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Campen in Kanada – anders als geplant

Campen in Kanada – anders als geplant

Ein Wochenende abseits von der Stadt, im Wald, ohne Mobilfunknetz und einfach mal entspannen. So war zumindest der Plan. Mit etwas Abstand erzähle ich hier von unserem ersten Campingtrip in die Weiten Kanadas. Spoiler: Ganz so entspannt war es nicht.

Lukas, mein Verlobter, und ich haben uns in Kanada ein Auto gekauft. Mit dem wollen wir das Land sehen, auch längere Roadtrips machen und vor allem auch im Auto campen. Wir waren damit schon auf Vancouver Island. Beim ersten Trip ins Landesinnere ist dann leider einiges schiefgegangen.

Abseits der Küste

Die Vorbereitungen liefen ohne Probleme. Wir hatten eine Matratze gekauft, die Campingausrüstung war zum Großteil vorhanden und auch das Bear Spray für Wanderungen stand schon bereit.

Voller Vorfreude machten wir uns am letzten Juniwochenende auf den Weg. Es sollte das erste warme und sommerliche Wochenende des Jahres werden. Nachdem wir morgens noch arbeiten mussten machten wir uns mittags auf den Weg zum Wahleach Lake. Auf etwa 600 Meter Höhe ist es ein ruhiger See mitten in den Bergen. Er kann er nur über die Jones Lake Forest Service Road (FSR) erreicht werden.

See im Gegenlicht zwischen Bergen, die als dunkle Schatten erkennbar sind. In dem See spiegelt sich der Sonnenuntergang
Der ruhige Wahleach Lake in den Bergen war trotz allem eine malerische Kulisse

Wir kamen um etwa acht Uhr abends an der Forest Service Road an und hatten zu Beginn auch keinerlei Probleme. Unser Ziel war ein Platz am Ende des Sees, also fuhren wir Kilometer um Kilometer am See entlang. Der See selbst ist erst nach etwa neun Kilometern auf der FSR erreicht. Nach etwa zwei Kilometern am See entlang hörten wir ein Krachen. “Ich glaube wir haben was verloren” hörte ich von Lukas.

Festgesetzt im Nirgendwo

Wir hatten tatsächlich was verloren, den Unterboden und Öl. Ein Stein in der Straße, der fest saß und spitz war, hatte ein Loch in die Ölwanne gerissen. Schnell suchten wir uns einen Platz, auf dem wir die Nacht verbringen konnten. Ohne Netz und elf Kilometer von der nächsten Straße entfernt war es nicht mehr möglich noch am selben Tag wieder in eine Gegend mit Handyempfang zu kommen. Mit Hilfe von vielen anderen Campern schafften wir es, das Auto an den Straßenrand zu manövrieren. Einer der Helfer, Ali, bot uns an mit seiner Gruppe am Lagerfeuer den Abend zu verbringen und dann am nächsten Morgen mit ihm ins Tal und in das nächste Mobilfunknetz zu fahren. 

So standen wir also um 10 Uhr am nächsten Morgen neben dem Trans-Canada Highway, nur mit unseren Campingstühlen und Rucksäcken, und kontaktierten BCAA, das kanadische Equivalent zum ADAC. Der Standort des Autos und alle weiteren Details wurden aufgenommen. Es ergaben sich aber zwei Probleme.

  • Das Abschleppfahrzeug würde nur den Fahrer (Lukas) mitnehmen.
  • Lukas sollte beim Auto bleiben.

Beim Auto war aber kein Netz. Sollte es Probleme geben würde Lukas also nichts mitbekommen und wäre im Zweifel noch eine Nacht auf dem Berg. Es gab nur eine angepeilte Ankunftszeit in etwa vier Stunden. 

Per Anhalter nach Chilliwack

Wir machten uns wieder auf den Weg auf den Berg. Nach etwa einem Kilometer tauchte ein Abschleppdienst hinter uns in der Kurve auf und verschwand prompt wieder. Ein Anruf bei BCAA versicherte uns, dass ein Abschleppwagen kommen würde, jedoch musste ein Allradantrieb her. Gleichzeitig hielt eines der herunterfahrenden Autos an und fragte, warum wir auf dem Waldweg laufen würden. Die Fahrerin bot uns an, uns wieder auf den Berg zu bringen oder uns anderweitig zu helfen. Ich entschied also kurzerhand, mit Natasha und Tara, ihrer Tochter, nach Chilliwack zu fahren. Dieses war die nächste Stadt und das Ziel der beiden, die das Wochenende auch am See verbracht hatten.

Bushaltestelle vor blauem Himmel.
Im Gewerbegebiet von Chilliwack konnte ich von meiner Mitfahrgelegenheit in öffentlichen Nahverkehr umsteigen.

Schnell verabschiedete ich mich von Lukas und stieg hinten in den Pick-up Truck. Ab Chilliwack konnte ich in Bussen und Skytrain bis nach Hause kommen. In Vancouver angekommen musste ich nur noch auf den Bus zum Universitätscampus warten. Seitdem ich das letzte Mal von Lukas gehört hatte waren schon einige Stunden vergangen. Nach der geschätzten Ankunftszeit hätte er etwa zu diesem Zeitpunkt wieder im Tal sein müssen, also fragte ich bei BCAA nach. Diese teilten mir mit, dass der Abschleppwagen gerade bei Kilometer eins der FSR waren, etwa dort, wo ich mich von Lukas verabschiedet hatte. Angespannt wartete ich auf eine Nachricht.

Erfahrungen, die ich missen will

Diese kam 40 Minuten später. Lukas war wieder ins Tal gewandert ohne den Abschleppwagen zu treffen als die Wartezeit um war. Zum Glück konnte er den Fahrer auf dem Weg nach unten antreffen und noch einmal mit ihm zum See, um das Auto abzuholen. Nach einem sehr langen Tag konnte ich ihn bei der Werkstatt treffen.

Momentan warten wir noch auf Rückmeldung von der Versicherung, wie der Schaden beurteilt wird. Je nach Einschätzung der Kosten wird das Auto dann repariert. Die Erfahrung ist keine, die ich wiederholen will. Dennoch bin ich dankbar, so viele hilfsbereite und freundliche Menschen getroffen zu haben. Ohne die Bereitschaft anderer, uns auf alle möglichen Arten zu unterstützen, hätten wir es wohl nicht einfach geschafft nach Vancouver zurück zu kommen.

Für die nächste Zeit verbringe ich meine Zeit mehr am Campus, und dann vielleicht wieder unterwegs, wenn das Auto in Ordnung ist.

Cheers, Ronja

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