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Der bisher dunkelste Tag meiner Zeit in Kasachstan


Der 9. Januar war eigentlich ein sehr schöner Tag. Ich hatte Ferien, ich war Snowboarden, das Wetter war super und die Pisten fast leer, weil die Neujahrsferien gerade vorbei sind. Erschöpft und entspannt von der wunderbaren Bergluft und ohne jede Eile, entscheide ich mich, statt für ein Taxi, für den Bus nach Hause. Ein fataler Fehler, wie sich herausstellen sollte.

Als ich einsteige, ist der Bus bereits voll. Während wir weiterfahren, füllt er sich weiter. In Kasachstan gibt es keine Grenze, wie viele Leute sich zur Rushhour in einen Bus zwängen dürfen. Jeder, dem es gelingt sich durch die Tür zu quetschen, wird gnadenlos mitgenommen. Da ich die vom Buspersonal geschrienen Haltestellenansagen eigentlich nie verstehe und der Blick zum Fenster von Menschen versperrt ist, verfolge ich die Route mit 2GIS auf meinem Handy. Nur so weiß ich, wann ich anfangen muss, mir meinen Weg zum Ausstieg zu bahnen.

Als die Haltestelle naht, stecke ich mein Handy in die Manteltasche und beginne, mich durchs Gedränge zu schieben. Statt Worten benutze ich flehende Blicke und gefühlvolle Schubser, um voran zu kommen. In Sichtweite zur Tür signalisiere ich der Ticketverkäuferin, dass ich aussteigen möchte. Ich bin nicht sicher, ob sie Einfluss darauf hat, an welchen Haltestellen der Bus stoppt, aber alle Leute machen das so – ich also auch. Mit einem stummen Nicken auf ihre Frage „Steigen Sie hier aus?“ – eine Frage, die auf Russisch nur ein Wort umfasst – „Выходите?“ ist auch das geklärt.

Auf der Straße angekommen, genieße ich eine halbe Sekunde lang, dass die mich umgebenden Menschen angenehm weit von meinem Körper entfernt stehen. Dann stelle ich fest, was beim Aussteigen gerade noch passiert ist: Ich greife in meine Manteltasche, nach meinem Handy. Ich will im Heimlaufen ein paar Nachrichten mit Bildern vom Snowboarden verschicken. Aber mein Handy ist weg. Ohne, dass ich es auch nur unterbewusst mitbekommen hätte, wurde es mir aus der Manteltasche gestohlen. Keine Kunst eigentlich in diesem Gedränge, in dem ich unmöglich jede Berührung registrieren kann, und alle Aufmerksamkeit fokussieren muss, um es ohne zu Stolpern oder jemanden zu treten auf den Gehweg zu schaffen.

Skipiste in Kasachstan
Das ist das letzte Foto meines geliebten Handys. Ich kann es hier posten, weil ich es direkt von der Piste an einen Freund verschickt hatte – und er es mir jetzt wieder zurückgeschickt hat.

Die nächsten Stunden verbringe ich damit, mich über meine Leichtsinnigkeit zu ärgern. Über meine Unaufmerksamkeit. Über meine Naivität. Und ich höre die Stimme meines DAAD-Kollegen in meinem Kopf. Er hatte mich vor einigen Wochen, als wir zusammen Bus fuhren, gewarnt: „Dem letzten Sprachassistenten wurde in so einem Bus die Kamera aus dem Rucksack geklaut. Pass auf!“ Seine Worte klingen jetzt wie eine dunkle Prophezeiung des Sprachassistent_innen-Pechs in Almaty.

Ab jetzt werde ich auch alle Leute vor diesen Bussen warnen. Die Tickets sind zwar supergünstig, 80 Tenge – 20 Cent, aber wenn ich das verlorene Smartphone einrechne, wäre für den Rest meiner Sprachassistenz Taxifahren günstiger gewesen.

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