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Mein Weg ins Auslandspraktikum: Durch den Bürokratie-Dschungel zum Visum

Mein Weg ins Auslandspraktikum: Durch den Bürokratie-Dschungel zum Visum

Ein Auslandssemester plant sich nicht von allein, insbesondere wenn man als Freemover unterwegs ist. Obwohl mir die Planung unglaublich viel Spaß bereitet hat und die Vorfreude mit jeder Woche stieg, gab es einige Dinge, die ich rückblickend gerne früher gewusst hätte. In dieser Reihe berichte ich euch in mehreren Blogbeiträgen von meinen Erfahrungen und hoffe, damit dem ein oder anderen die Planung für das eigene Auslandssemester in Singapur ein wenig zu erleichtern. Wie ich meinen Praktikumsplatz in Singapur gefunden habe, habe ich im letzten Beitrag beschrieben.

Für ein Visum bewerben

Als nächstes galt es also, sich um ein Visum zu kümmern, was sich als der schwierigste Teil des Planungsprozesses herausstellte. Von Daimler wurde ich auf die Webseite des Ministry of Manpower von Singapur verwiesen. Hier findet man eine übersichtliche Auflistung der verschiedenen Visa und kann sich online bewerben. Für mich als deutsche Studentin kam nur ein Work Holiday Pass (WHP) in Frage. Mit diesem Visum darf man innerhalb von sechs Monaten beliebig viele Jobs annehmen und die Aus- und Wiedereinreise ist nicht beschränkt. Das Visum eignet sich also bestens, wenn man nicht nur arbeiten, sondern auch andere südostasiatische Länder besuchen möchte.
Eine Einschränkung gibt es hier allerdings: Der WHP wird nur für Studierende zwischen 18 und 25 Jahren ausgestellt, die in Australien, Frankreich, Deutschland, Hong Kong, Japan, Neuseeland, Großbritannien, der Schweiz oder in den USA studieren. Zudem werden zu jedem Zeitpunkt nur 2.000 dieser Pässe vergeben und die Universität oder Hochschule, an der man eingeschrieben ist, muss von der Regierung des Landes anerkannt sein. Soweit so gut. Allerdings kursieren im Internet verschiedene Hochschulrankings und Listen, laut derer nur Studierende von Eliteuniversitäten für den WHP zugelassen werden, weshalb für mich zunächst ziemlich unklar war, ob ich ein Visum bekommen würde, da sich die Hochschule der Medien in keinem dieser Rankings befand.

Ich bewarb mich trotz Zweifeln also im August 2017 für einen Work Holiday Pass und bekam wider Erwartens nach drei Wochen eine Zusage. Man merke: Hochschulrankings stehen nicht umsonst ab und zu in der Kritik sehr ungenau zu sein. In der Zusage enthalten: Der sogenannte In-principle Approval Letter (IPA). Dieser Brief berechtigt dazu, in Singapur einzureisen, wo er vor Ort gegen einen WHP eingetauscht werden kann. Der IPA ist allerdings nur drei Monate gültig und muss zwingend vor seinem Verfallsdatum gegen den physischen WHP eingetauscht werden, wovon ich vor meiner Bewerbung nichts wusste. Zu früh gefreut. Also hieß es für mich erstmal weiter abwarten. Erst im Dezember 2017, als der erste IPA schon verfallen war, konnte ich mich erneut um einen WHP bewerben und bekam glücklicherweise erneut eine Zusage.

Das Bild zeigt einen Auszug eines Briefes in englischer Sprache
Auszug des In-Principle Approval Letters (IPA)

Bei der Einreise nach Singapur bekommt man zunächst ein simples Touristenvisum, das zu einem Aufenthalt von bis zu 30 Tagen befähigt. Online oder mit Hilfe einer Agentur, muss schließlich ein Termin mit dem Employment Pass Services Center (EPSC) vereinbart werden, konkrete Informationen hierzu sind im IPA enthalten. In einem persönlichen Gespräch mit einem Mitarbeiter des EPSC werden alle Daten abgeglichen, die Ausreise aus Singapur besprochen und ein Passbild gemacht. Gegen eine Gebühr von 180 Singapur-Dollar (ca. 110 Euro) bekommt man einen vorläufigen Pass in Form eines simplen Briefs, der die Aus- und Einreise aus Singapur ermöglicht. Vier bis fünf Werktage später bekommt man schließlich seinen WHP im Kreditkartenformat ausgehändigt.

Insgesamt empfand ich den gesamten Prozess als ziemlich undurchsichtig und hatte nicht alle Informationen, die ich mir vor der Bewerbung gewünscht hätte. Auch die restriktive Vergabe des WHP sehe ich kritisch, da leider nicht von einer Chancengleichheit für alle gesprochen werden kann. Selbstverständlich versucht der Stadtstaat, junge, talentierte Arbeitskräfte anzuwerben und muss dabei aufgrund der begrenzten Landmasse gleichzeitig auf die Bevölkerungszahl achten. Warum aber ausgerechnet die oben genannten Nationen bevorzugt behandelt werden, erschließt sich mir leider nicht.

Kommentare
  1. Yannick

    1. Juli 2019

    Hallo Marlene,
    Bei der Beantragung des Visums gibt es ja ein Feld „Local Mobil Number“, welches ausgefüllt werden muss und in dem die Vorwahl aus Singapur (+65) schon vorgemerkt ist. Wie soll man dieses Feld ausfüllen, wenn man das Visum aus Deutschland beantragt und somit noch keine neue Simkarte hat? Die Eingabe der deutschen Handynr. ist nicht möglich da alle Nummern in Singapur wohl 2 Ziffern weniger haben.
    Viele Grüße,
    Yannick

    1. Marlene

      4. Juli 2019

      Hi Yannick,
      soweit ich mich erinnere, muss das Feld online nicht ausgefüllt werden, in dem Fall würde ich es einfach freilassen. Spätestens bei deinem Termin mit dem Ministry of Manpower musst du deine Telefonnummer allerdings angeben – zu dem Zeitpunkt wirst du wahrscheinlich eine lokale Simkarte haben. Wenn du das Feld tatsächlich schon bei der Bewerbung online ausfüllen musst, würde ich dir empfehlen, dich direkt an das MOM zu wenden und dort nachzufragen: https://www.mom.gov.sg/contact-us
      Liebe Grüße,
      Marlene 🙂

  2. Kris

    31. Mai 2019

    Hi Marlene,
    Ich habe mich letztens auf ein WHP beworben und die Antwort zu früh bekommen (Hab damit gerechnet, dass es 3 Wochen dauert). Das Visum würde jetzt zu früh beginnen und ich wäre zu dem Zeitpunkt noch nicht im Land. Kann ich diese 3 Monatsfrist nach hinten verschieben oder sogar einen neuen WHP beantragen, der erst später beginnt?
    LG Kris

    1. Marlene

      3. Juni 2019

      Hi Kris,
      genau der selbe Fall ist damals bei mir eingetreten. Mir wurde auf Nachfrage beim MOM geraten, mich erneut für einen neuen WHP zu bewerben und den ersten IPA quasi „verfallen“ zu lassen. Das war allerdings vor knapp eineinhalb Jahren, deshalb schadet es in deinem Fall sicher nicht, nochmal nachzufragen! Ich wünsche dir eine schöne Zeit in Singapur:-)
      Liebe Grüße
      Marlene

  3. Katharina

    20. Juli 2018

    Hallo Marlene,
    vielen Dank für deinen Beitrag. Hat mir echt geholfen!
    Ich habe wie du eine Zusage zu einem 6-monatigen Praktikum in Singapur erhalten und bin gerade dabei mich für den WHP zu bewerben.
    Auf der Webseite von MOM habe ich gelesen dass das Maximum an Visa Kapazitäten (2000 Plätze) erreicht ist. War das bei dir auch so? Denkst du ich habe trotzdem eine Chance ein Visum zu bekommen?
    Danke schon einmal für deine Antwort.
    Viele Grüße
    Katharina

    1. Marlene Moser

      23. Juli 2018

      Liebe Katharina,
      freut mich, wenn ich ein bisschen Licht ins Dunkel bringen konnte! Als ich mich beworben habe, war die Kapazität noch nicht erreicht, dementsprechend gab es auch keinen solchen Hinweis auf der Webseite. Allerdings kam es in den letzten Wochen auch bei Daimler häufiger vor, dass Praktikanten, die schon eine Zusage vom Arbeitgeber hatten vom MOM aufgrund der Obergrenze abgelehnt wurden. Lass dich davon aber nicht entmutigen, denn die Anzahl an ausgestellten WHP aendert sich ja sehr schnell. Es schadet auf keinen Fall, sich trotzdem zu bewerben, auch wenn es unter Umständen mehrere Anläufe braucht. Ich drücke dir die Daumen, dass du das Visum bekommst!
      Liebe Grüße,
      Marlene

Antwort an Katharina

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