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Keine Freunde auf Zeit

Menschen sind soziale Lebewesen. Dein Leben und dein Alltag werden zu großen Teilen von und mit deiner umgebenden Gemein- und Gesellschaft bestimmt und Glück ist das Einzige, was sich vermehrt, wenn du es teilst.

„Und was ist, wenn ich ankomme … Tage, Wochen oder gar Monate vergehen und ich niemanden kennenlerne? Ich keinen Anschluss finde? Vielleicht verstehe ich dort niemanden. Und dann komme ich irgendwann zurück und habe hier auch keine Freunde mehr, weil ich so lange weg war!“ – Ich, kurz vor meiner Abreise.

Der perfekte Start

Zu Beginn meines praktischen Jahres hatte ich großes Glück, denn es verbrachten mehrere Praktikant:innen aus Deutschland und Österreich, ebenfalls ein Tertial in derselben Klinik wie ich. Wir arbeiteten und wohnten zusammen und verbrachten gerade zu Beginn meines Aufenthaltes sehr viel Zeit miteinander. Als Wohngemeinschaft kochten wir zusammen zu Abend, organisierten Spieleabende, tauschten uns über unseren Arbeitsalltag aus, gingen an den Wochenenden wandern und erkundeten gemeinsam viele Städte und Orte.

Dennoch war diese Situation nicht zu unterschätzen. Wir waren eine zusammengewürfelte Gruppe, die unterschiedlicher kaum sein konnte. Folglich war ich auf Menschen angewiesen, mit denen ich in der Heimat wahrscheinlich kaum Berührungspunkte gehabt hätte. Ich lernte also, mich auf verschiedene Charaktere einzustellen, mich anzupassen und über den Tellerrand hinauszuschauen. Und dies zahlte sich nicht nur durch die Bildung neuer Freundschaften aus, sondern auch durch meine persönliche Weiterentwicklung.

Meine Anlaufschwierigkeiten

Es war mir wichtig, auch außerhalb meiner „PJ-Blase“ Kontakte zu knüpfen und Freunde zu finden. Und das fiel mir anfangs gar nicht so leicht. Obgleich ich eine eher extrovertierte und offene Person bin, hatte ich manchmal das Gefühl, ich finde keinen Anschluss. Ich schaffte es zwar mit einigen Menschen aus unterschiedlichen Situationen heraus ins Gespräch zu kommen, hatte auch das Gefühl, wir würden uns gut verstehen, doch habe es zum wiederholten Male nicht geschafft, auf eine persönlichere Ebene zu kommen.

Tobi schaut gen Himmel. Hinter ihm Pflanzen. Diese sind aufgrund eines verschwommenen Effektes nicht erkennbar.
Wochen vergingen und ich hatte das Gefühl, ich würde etwas falsch machen. Also ging ich der Sache auf den Grund.

Ich fing an, mich mit Arbeitskolleg:innen und Einheimischen über meine Beobachtungen zu unterhalten und stieß auf eine Menge Resonanz. Mir wurde mitgeteilt, dass Schweizer:innen in der Regel zwar höflich, doch gleichzeitig reserviert seien. Einigen falle es schwer, anderen Menschen vor den Kopf zu stoßen und insgesamt seien Schweizer:innen Meister des Indirekten und der Diplomatie. Auf der anderen Seite würden Deutsche auf Schweizer:innen mit ihrer direkteren Art und Weise nicht selten forsch und unhöflich wirken und Dinge zu hastig angehen. Ab und an können diese Stereotypen für Missverständnisse sorgen. Darüber hinaus seien Berner:innen tendenziell eher heimatgebunden und würden dort studieren und arbeiten, wo sie auch zur Schule gegangen sind. Dies sorge dafür, dass Freundschaften hier meist über Jahre hinweg gepflegt und gehalten werden und mit dem zunehmenden Alter nur wenig Zeit für neue Kontakte bleibt.

Freunde finden

Eigenarten, Stereotypen und Vorurteile hin oder her – ich ließ den Kopf nicht hängen. Und mit der Zeit fand ich wundervolle Menschen, die meine Zeit bis heute mehr als bereichern. Ich meldete mich bei einem Tanzkurs an und ging beinahe täglich zu einem Volleyballfeld, um mit Gleichgesinnten in Kontakt zu kommen. Über meine Praktika lernte ich Schweizer Blockpraktikant:innen kennen, bei denen es bisher nie geschadet hat nachzufragen, ob sie auch außerhalb der Praktika etwas unternehmen wollten. Und selbst mit Apps hatte ich Erfolg in Bern.

Es kommt mit der Zeit

Ich bin Mitte 20, habe einen Vollzeitjob, Hobbys, einen Haushalt zu erledigen und Verpflichtungen, denen ich nachkommen muss. So geht es nicht nur mir, sondern auch meine Mitmenschen haben viel zu tun, wenig Zeit und ab und an auch Lust auf ein wenig Ruhe anstelle von neuen Kontakten. Doch was auf den ersten Blick wie ein Problem aussieht, kann sich als hilfreich entpuppen, wenn du bedenkst, dass Menschen unter diesen Umständen dazu tendieren, ihre Zeit bewusst mit dir zu verbringen und dir damit aufrichtiges Interesse an einer Freundschaft vermitteln.

Ein kleiner Holztisch mit einerm Service drauf. Darauf zu sehen ein Capuccino mit Milchkrone in Herzfrom und ein Milchkaffee, sowie zwei Wassergläser.
Und auch wenn die Zeit nicht für mehr als einen gemeinsamen Kaffee nach der Arbeit reicht, sind es genau diese Momente, an die du dich nach deiner Abreise erinnern wirst.

Alleine sein

Solltest du zu Beginn deiner Auslandserfahrung häufiger als gewohnt allein sein, versuche dich nicht entmutigen zu lassen. Nutze die Zeit und tue Dinge, für die du sonst keine Zeit hättest oder Dinge, die sich für dich gewohnt anfühlen. Versuche dich mit Alltäglichem zu beschäftigen oder probiere was Neues aus. Lies ein Buch, dekoriere dein Zimmer, schlendere in der Stadt herum, kauf dir eine Kleinigkeit oder koch etwas Leckeres. Wie wäre es mit einem Workout zu Hause oder dem Lernen einer neuen Sprache? Und hast du schon mal meditiert? Allein sein ist normal, doch fällt uns in einer fremden Umgebung manchmal schwer. Alles wird sich mit der Zeit ergeben und du wirst sicher nicht die alleine bleiben. Und wenn dir doch gerade nach Reden zumute ist, gibt es zu guter Letzt noch das Smartphone mit dem im Nu jemanden erreichen kannst.

Kommentare
  1. Anika

    14. März 2023

    Hey Tobias, ich finde es sehr mutig, dass du so offen über alles reden kannst, hast du dich zufällig bei dem Hochschulsport von der Uni oder bei einem Verein angemeldet ? Es gibt wahrscheinlich Internetseiten, wo man internationale Studenten kennen lernen kann?
    Viel Erfolg! Grüße!

    1. Tobias

      14. März 2023

      Hallo Anika!
      Leider durfte ich mich nicht am Hochschulsport der Uni Bern anmelden, da das Krankenhaus, in welchem ich mein Praktikum absolviert habe, nicht zum Universitätsklinikum namens „Insel-Spital“ gehört. Studierende, die in Häusern der „Insel-Gruppe“ ihr Praktikum absolvieren oder gleich an der Uni Bern studieren,/ein Auslandsstudium machen, haben die Möglichkeit gegen eine Gebühr (die sich jeweils unterscheidet) am Hochschulsport teilzunehmen. Außerdem gibt es das ESN Bern, welches für Erasmus-Studierende und andere Auslandsstudent:innen viele tolle Ausflüge und Aktionen organisiert. In der Tat habe ich zu Beginn meiner Zeit in Bern an einigen davon teilgenommen. Leider konnte ich keine langfristigen Kontakte darüber knüpfen, weswegen ich diese Möglichkeit explizit nicht erwähnt habe. In diesem Sinne: Danke für den Reminder. Falls du weitere Fragen hast, kommentiere gerne unter meinen Beiträgen oder kontaktiere mich gerne via meiner Social-Media Plattformen.
      Viele Grüße,
      Tobias

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