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Geschichten aus dem Outback

Geschichten aus dem Outback

Die Klausuren sind geschrieben, die Wohnung gekündigt, das Semester beendet. Meine Zeit an der James Cook University ist offiziell vorbei, doch meine Zeit in Australien nimmt nochmal richtig Fahrt auf! Bevor es Richtung Heimat geht, steht das nächste Abenteuer an: Ein Roadtrip zum nördlichsten Punkt des Kontinents, nach Cape York.

Eine Straße im Outback
Wer einmal weit weg von Menschen, Städten und Smartphones möchte, ist hier genau richtig.

Die Strecke nach Cape York führt einen mitten durch das australische Outback. Auf unbefestigten Straßen, sogenannten „Dirt Roads“, geht es hunderte Kilometer nach Norden. Je nach Streckenabschnitt sind diese mal mehr und mal weniger gut in Schuss. Was sie aber immer haben sind herrlich viele Schlaglöcher, Bodenwellen und große Steine. Da macht Autofahren richtig Spaß. Rechts und links von der Straße ist nichts außer australischen Busch. Alle paar hundert Kilometer stößt man auf ein Roadhouse, wo man tanken und seine Wasservorräte auffüllen kann. Hört sich alles erstmal nicht so verlockend an oder? Der Trip ist aber eines der besten Abenteuer, die man auf dem roten Kontinent erleben kann!

Let’s Go!

Mit 40 Liter Wasser, 80 Liter Benzin und genügend Essensvorräten für eine ganze Armee bewaffnet, ging es von Cairns aus los. Adventure Time! 1028 Kilometer Richtung Norden. Ohne Handy-Empfang, Städte und Komfort. Knapp zwei bis drei Wochen waren dafür eingeplant. Spoileralarm: Es wurden natürlich mehr.

Die ersten Kilometer waren noch befestigt, danach ging es Off-Road. Damit man auch auf Dirt Roads sicher fahren kann, muss unbedingt der Reifendruck verringert werden, da sonst der Reifen platzen kann (tut er trotzdem noch sehr gerne, auch mit niedrigem Reifendruck). Danach ging es auf den staubigen Straßen fast nur noch geradeaus. Hin und wieder kommt einem ein Truck entgegen, der schön viel Staub aufwirbelt. Zehn Sekunden lang Blindflug, dann sieht man wieder was.

Gecampt wird entweder innerhalb der Nationalparks oder einfach irgendwo im Bush. Die Campspots in den Nationalparks muss man vor der Reise online buchen. Unterwegs fehlt der Empfang – klasse System. Schöner Campen kann man dafür fast aber an keinem anderen Ort. Es ist genauso, wie man es sich vorstellt. Direkt am Fluss oder Meer, ein Lagerfeuer unter dem klarsten Sternenhimmel den man sich vorstellen kann und kein Mensch weit und breit. Geweckt wird man von Vogelgeschrei (hier wird nicht gezwitschert) und auch andere coole Tiere lassen sich gerne mal blicken. An Flüssen und am Meer muss man vorsichtig sein, denn man ist im „Croc Country“. Ich hab auf’s Schwimmen lieber verzichtet.

Ertstens kommt es anders und zweitens als man denkt

Die ersten Tage liefen wunderbar, an Tag 5 dann der Schock: Das Auto springt nicht mehr an, und das mitten im Nirgendwo! Zum Glück ist die Strecke trotz Abgelegenheit recht gut befahren und nach ein paar Minuten halfen mir ein paar Australier, das Auto anzuschieben und so zu starten (Achtung: Das geht nicht mit Automatik-Autos!). Mit etwas schwitzigen Händen fuhr ich dann weiter, jetzt bloß nicht abwürgen. Nach eineinhalb Stunden Zitterfahrt kam ich endlich in Coen, der größten „Stadt“ im Umkreis von 300 km an (300 Einwohner). Einen richtigen Mechaniker gibt es dort nicht, zum Glück aber den selbsternannten „Bush Mechanic“. Mein Starter sei kaputt, Ersatzteil bestellt er mir, kommt dann in drei Tagen per Flieger an. Drei Tage in der Metropole Coen, ich kann’s kaum erwarten.

Am zweiten Tag des langen Wartens kam auf einmal die Besitzerin des Hotels angefahren. Sie habe von Daniel gehört, ich suche Arbeit. Wer zur Hölle ist Daniel? Aber ein bisschen arbeiten, warum eigentlich nicht? Und so kommt es, dass ich mittlerweile im Hotel, das gleichzeitig auch Pub, Supermarkt und Tankstelle ist, arbeite. Mein Auto ist längst repariert, es lebe der Bush Mechanic. Wann es weitergeht? Ich weiß es nicht. Das kleine Coen ist mir irgendwie ans Herz gewachsen.

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