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Das ist anders in kanadischen Krankenhäusern


Heute musste ich mich zum ersten Mal in Behandlung in ein kanadisches Krankenhaus begeben. Dabei sind mir viele Unterschiede zu deutschen Krankenhäusern aufgefallen.

Was ist passiert?

Letzte Woche bin ich bei meinem Wanderausflug gestürzt und umgeknickt. Obwohl ich zeitweise sehr starke Schmerzen hatte, bin ich nach dem Prinzip „solange ich keine Diagnose habe, bin ich auch nicht krank“ nicht zum Arzt gegangen, was im Nachhinein definitiv intelligenter gewesen wäre. Ich wollte jedoch nicht wegen einer Lappalie ins Krankenhaus und schon gar nicht hören, dass etwas nicht in Ordnung ist. Also habe ich mir Verbandszeug gekauft und gehofft, dass es schnell besser wird.

Fuß gekühlt mit Colaflasche
Die medizinische Versorgung meines Mitbewohners sah so aus.

Der Fuß tat immer mehr weh

Da die Verletzung über das Wochenende deutlich schlimmer wurde, hatte ich keine andere Wahl, als nun endlich ein Krankenhaus aufzusuchen. In Kingston gibt es zwei Krankenhäuser. Nachdem ich mich bei Bekannten erkundigt hatte, entschied ich mich für das kleinere in der Stadtmitte, da meine Verletzung keinen Notfall darstellt und ich dort schneller behandelt werde.

Im Krankenhaus angekommen begann das endlose Warten

Flur mit Stühlen
Krankenhausflur

Als ich die Notaufnahme betrat, war ich zuerst verwirrt. Muss ich mich irgendwo anmelden? Gibt es eine Reihenfolge? Überall saßen kreuz und quer Menschen in einem Warteraum verteilt. Auf meinen ratlosen Blick erklärte mir ein Herr das System (wer zuerst kommt, mahlt zuerst, außer jemand stirbt gerade, dann darf er vor) und gab jedem Neuankömmling eine Nummer. Er selbst war wohlgemerkt ebenfalls Patient. Nach einer Stunde Wartezeit durfte ich zur Empfangskrankenschwester. Diese wollte zuerst meine Versicherungskarte sehen. In meinem RISE-Stipendium ist eine Krankenversicherung mit inbegriffen. Allerdings muss man für Behandlungen in den USA oder Kanada in Vorleistung treten. Für Kanadier ist die Behandlung kostenlos. Ich hingegen musste 150$ zahlen, nur um den Arzt überhaupt sehen zu dürfen und eine Krankenhausgebühr von 670$, da ich keine kanadische Staatsbürgerin bin. Ich hatte jedoch keine Zeit angesichts der horrenden Summe in Ohnmacht zu fallen, da mir die Krankenschwester ohne Vorwarnung ein Thermometer in den Mund stopfte sowie ein Pulsoxymeter und ein Blutdruckmessgerät anschloss. Dann wurde ich in Wartebereich Nummer zwei geschickt.

Noch mehr Warten…

Der zweite Wartebereich glich dem ersten, nur war er noch voller. Hier wurde man außerdem aufgefordert, die 150$ zu bezahlen und eine Einzugsermächtigung für alle restlichen noch anfallenden Kosten plus der Krankenhausgebühr auszustellen. Der nächste Rückschlag war, dass meine Kreditkarte nicht funktionierte. Kurz bevor ich einer zweiten Panikattacke erlag, fand die zuständige Mitarbeiterin eine andere Möglichkeit, die Karte zu nutzen und ich konnte die Gebühr bezahlen. Von da an ging es zurück in den Warteraum. Das Klima dort war ganz anders, als ich es von Kanada bisher gewohnt war. Ständig stöhnte jemand genervt oder missbilligte es, wenn ein kleines Kind lachte und spielte. Diese Anspannung trug nicht gerade zu meiner Entspannung bei. Auch die Tatsache, dass ich als einzige ohne unterstützende Begleitung dort war, gab mir ein mulmiges Gefühl.

Aller guten Dinge sind drei

Nach weiteren zwei Stunden wurde ich in Wartebereich Nummer drei gerufen. Dieser war ein Flur, der als Gruppensprechzimmer diente. Der Arzt kam nach und nach zu den Patienten und führte die Anamnese gut hörbar für alle anderen Anwesenden durch. So erfuhr ich, dass die beiden Patienten vor mir ebenfalls vermeintlich gebrochene Knöchel haben. Die Untersuchung fand ebenfalls in dem Flur statt. So konnte ich sehen, welche Kriterien für welche Diagnose eine Rolle spielen und mich auf meine bevorstehende Untersuchung freuen („Bitte, bitte, mach das nicht auch mit meinem Fuß. Autsch, das sieht übel aus.“). Nach einer weiteren Stunde war der freundliche Arzt endlich bei mir angelangt. Er führte verschiedene Untersuchungen durch und stellte eine Diagnose. Dann wurde ich entlassen. Das war definitiv der beste Moment am ganzen Tag. Auf die ganzen neuen Eindrücke habe ich mir dann erstmal eine Pizza gegönnt. Falls ich jetzt noch einmal in Kanada ins Krankenhaus komme, weiß ich nun, was auf mich zukommt (trotzdem hoffe ich, es bleibt dabei!).

 

 

Kommentare
  1. Su

    14. April 2018

    Hi Melina,
    danke für Deinen Bericht – dieser hat mir schon mal geholfen und ich weiß nun was mich mehr oder weniger erwarten könnte.

    Grüße aus Toronto,
    Su

  2. etana

    6. November 2017

    Die Leute bei uns in Deutschland wissen nicht, was sie an unserem Gesundheitssytem haben, welches sicher nicht Patienten-, sondern allenfalls Ärzte -feindlich ausgerichtet ist( …die Mediziner müssen Regresse und solchen Mist bezahlen!)

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