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Von Matatu bis Mzungu: ein Survival Guide für Nairobi

Von Matatu bis Mzungu: ein Survival Guide für Nairobi

Sechs Monate Praktikum an der Deutschen Schule Nairobi liegen hinter mir. Eine Zeit, die durch Stromausfälle, Wasserknappheit, Matatus, Ugali, unglaublich freundliche Menschen und einer atemberaubenden Natur geprägt war. Eine Zeit, und das kann ich im Nachhinein voller Überzeugung sagen, die so ereignisvoll, erlebnisreich und lohnenswert war, dass ich sie nie mehr missen möchte. Vom Reisen und Leben in Nairobi.

Die kenianische Küche – für mich nur mühsam auszuhalten

Wenn man ein wenig den Standard aus Europa haben möchte und in dem benachbarten Village Market – nur eine von zahlreichen Shopping-Malls in Nairobi – zum Stammgast wird, weil man beispielsweise heimisches Brot und Nutella vermisst, wird man sehr schnell viel Geld los. Die kenianische Küche war für eine verwöhnte Europäerin wie mich auf Dauer nur mühsam auszuhalten.

Die Pizzeria um die Ecke mit Original-Steinofen oder Sushi in Westlands/Ocean Basket wurde schnell zum geliebten Alltag. Durch die billigen Uber-Taxis kann man jede Adresse kostengünstig erreichen und so habe ich viel mehr unternommen als zu Hause. Wenn man dann schon einmal in Westlands ist, geht man oft auch noch ins Kino oder stürzt sich ins Nachtleben. Es gibt tolle Aktivitäten, die Spaß machen aber eben auch Geld kosten.

Ausflugsziele rund um Nairobi: Nationalparks und Tierreservate

Unbedingt zu erwähnen ist der Nationalpark in Nairobi, der einem mit etwas Glück Löwen, Zebras, Antilopen, Giraffen, Krokodile, Nilpferde, Paviane, Vögel und Nashörner offenbart, aber mit umgerechnet 50 Euro Eintrittsgebühr auch nicht gerade billig ist.

Das Gleiche gilt für den Giraffenpark und das Elefanten-Waisenhaus. Wunderschön und absolut empfehlenswert, aber als Non-Resident nicht jede Woche erschwinglich. Obwohl man als Praktikant hier in Kenia arbeitet (ohne Entlohnung) und die meisten auch länger als drei Monate bleiben, gilt man nicht als Resident, also Ortsansässiger, denn die zahlen im Allgemeinen weniger. Das bedeutet, man zahlt die ganze Zeit die normalen Touristenpreise. Während Lehrer oder UN-Praktikanten als Residents zählen und beispielsweise für den Karura Forest – ein prima Ort zum Wandern, relaxen, Fahrrad fahren oder gut Essen – nur 200 Kenia-Schilling (umgerechnet zwei Euro) Eintritt bezahlen, legt man als Schulpraktikant gleich mal fünf Euro auf den Tisch. Selbiges auch bei sämtlichen Nationalparks oder öffentlichen Museen. Beim größten und wohl bekanntesten Natur- und Tierreservat, der Massai Mara, beträgt der Unterschied gleich mal 60 US-Dollar. Wer auch immer die Chance hat, einen Resident-Status zu erhalten bzw. länger als sechs Monate zu bleiben, sollte sich dies zu Nutzen machen und so früh wie möglich beantragen.

Nichts desto trotz gibt es aber auch zahlreiche kostengünstige Varianten, sich in Nairobi die Zeit zu vertreiben. Sei es eine aufregende Fahrt mit dem BodaBoda (Motorrad) zum City-Market, der ein unglaublich riesiges und leckeres Obst- wie Gemüseangebot bereit hält oder eine abenteuerliche Matatu-Fahrt nach Down-Town in den Uhuru-Park, wo man beim Flanieren oder Tretbootfahren die Seele baumeln lassen kann.

Die Hauptstadt Kenias ist vergleichbar mit Berlin

Nairobi ist riesig, vergleichbar mit Berlin, was Vielfalt, Größe und Einwohnerzahl betrifft. Was den Berlinern der Fernsehturm ist, ist den Einwohnern Nairobis der KICC-Tower. Wie in der deutschen Hauptstadt kann man dort die ganze Stadt überblicken, nebenbei noch picknicken und Kaffee trinken. Vergleichbar mit dem Leben in einer deutschen Stadt ist es dennoch nicht. Generell ist der Alltag von sehr viel Hektik geprägt, aber mit der Zeit gewöhnt man sich an die Umgebung und an die Menschen. Überall wird ein Englisch-Swahili-Mix gesprochen, Hecken und Rasen mit der Machete geschnitten, und bei allem und jedem gehandelt.

Armut hat in Nairobi eine ganz andere Dimension

Als Mzungu (Swahili-Wort für Weißer/Ausländer) fällt man auf, gilt als Mensch mit viel Geld, wird aber freundlich behandelt. Die Leute sind offen und sehr interessiert am Leben in Europa. Oft mussten wir ihnen erklären, dass die Menschen in Europa auch hart für ihr Geld arbeiten müssen und längst nicht alle Menschen vermögend sind. Während Armut hier existenziell ist, hat das Wort „Armut“ in Europa eine andere Bedeutung. In Kenia gibt es keine Grundsicherung! Menschen hungern! Kinder betteln! Jeder Bedürftige, ob alt oder jung, freut sich über eine geschenkte Banane und ein nettes Wort. Selbstverständlichkeiten werden zu Besonderheiten! Es gibt etliche Hilfsorganisationen vor Ort, zum Beispiel Waisenhäuser. Das zu sehen, zu erleben verändert die komplette Denkweise. Es stimmt nachdenklich, es erdet einen und zeigt einmal mehr, was wichtig und was unwichtig, was richtig und was falsch ist!

Auch Kriminalität spielt hier eine Rolle. Wo die Kluft zwischen arm und reich so groß ist, gehören Überfälle und Diebstahldelikte zur Tagesordnung.
Nicht zu vergessen sind die Terroranschläge der letzten Jahre. Jeder Security-Mann trägt hier eine Waffe und so gehören sie, gemeinsam mit den vielen Soldaten, zum Straßenbild. Reiche und arme Stadtbezirke sind voneinander getrennt, und alle großen, tollen Gebäude besitzen drei Meter hohe Mauern mit Stacheldraht. Wachleute sieht man an allen Eingängen. So auch vor der Deutschen Schule Nairobi, bei der ich mein Praktikum absolviert habe. Die Umschreibung eines Schülers als goldener Käfig trifft den Umstand ganz gut. Sich nach der Schule draußen mit Freunden zu treffen ist eher unüblich. Die Freizeit der Schüler wird entweder zu Hause oder bei Freunden verbracht, findet aber hauptsächlich auf dem Areal der Deutschen Schule statt.

Was man als Praktikantin an der Deutschen Schule macht, erfahrt ihr hier.

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