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Finanzierung eines Erasmus+ Studiums mit Behinderung

Im Post „Wohin als Studierende mit Behinderung?“ habe ich die wichtigsten Anlaufstellen für die Planung meines Erasmus+ Jahres an der National University of Ireland Galway genannt. Ich habe viel Verständnis und Hilfe von meinem Erasmus+ Koordinator, dem Akademischen Auslandsamt und dem International Office bekommen. Alle Mitarbeitenden haben mich in meiner Entscheidung ins Ausland zu gehen bestärkt.

Informationsmaterial

Es hatte vor mir lange keinen Studierenden aus Leipzig gegeben, der oder die ins Ausland gegangen ist, daher mussten sich die DAAD-Mitarbeiterinnen über behinderungsspezifische Fragen und Sonderegelungen selbst erst erkundigen. Für einen ersten Eindruck empfehle ich den Erasmus+ Leitfaden „Sonderförderung für Studierende mit Behinderungen“ und die Broschüre „Generation ERASMUS“ des DAAD, in der es um Studierende mit unterschiedlichen Sonderbedürfnissen wie Behinderung, chronische Erkrankung und alleinerziehende Eltern geht. Leider ist diese nicht ganz aktuell und nur als PDF oder Ausdruck verfügbar, was für blinde und sehbehinderte Menschen kein gut lesbares Format ist. Die Broschüre enthält dennoch nützliche Hinweise zu Organisationsablauf und Finanzierung. Zusätzlich enthält das Prospekt zahlreiche Erfahrungsberichte von Rollstuhlfahrenden und Studierenden mit Kind, leider war niemand mit einer Sehbehinderung dabei.

Beantragung von behinderungsbedingten Sonderfördermitteln

Da mein Auslandsaufenthalt noch vor Erasmus+ war, kann sich der hier beschriebene Ablauf inzwischen leicht geändert haben.

Alle Studierenden bekommen eine Grundförderung die anhand der Lebenserhaltungskosten im jeweiligen Gastland errechnet wird. Teilnehmende mit besonderen Bedürfnissen bekommen automatisch den für ihr Gastland berechneten Höchstsatz. Andere Leistungen wie BAföG bzw. Auslands-BAföG und Blindengeld bleiben erhalten. Ein Antrag auf Auslands-BAFöG kann sich lohnen, auch wenn ihr kein Inlands-BAföG bekommt.

Ablehnungen anderer Kostenträger

Die Heimathochschule kann beim DAAD einen Zuschuss für behinderungsbedingte Mehrkosten beantragen. Vorher sind allerdings Kostenübernahmeablehnungen von Krankenkasse und Sozialamt nötig. Die Ablehnung der Krankenkasse bekam ich schnell, da diese nicht für Ausgaben mit beruflichem Bezug zahlt. Das Sozialamt machte mir erst Hoffnungen und lud mich zu einem Gespräch ein. Am Ende musste ich allerdings selbst der Ablehnung monatelang nachlaufen.

Aufstellung der behinderungsbedingten Mehrkosten

Mit dem Zuschuss können nur Mehrkosten finanziert werden, die direkt durch den Auslandsaufenthalt anfallen. Ausgaben die auch zu Hause entstehen, sind darin mit inbegriffen. Der Antrag mit entsprechenden Formularen und Kopie des Behindertenausweises sollte spätestens 2 Monate vor Antritt des Aufenthaltes beim DAAD eingereicht werden.

Die Mehrkosten müssen mit Kostenvoranschlägen oder Internetrecherchen begründet sein. Dazu werden die Ausgaben eines „nicht-behinderten“ Studierenden denen eines Studierenden mit Behinderung gegenübergestellt.

Mögliche Mehrkosten können Beispielsweise entstehen durch:

  • Was kostet die Anreise normalerweise vs. Was kostet sie mit Assistenz, extra Gepäck oder dem eigenen Auto?
  • Durchschnittlicher Mietpreis vor Ort vs. Mietpreis einer barrierefreien Wohnung mit guter Anbindung zu öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Mehrkosten für täglichen Transport von und zur Hochschule
  • Mehrkosten für Assistenz im Alltag und an der Hochschule (Vergleich Stundenlohn Deutschland vs. Gastland)

Nutzung des Geldes

Bei Bewilligung der Sonderfördermittel zahlt die Heimathochschule diese an die Studierenden aus, diese müssen während ihres Aufenthalts alle entsprechenden Belege sammeln und Stundenzettel für die Assistenz führen. Nach der Rückkehr muss neben dem Aufenthaltsbericht eine Übersicht der Ausgaben vorgelegt und wenn vorhanden nicht ausgegebenes Geld zurückgezahlt werden. Mehrkosten werden nicht rückwirkend übernommen.

Fazit

Dieser Ablauf erscheint komplizierter als er in der Umsetzung letztendlich ist. Zugegeben war es nicht leicht Kostenvoranschläge für Dienstleistungen im Ausland zu bekommen, aber mein Antrag wurde problemlos bewilligt und die Mitarbeitenden des DAAD halfen mir beim korrekten Ausfüllen der Formulare. Das zusätzliche Geld ermöglichte es mir ein relativ teures aber ideal gelegenes Studentenwohnheimzimmer zu mieten und stundenweise Assistenz zu bezahlen. Dadurch war ich nie von Mitbewohnern oder Freunden abhängig.

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