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Schnee, Eis, Dunkelheit: Winter am Polarkreis

Schnee, Eis, Dunkelheit: Winter am Polarkreis

Nach dem kleinen Vorgeschmack im Oktober ist der Winter endlich zurück in Rovaniemi – und zwar genau so, wie ich ihn mir vorgestellt habe. Das Wetter ist von Kälte, Schnee und Dunkelheit geprägt. Doch wie wirkt sich das auf meinen Alltag aus?

Leben am Polarkreis ist Leben in der Arktis. Rovaniemi liegt am Polarkreis und kann somit als Teil der Arktis definiert werden. Besonders jetzt, im Winter zeigt sich das sehr deutlich. Schließlich sind Schnee und Eis genau das, was wohl viele von uns mit der Arktis assoziieren. Ich persönlich liebe die kalte, frische Luft und das Knirschen unter meinen Füßen, wenn ich über die verschneiten Wege laufe. Durch die Glätte auf den Straßen steht mein Rad nun allerdings im Keller und ich gehe ausschließlich zu Fuß, wenn ich ins Stadtzentrum oder zum Supermarkt muss. Das führt dazu, dass ich mir genau überlege, ob ich wirklich in die Stadt muss und was ich dort alles erledigen will, wenn ich schon einmal da bin.

vereister Fluss und verschneite Landschaft.
Eis auf dem Fluss: Willkommen am Polarkreis!

„Hello Darkness, my old friend!“

Vor meinem Umzug nach Finnland wurde ich oft gefragt, ob ich keine Angst vor der Dunkelheit habe. Meine Antwort war immer, dass ich eher neugierig bin, ob mir das Tageslicht fehlt und wie die Dunkelheit meinen Alltag beeinflusst. Aktuell liegen zwischen Sonnenaufgang und -untergang nur noch 3,5 Stunden: Die Sonne geht um 10:20 Uhr auf und um 13:50 Uhr unter (Stand heute, 2.12.20). Das führt dazu, dass ich meinen Tag teilweise um das Tageslicht herum plane. Ein Spaziergang im Tageslicht geht also nur um die Mittagszeit, wo ich jedoch meistens in der Uni bin. Oft gehe ich dann kurz vor Sonnenaufgang spazieren und direkt im Anschluss zur Uni. Besonders „kompliziert“ ist das jedoch im Urlaub. Während unseres Kurztrips nach Ylläs, wo Skifahren und ein Spaziergang auf dem Programm standen, führte das zu „Stress“: wir haben bis 11 Uhr geschlafen und erst um 13 Uhr, 40 Minuten vor Sonnenuntergang das Haus verlassen. Es ist schade, dass man neue Umgebungen nur so kurz im Tageslicht sehen kann. Aber hier in Rovaniemi stört mich die Dunkelheit nicht wirklich, da ich mich abends oft mit meinen engsten Freunden treffe und die Abende so schnell vergehen. Da die Fallzahlen hier vergleichsweise gering sind, haben Bars und Restaurants noch geöffnet. Mehr Infos zur aktuellen Corona-Situation in Finnland findet ihr hier.

Lebensrettende Winter-Accessoires

Meine Outdoor-Kollektion wurde nun um sehr kleine, aber wichtige Accessoires erweitert: Reflektoren. Was ich bisher nur von Schulrucksäcken kannte, sieht man hier an jeder Tasche und jeder Jacke. Die silber-reflektierenden Anhänger gibt es in verschiedenen Formen in nahezu jedem Geschäft zu kaufen. Außerdem gibt es auch reflektierende Westen und Bänder, die man um Hand- und Fußgelenke tragen kann. So wird man im Scheinwerferlicht der Autos gut gesehen, was lebensgefährliche Zusammenstöße verhindern kann. Hier in Rovaniemi habe ich noch niemanden ohne Reflektoren gesehen – sogar Hunde haben reflektierende und/oder blinkende Geschirre und Halsbänder.

Reflektoren an Handgelenk, Jacke und Rucksack.
Ich habe an jeder Jacke und Tasche mindestens einen Reflektor.

Es wäre gelogen zu sagen, dass der Wintereinbruch meinen Alltag nicht einschränkt. Ich empfinde meinen Winter-Alltag jedoch nicht als Einschränkung, sondern als spannende Veränderung meines Lebens hier am Polarkreis. Wenn ich morgens das Haus verlasse und in der frischen kalten Winterluft im Schnee stehe, weiß ich wieder genau, weshalb ich hier her ziehen wollte.

 

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