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Klettern, Kellnern, Kokosnüsse: 1 Monat Reisen in Indien

Klettern, Kellnern, Kokosnüsse: 1 Monat Reisen in Indien

Dass ausgiebiges Reisen zu meiner Zeit in Indien dazugehören würde, war für mich von Anfang an klar – und tatsächlich auch einer der Gründe, in dieses mir zuvor vollkommen unbekannte Land aufzubrechen. Nahezu den gesamten Oktober war ich deshalb unterwegs durch das „Land der Vielfalt“. Und was soll ich sagen, ich habe selten so viel erlebt – inklusive Himalaya-Gipfeln, einem rekordverdächtigen Slum und jeder Menge guten Essens.

Es ist nun gut einen Monat her, dass ich mich das letzte Mal mit einem Blogeintrag aus Indien gemeldet habe. Und meine Ausrede für diese Funkstille ist denkbar einfach: Ich war im Urlaub, also so mehr oder weniger. Denn den gesamten Oktober über habe ich zwar weiterhin studiert und munter Essays geschrieben, Mid-Term-Reports fertiggestellt und an sonstigen Projekten für mein Semester am IIMC gearbeitet – aber meine Abgaben kamen aus so illustren Gegenden wie Sikkim oder Mumbai. Und ehrlich gesagt: Auf meinen Reisen habe ich wahrscheinlich mindestens genauso viel gelernt wie im bisherigen Semester hier an der Universität – wobei mir das bei der Anrechnung meiner Leistungen an meiner Heimatuniversität in Köln bestimmt wieder niemand glauben möchte.

Erstes Ziel: Andaman Islands, die Inselgruppe im Indischen Ozean

Unser erstes Ziel waren die Andamanen, eine etwa 1.250 Kilometer südöstlich von Kolkata gelegene Inselgruppe im Indischen Ozean. Nach unserer Landung in Port Blair, ihrem Hauptort und Verkehrsknotenpunkt, machten wir uns nach kurzer Zeit per Fähre in Richtung Havelock auf. Als eine der größten Inseln gilt Havelock als wahres Touristenparadies – insbesondere lockt sie mit ihrem Ruf als Tauch- und Schnorchelhotspot und mit einer Vielzahl atemberaubender Strände. Und was soll ich sagen? Insbesondere in puncto Strände wurden wir auf unseren Streifzügen über die Insel definitiv nicht enttäuscht. Mein persönliches Highlight dabei: Long Beach, wo wir einen Großteil des Tages damit verbracht haben, Kokosnüsse zu knacken und frisch zu verzehren – sehr lecker! Aber auch ansonsten haben die Andamanen kulinarisch einiges zu bieten – insbesondere für Meeresfrüchte sind die Inseln auch in ganz Asien bekannt.

Zweites Ziel: Wanderroute im östlichen Himalaya in Sikkim

Allem, was wir in der vorangegangenen Woche so genossen hatten, mussten wir auf der nächsten Etappe vollkommen entsagen. In Sikkim, dem bevölkerungstechnisch kleinsten und gleichzeitig flächenmäßig zweitkleinsten Staat Indiens, absolvierten wir innerhalb von sechs Tagen den Dzongri-Goechala-Trek. Seinen Namen bezieht diese Wanderroute im östlichen Himalaya von zwei Gipfeln, die wir unterwegs ebenfalls erklommen haben: Dzongri, von welchem wir einen atemberaubenden Sonnenaufgang genießen durften, und Goechala, dessen etwa 5000 Meter Höhe nach einer wilden Mischung aus Wandern und Klettern nicht nur mit ganz schönen Minusgraden auf uns warteten, sondern der nun auch der höchste Gipfel ist, den ich je erklommen habe. Die Tour, auf welche ich mich schon seit Langem gefreut hatte, war definitiv eines der Highlights im Oktober!

Im Gegensatz zum wirklich großartigen Trek an sich sollte man das Drumherum unterwegs aber wohl am ehesten unter „Teil des Abenteuers“ verbuchen – insbesondere von den spartanischen und oft eiskalten Unterkünften, die am ehesten noch der Bezeichnung „Wetterschutzhütte“ gerecht werden, waren selbst unsere indischen Mitreisenden oft erstaunt. Und auch die Verpflegung war (verständlicherweise) eher eingeschränkt. Dennoch ein heißer Tipp aus der nordindischen Küche: Momos, eine Art südasiatischer Teigtaschen, die insbesondere in der Himalaya-Region verbreitet sind und die man sich nicht entgehen lassen sollte!

Drittes Ziel: Strand- und Partyparadies Goa

Nach einer einwöchigen Rückkehr zum Campus in Kolkata ging es dann auch schon wieder weiter – dieses Mal für einen einwöchigen Städtetrip. Erster Halt war dabei Goa, das sich bis heute seinen Ruf als Strand- und Party-Paradies erhalten hat. Ich persönlich fand an der Stadt vor allem eins spannend: Aufgrund seiner kolonialen Vergangenheit finden sich in Goa ganze Stadtviertel, die ebenso in Lissabon oder Porto stehen könnten und ausgiebige Erkundungstouren mehr als wert sind. Und auch ein weiterer internationaler Einfluss kam uns zu Gute: Mehr oder weniger durch Zufall sind wir auf dem „Goa Oktoberfest 2018“ gelandet, das mit Auftritten von Rockcoverbands wie A26 und Headliner Sean Kingston zwar so gut wie nichts mit dem Münchner Original zu tun hatte, aber dennoch für eine ähnlich bombastische Stimmung sorgte.

Just als ich dachte, dass das wohl das Highlight unseres Goa-Aufenthalts bleiben würde, kam’s dann aber noch besser: Nachdem ich mehrere Tage lang verzweifelt in Geschäften und auf Märkten nach einem Hemd gesucht hatte, das in meinem Lieblingsrestaurant in Goa von sämtlichen Kellnern getragen wird, bekam ich schlussendlich ein Exemplar vom Restaurantbesitzer geschenkt – und konnte mich dadurch revanchieren, dass ich einen Abend lang seine Gäste als Aushilfskellner belästigt habe. Generell muss ich einige der dortigen Restaurants sehr loben: Nach Monaten indischen Mensaessens hatte ich der indischen Küche schon fast abgeschworen – die lokale Küche in Goa hat es mir aber sehr angetan!

Viertes Ziel: Mumbai, unser kulinarisches Highlight

Doch trotz der kulinarischen Erfolgserlebnisse in Goa muss ich zugeben, dass Mumbai mein Herz diesbezüglich im Sturm erobert hat. Wie? Ganz einfach: Es gab Kölsch, für mich sozusagen flüssige Heimat. Und wer mich jetzt mit Verweis auf unsere reagenzglasartigen Kölschgläser für nicht zurechnungsfähig erklären möchte – auch ansonsten hatte Mumbai kulinarisch eine Menge zu bieten: Neben hervorragenden indischen Gerichten und einigen soliden asiatischen Restaurants haben wir uns vor allem von Burgern, Sandwiches, Waffeln und Co. begeistern lassen – oft in international-indischen Fusion-Varianten.

Auch abseits von Restaurants und Cafés wirkt Mumbai „dem Westen“ verhältnismäßig ähnlich sowie auch unabhängig davon modern und recht weit entwickelt. Nicht umsonst gilt die Stadt als Finanz-, Handels- und Unterhaltungszentrum des Landes. Doch wie schon in Goa ist der Ruf, der einer Stadt vorauseilt, zumindest für mich nicht immer das, was sich vor Ort am Ende am meisten einprägt: Mein Highlight in Mumbai war unsere Erkundungstour durch Dharavi, einen schon in „Slumdog Millionaire“ zu sehenden Slum, der Reisende als größter Slum Asiens nicht nur durch seine schieren Ausmaße überwältigt, sondern insbesondere aufgrund der dort in für mich zuvor ungekanntem Ausmaße etablierten Recyling-Industrie enorm spannend ist. Denn auch wenn die dahinterstehenden Gründe und Implikationen teils kritisch zu sehen sind – allein die nahezu zahllosen Tonnen an recyceltem Plastik, die Dharavi am Tag produziert, sind definitiv beeindruckend. Und mindestens genauso beeindruckend ist dieser Stadtteil an sich.

Und nun?

Leider muss auch die schönste Reise einmal enden – selbst, wenn sie nahezu einen Monat lang ist. Seit vergangenem Wochenende bin ich deshalb (abgesehen von einem kurzen studienbedingten Konferenzbesuch in Budapest) wieder hauptsächlich auf dem Campus unterwegs, um den Präsentationen, Gruppenarbeiten und sonstigen Deadlines, die alle bedrohlich naherücken, Herr zu werden. Aber auch wenn dadurch jetzt umso mehr zu tun ist – den letzten Monat zu verreisen war’s definitiv wert. Denn Kokosnüsse auf den Andaman Islands zu knacken, im Himalaya die Balance zwischen Klettern und Wandern zu suchen, in Mumbai die Kontraste zwischen schicken Restaurants und auf ihre ganz besondere Art einzigartigen Slums zu erkunden oder auch in Goa in einem todschicken (keine Widerrede!) Flamingo-Hemd zu kellnern – all das sind Erlebnisse, die ich nicht nur jedem Einzelnen zum Nachmachen ans Herz legen möchte, sondern so schnell auch definitiv nicht vergessen werde.

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