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Träumst du noch oder studierst du schon?

Träumst du noch oder studierst du schon?

Die Zeit verfliegt so schnell wie nie. Und wie die Zeit, so fliegen auch meine Gedanken. Oft sind sie überall: in der Vergangenheit, der Zukunft, nur nicht da, wo sie sein sollten: im Hier und Jetzt. Das schadet nicht nur meiner Konzentration, sondern schlägt mir oft auch ganz schön aufs Gemüt. Läuft dein Gedankenkarussell auch gerade auf Hochtouren und du kannst kaum noch abschalten? Dann lass mich dir verraten, wie wir mit etwas Achtsamkeit unseren Tagträumen Herr werden und uns so auch wieder wohler fühlen können.

Einer meiner Lieblingsorte: Der Erker in der Wohnung meines Freundes Kai.
Zum Meditieren braucht es nicht viel: Nur dich selbst und einen Ort, an dem du dich wohlfühlst. Einer meiner Lieblingsorte: der Erker in der Wohnung meines Freundes Kai.

Zur Abwechslung möchte ich etwas einbringen, womit ich mich gerade in der (remote) Uni beschäftige. Denn neben neuen Koch- und Back-Skills, Skaten und Haare schneiden, habe ich noch einiges mehr in der Corona-Zeit lernen dürfen: wie Meditation unser Gehirn verändert zum Beispiel.

Vom Tagträumen und Gedankenwandern

Oft hören wir, dass „living in the moment“, also im Hier und Jetzt zu leben, glücklich macht. Tatsächlich sind wir die Hälfte unseres Lebens aber eben nicht im Hier und Jetzt, sondern in der Vergangenheit und der Zukunft unterwegs – mental zumindest. So verbringen wir etwa 50 % unserer Zeit, in der wir wach sind, mit Gedankenwandern. Und das wiederum scheint mit Unzufriedenheit zusammenzuhängen, da wir dabei oft sehr streng mit uns selbst ins Gericht gehen und uns selbst abwerten.

Die Gedanken sind frei

Sicher kennst du es: Du sitzt gemütlich zuhause im virtuellen Seminarraum und versuchst, dem Professor oder deinen Kommilitonen zu folgen. Aber dein Blick wandert vom Bildschirm, über die Kaffeetasse in deiner Hand, durchs Zimmer und aus dem Fenster. Und deine Gedanken gleich hinterher. Vielleicht denkst du an den Streit mit deinem Partner oder deiner Partnerin am Abend oder die Tatsache, dass dein Sommerurlaub ins Wasser – oder besser gesagt in die Corona-Flut – gefallen ist. Okay und was genau hat der Professor gerade erklärt? Keine Ahnung? Genau. Das liegt daran, dass genau in diesem Moment, in dem du abgeschaltet und aus dem Fenster gesehen hast, dein „Default-Mode-Network“ aktiviert wurde.

Default-Was?

Default-Mode-Network – zu deutsch Ruhezustandsnetzwerk. So heißt das Hirnnetzwerk, das aktiv wird, wenn wir – Trommelwirbel – nichts tun. Wenn wir Tagträumen, uns über die Vergangenheit und die Zukunft sorgen und unsere wandernden Gedanken uns das Leben schwer machen. Denn Gedankenwandern scheint unser „Default Mode“ also unser Ruhe- oder Normalzustand zu sein. Kein Wunder, bei der vielen Zeit, die wir damit verbringen. So weit so gut. Was können wir nun dagegen tun?

Achtsamkeit als Gegenspieler zum Gedankenwandern

Meditieren zum Beispiel. Die neurowissenschaftliche Erforschung von Meditation und Achtsamkeit steckt zwar noch in den Kinderschuhen, in den letzten zwei Jahrzehnten ist das Forschungsinteresse aber stark gewachsen. Und es zeigt sich: Schon kurze Achtsamkeitsübungen wie zehn Minuten Meditieren oder achtsames Atmen scheinen, das Wandern unserer Gedanken reduzieren zu können.

Wie Meditation unser Gehirn verändert

Das liegt daran, dass Meditation wahrscheinlich neuroplastische Veränderungen in bestimmten Hirnregionen hervorruft, die für die (Selbst-) Aufmerksamkeit und Emotion verantwortlich sind – und somit auch im Default-Mode-Network. Sowohl bei erfahrenen Meditationspraktikern als auch bei Meditationsanfängern wird das Default-Mode-Network während der Meditation aber auch im Ruhezustand, beim Nichtstun also, weniger aktiv als bei Menschen, die nicht meditieren.

Achtsamkeit reduziert also das Gedankenwandern und führt dazu, dass wir weniger kritisch über uns selbst nachdenken und stattdessen das Hier und Jetzt bewusster und objektiver wahrnehmen. Das wiederum hat den Vorteil, dass wir weniger schlecht gelaunt oder ängstlich sind. Und uns stattdessen selbst mehr akzeptieren, positiver wahrnehmen und wohler fühlen. Schließlich macht „living in the moment“ glücklich. Das sind auch die Hauptmerkmale der Achtsamkeit, wie wir sie in nahezu allen Definitionen finden.

Außerdem zeigen empirische Studien, dass schon kurze Achtsamkeitsübungen das Gedankenwandern während dem Bearbeiten von Aufgaben, reduzieren können, die viel Aufmerksamkeit erfordern. Eine kurze Mediationspause, während dem nächsten Hausarbeiten- oder Lernmarathon könnte also unsere Konzentrations- und Leistungsfähigkeit steigern. Aber Vorsicht! Ob es wirklich eine so gute Idee ist, unseren Stress einfach „wegzumeditieren“ und wo die Tücken und möglichen Gefahren der Achtsamkeit zur Leistungsoptimierung liegen, verrate ich dir nächste Woche.

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