der Welt dafür. Wir waren schon auf Liuqiu schnorcheln, um Schildkröten zu sehen, und das war nur durch eine Busfahrt und eine Fähre zu erreichen. Später waren wir in den Philippinen, um mit den weltbekannten Thresher Sharks zu schwimmen, und wir haben noch vor, auf Malaysien zu tauchen. Es klingt teuer, und zugegeben, nicht jeder kann sich das Ganze leisten. Du wärst aber beeindruckt, mit wie wenig Budget wir diese Reise organisiert haben.

Thresher shark in Malapascua, Philippinen

Wenn eher Städte und Kultur deine sind, bist du in Asien auch gut geortet. Taipei war eine der coolsten Städte, die ich je besucht habe. Ich bin jetzt schon dreimal dort gewesen und finde immer neue Gründe, ihre Straßen besser kennenzulernen. Manila war auch ein Highlight, aber Macau und Hongkong haben mir einen neuen Weltblick gegeben. Ich würde schon sagen, dass ich in Europa gut rumgekommen bin. Ob mit meinen Eltern im Urlaub oder mit Freunden mit dem Interrail. Allerdings sind die Städte hier eine ganz andere Geschichte.

Altstadt von Manila, portugiesische Fliesen am Boden, Alte Gebäude mit modernen wolkenkratzer im Hintergrund
Ein Spaziergang durch die Altstadt Manilas

Die Grössenordnung ist erstmal total anders. In Europa kennt man gefühlt jede Stadt mit über einer Million Einwohnern, oft auch mit über 500.000. In Asien befinden sich jedoch 19 der 33 Megacities der Welt (Städte mit über 10 Millionen Einwohnern). Ich habe noch nie so viele Wolkenkratzer wie in Hongkong gesehen, und die Casinos in Macau waren zwar absolut absurd, aber zeitgleich beeindruckend. Aber es ist nicht nur diese moderne, überwältigende Dimension, die asiatische Städte so faszinierend macht. Was mich fast noch mehr beeindruckt hat, ist die unglaubliche geschichtliche Tiefe, die man dort spürt. An nur wenigen Orten auf der Welt hat sich über so lange Zeit hinweg so kontinuierlich Geschichte abgespielt wie in Asien. Ganze Dynastien in China, jahrtausendealte Handelsrouten, wechselnde Reiche und Kulturen – und das alles oft am selben Ort, auf dem heute eine hochmoderne Millionenstadt steht. Während man durch Tempel, alte Stadtviertel oder Palastanlagen läuft, merkt man, dass diese Städte nicht einfach „gewachsen“ sind, sondern über Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg geformt wurden. Genau dieser Kontrast zwischen jahrtausendealter Geschichte und radikaler Moderne macht asiatische Städte für mich so unglaublich spannend.

Hongkong vom Berg

Die Gastronomie ist oft auch Grund genug, um neue Orte kennenzulernen. Von Street Food in Manila oder Hongkong bis hin zur portugiesisch inspirierten Küche in Macau oder zu den süßen Spezialitäten in Taiwan. Essen in Asien ist einfach ein Abenteuer. Jeder Tag, selbst der langweiligste, wird sofort spannender, wenn man sich auf ein kulinarisches Experiment einlässt. Neue Obstsorten probieren, Sepia, die wir mit Einheimischen geangelt haben, ungewöhnliche Teile von Tieren oder Dinge, die man sonst nie essen würde, wie Hühnerherzen, oder Nachspeisen aus Bohnen. Es gibt wirklich alles, und genau das macht das Reisen durch Asien so intensiv. Wer Essen liebt, kann hier nicht nur satt werden, sondern auch neue Kulturen schmecken und verstehen, manchmal buchstäblich mit jedem Bissen. Mich persönlich treiben andere Sachen an als die Gastronomie: neue Orte kennenzulernen. Ich lasse mich aber gerne auf lokale Gerichte ein, wenn ich dann schon vor Ort bin.

Nur einmal so jung…

Wir alle haben schon mal das Meme gesehen, wo drei Graphen, eins für jede Lebensepoche, die Geld-, Energie- und Freizeitniveaus zeigen, die man zur Verfügung hat. Wenn man jung ist, hat man wenig Geld, aber dafür viel Zeit und Energie. Wenn man dann ins Arbeitsleben steigt, ist die Zeit plötzlich weg, nur hat man jetzt einiges an Geld und immerhin genug Energie. Wenn man dann irgendwann mal in Rente geht, hat man wieder ganz viel Freizeit und vergleichsweise viel Geld, um das Beste aus dieser Freizeit zu machen. Leider bleibt einem allzu wenig Energie, um die anderen beiden auszunutzen. Natürlich repräsentiert das nur allgemeine Tendenzen, jedoch kann man hieraus den Schluss ziehen, dass man versuchen sollte, das Beste aus der Zeit zu machen, in der man noch die Energie hat, Sachen zu machen, die später undenkbar wären. Stell dir mal deine Eltern vor: Hätten sie es in sich, nach 20 Stunden unterwegs zu sein, direkt einen Sleeperbus zu nehmen, um in der Früh anzukommen, und eine Woche mit Motorrädern durch Vietnam zu fahren? Wenn schon, krass. Bei den meisten ist das aber nicht der Fall.

Camera schaut vertikal nach oben, alles nur Wolkenkratzer, nur ein bisschen blauer Himmel
Die Wolkenkratzer Hongkongs schüchtern einen ein

Ich würde sogar argumentieren, dass das enge Budget ein großer Faktor ist, der dazu beiträgt, dass die Backpacking-Style-Reisen, die man in der Regel in seinen Zwanzigern unternimmt, so unvergesslich sind. Man erzählt selten von einem Vier-Sterne-Resort, erzählt aber viel lieber Geschichten darüber, wie man stundenlang durch den Regenwald gefahren ist, wie man mit Locals verhandelt hat, wie man lang an einer Grenze stand, ohne zu wissen, ob man durchkommt. Diese Geschichten bleiben hängen, weil sie aus purem Mut, Energie und Neugier entstanden sind, nicht aus Komfort oder Geld. Man erinnert sich daran, wie man sich in Situationen geschmissen hat, in denen alles unsicher war, aber einfach gemacht hat. Und genau das macht das Reisen jung und mit wenig Geld so unvergesslich: Man lebt Momente, die man später nicht „nachkaufen“ kann. Später, wenn man mehr Geld hat, kann man sich Hotels, Flüge oder Touren leisten, aber die ungefilterte, abenteuerliche Energie, die man in den Zwanzigern hat, ist unwiederbringlich. Wer sich traut, in dieser Phase auf alles zu springen, was sich nach Abenteuer anfühlt, wird nicht bereuen, sondern Geschichten haben, die man sein Leben lang erzählt. Die meisten bereuen eher, dass sie es nicht getan haben. Und genau für diese ‚unscripted‘ Art von Reise eignet sich Asien einfach super. Lege einfach los, und überlege später…

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