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Mein Abenteuer-Jahr in Kasachstan

„Also in Kasachstan…!“ – so beginnt seit meiner Rückkehr nach Deutschland fast täglich eine lustige Story, die ich meinen Mitmenschen erzähle. Oder es ist der Anfang einer Anekdote, die ich übermäßig jammernden Gesprächspartnern anvertraue, um die Zustände, über die sie klagen, zu relativieren. Auch wenn ich schon so lange wieder da bin, denke ich sehr oft an Almaty und möchte immer wieder neu von meinen Erfahrungen dort berichten.

Theresa mit einem Steak vor sich in den Bergen des Tien Shan Gebirges
Seit diesem Steak kann ich mitreden, wenn es um Pferdefleisch geht.

Zurück in Deutschland: Verwunderte Meldungen meines Gehirns

[Rückbank eines Autos] Oh, ich muss mich anschnallen!

[Mit einer Freundin in der Schlange an der Supermarkt-Kasse] Ups, jede_r versteht uns, wenn wir Deutsch sprechen.

[Wenn ich es eilig habe] Wie unpraktisch, dass ich nicht einfach ein inoffizielles Taxi anhalten kann!

Eine Frau wartet mit zur Seite weggestrecktem Arm am Straßenrand, es ist Winter.
Egal bei welchem Wetter und zu welcher Tageszeit – wer in dieser Haltung in Almaty am Straßenrand wartet findet innerhalb weniger Minuten ein Taxi.

[In einer Bar mit Freunden] Cool, ich werde nicht dezent durch einen Strohhalm in meinem Bier darauf hingewiesen, dass ich eine Frau bin! 

[Beim Tanzen auf einer Party] Warum macht niemand Selfis

[Als mir die übertrieben hohen Parkgebühren von einem Parkplatzwächter mitgeteilt werden] Ob ich Rabatt bekomme, wenn ich auf den offiziellen Beleg verzichte….?*

[Beim Versuch etwas zu erklären] Mist, es hilft nicht das Ganze auf Russisch zu versuchen*

Meine Russischkenntnisse helfen mir nur selten in meinem Alltag in Deutschland.

Ich könnte diese Liste noch ewig fortführen. Gerade in alltäglichen Situationen fielen mir auch beim Umzug zurück in die Heimat die kleinen Unterschiede zwischen Kasachstan und Deutschland auf.

Tenge und Euros – Was kostet ein Jahr in Kasachstan?

Das Thema Finanzierung habe ich nur selten, eigentlich nur beim Vergleich von Lebenshaltungskosten, angesprochen. Wahrscheinlich, weil es mir wenig Sorgen bereitet hat. Aber allen, die überlegen, ob sie sich ein Auslandsjahr als DAAD-Sprachassistent_in in einem Land wie Kasachstan leisten können möchte ich kurz antworten: ja, locker!

Als DAAD-Sprachassistentin habe ich ein Stipendium in Höhe von 1.350 Euro monatlich erhalten und außerdem einen Reisekostenzuschuss von 550 Euro und einen Zuschuss zu den Kosten für meinen Russischsprachkurs. Mein Einkommen in Kasachstan war also vergleichbar mit dem einer Referendarin in Sachsen-Anhalt, nur dass 1.350 Euro in Kasachstan länger reichen. Dort sind viele Dinge wesentlich billiger: zum Beispiel Bahn fahren, Wohnung mieten oder Essen gehen. Die eigentliche Herausforderung beim Thema Geld ist die Ungerechtigkeit: Es ist schwer zu ertragen, dass andere Lehrkräfte in Kasachstan weniger als halb so viel im Monat verdienen. Dies könnte einer der Gründe sein, warum kasachstanische Unis anfällig sind für Korruption.

Links meine Kollegin die vormittags in der Schule und nachmittags in der Uni Deutsch unterrichtet und zusätzlich zwei Zimmer ihrer Eigentumswohnung untervermietet, damit das Geld reicht. Rechts die Leiterin des Lehrstuhls für Fremdsprachen, die trotz Erreichen des Rentenalters weiter arbeitet.

Was ich jetzt schon vermisse

Ich wohne jetzt in Halle(Saale) und habe gerade meinen Vorbereitungsdienst (Referendariat) angefangen. An der Uni in Kasachstan war ich eine geschätzte Kollegin, einfach weil ich Muttersprachlerin in meinem Fach Deutsch war und auch weil ich einen Hochschulabschluss aus Europa hatte. In der Schule, wo ich jetzt tätig bin, muss ich mir mein Ansehen erst noch erarbeiten. Bis jetzt hat keine_r meine_r Schüler_innen meine thüringische Herkunft bewundert.

Hergestellt in Deutschland ist ein klares Qualitätsmerkmal in Kasachstan. Der gute Ruf meines Herkunftslandes brachte mir einen großen Vertrauensvorschuss bei Kolleg_innen und Studis ein.

Außerdem vermisse ich die Dinge, die mich anfangs in Almaty gestört haben:

  • die entspannte Unpünktlichkeit in allen Lebenslagen, weil sie zu weniger Stress führt;
  • das Verkehrschaos, wo niemand abschätzig mit dem Kopf schüttelt, wenn bei rot die Straße überquert wird;
  • oder das tägliche ausgefragt werden, woher ich denn komme, was zu netten Gesprächen mit Fremden führt.

Und natürlich fehlen mir die wunderbaren Berge vor meinem Fenster und das Gefühl von Abenteuer im Alltag: sei es im altertümlichen Fahrstuhl auf dem Weg zur Arbeit, beim Bestellen einer Geburtstagstorte auf Instagram oder bei unerwarteten Begegnungen mit Nutztieren.

Würdest du es wieder tun?

Auf jeden Fall! Mein Jahr als DAAD-Sprachassistentin in Almaty war der ideale Ort für mich zwischen Studium und Referendariat. Frisch von der Uni konnte ich z.B. Studierenden, mit dem Wunsch nach Deutschland zu gehen, erklären, wie sich der Uni-Alltag unterscheidet. Deutsch-Stammtisch und Deutsch unterrichten haben mir gezeigt, dass ich gern Lehrerin bin und dass ich auch in Zukunft in diesem Bereich arbeiten möchte. Die Unterrichtserfahrung ist eine gute Grundlage für das zweite Staatsexamen, was mein neues Ziel darstellt.

Ich bin sehr froh, Zentralasien kennengelernt zu haben und ich denke, ich komme wieder!

Kommentare

  1. Roswitha

    27. November 2017

    Deine tollen Erfahrungen und Erlebnisse hast du wunderbar auf deinen Blog berichtet. Wir wünschen dir viel Erfolg, Kraft und Lebensfreude in Halle.
    Grüße aus Gotha

    1. Theresa Fuchs

      27. November 2017

      Vielen Dank liebe Roswitha und herzliche Grüße aus Halle 🙂

Antwort an Roswitha

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