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Im Master das erste Mal ins Ausland: Lohnt sich das noch?

Im Master das erste Mal ins Ausland: Lohnt sich das noch?

Ich saß vor Tagen mit anderen Internationals in Kampala zusammen. Dabei fiel mir auf, wie viel Auslandserfahrung die anderen, teilweise deutlich jüngeren Gesprächspartner schon gesammelt hatten. Und ich? Erst kurz vor Ende meines Studiums bin ich das erste Mal für längere Zeit in einem anderen Land. Lohnt sich das dann überhaupt noch?

Warum war ich noch nicht im Ausland?

Es gibt eine ganze Menge guter Gründe für einen Auslandsaufenthalt – es gibt aber auch einige dagegen. In meinem Bachelorstudium war etwa ein Semester an einer anderen Universität nur mit großem Aufwand möglich. Entweder musste man viele Kurse vorziehen oder ein Semester länger studieren. Aufgrund der sehr kurzen Semesterferien wurde auch ein Praktikum fernab von Deutschland eher zur Ausnahme als zur Regel. Der große Notendruck des Psychologie-Studiums tat sein übriges, und so war ich eher daran interessiert, meinen Bachelor so schnell wie möglich abzuschließen, als noch einige Zeit im Ausland zu verbringen. Im Master wurden die Karten zum Glück noch einmal neu gemischt. Deswegen hat sich für mich im achten Semester die Gelegenheit ergeben, noch einmal außerhalb der Landesgrenzen ins Praktikum zu gehen. Aber ist das eigentlich nicht schon zu spät?

Jeder in seinem Tempo

Ich glaube, dass es ein schlechter Grund ist, nur ins Ausland zu gehen, weil es alle anderen tun. Es fällt schwer, aber auch im Master sollte man sich nicht durch den Vergleich mit Kommilitonen unter Druck setzen lassen. Wenn man aber aus anderen Gründen einen Tapetenwechsel auf begrenzte Zeit anstrebt, dann stehen einem natürlich auch in höheren Semestern die Türen offen. Für Stipendien wie etwa PROMOS und ERASMUS ist es keinesfalls eine Voraussetzung, schon im Bachelor das Land verlassen zu haben. Die Austauschplätze der Heimatuniversität stehen einem zur Verfügung, auch wenn es teilweise andere Kontingente gibt als für die unteren Semester. Es ist dir also absolut möglich, in deinem eigenen Tempo den Auslandsaufenthalt zu planen.

Der Vorteil der Förderung

Warum eignet sich der Master aus meiner Sicht besonders für einen Auslandsaufenthalt? Wie ich erwähnt habe, bringt man mit fortschreitendem Studium auch eine deutlich größere Expertise mit. Das minimiert die Chance, dass man seine Zeit mit Kaffee kochen und Exceltabellen tippen verbringen wird. Einige meiner Kolleginnen und Kollegen arbeiten ganz regulär mit einem Bachelorabschluss in unserer Forschungsgruppe – mit meinem abgeschlossenen Grundstudium werde ich deswegen nicht als Praktikantin, sondern als eine Fachkundige in meinem Studienfach angesehen.

Des Weiteren lerne ich, meine gelernten Inhalte aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Eine wertvolle Erfahrung für mich, gerade kurz vor dem Abschluss. Auf diese Weise kann ich besser darüber reflektieren, welches Wissen und welche Fähigkeiten mir noch fehlen, um in meinem angestrebten Berufsfeld zu arbeiten. Neben diesen Vorteilen hat man natürlich noch ein großes Ass im Ärmel: Man ist immer noch Student. Die studentischen Fördermöglichkeiten stehen einem offen, genauso wie einige vorlesungsfreie Monate am Stück, die man mit etwas Glück durch die Semesterferien zur Verfügung hat.

Es ist wirklich nicht zu spät

Wenn dir also von Bekannten erzählt wird, dass es sich auf der Zielgraden des Studiums nicht mehr lohnt ins Ausland zu gehen: Glaub‘ denen kein Wort. Eine Zeit in einem anderen Land zu verbringen lohnt sich immer, und ein „zu spät“ gibt es nicht. Ich persönlich kann nach einem Drittel meines Praktikums sagen, dass ich meine Entscheidung für meinen Aufenthalt in Uganda keine Sekunde bereue und schon jetzt viele Erkenntnisse mitnehmen darf. Allein: Wann genau der richtige Zeitpunkt für einen Tapetenwechsel für dich ist, bestimmst nur du. Ob dieser im Bachelor, im Master oder zu einem ganz anderen Zeitpunkt liegt, ist ausschließlich deine eigene Entscheidung.
PS: Kennst du eigentlich die Förderprogramme für Doktoranden vom DAAD?

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