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Meine Mission: Stadtplanung International

Meine Mission: Stadtplanung International

Manchmal ist die Wahl des Studiengangs gar nicht so einfach. Wie ich schließlich meinen Studiengang gefunden habe und was es mit meiner Mission „Stadtplanung international“ auf sich hat, erfährst du in diesem Blogbeitrag.

Bevor mir das Studium Stadtplanung in den Sinn kam, hatte ich so gut wie jeden Beruf auf meiner Berufswahl-Liste. Mal spielte ich mit dem Gedanken, Hebamme oder Frauenärztin zu werden; ein Jahr später zog ich es in Betracht Nachhaltiges Produktmanagement zu studieren. Architektur, Meeresbiologie und Archäologie standen auch mal kurz zur Debatte.

Kurz gesagt: In meinem Kopf schwebten so viele Ideen und vieles faszinierte mich. Bei einem sechsmonatigen Praktikum bei Siemens nach meinem Abitur, bekam ich sowohl Einblicke in Kaufmännische Tätigkeiten als auch oberflächig in Abläufe des Prozessmanagements. Und glaub mir, hier inspirierten mich wieder weitere Studiengänge. Viele Berufe hatten ihren Reiz. Als ich schließlich mit einer Freundin drei Monate in Australien verbrachte und mir manche Regen- und Strandtage mit meinem Tagebuch versüßte, kam ich auf die brillante Idee mein Gap Year, um ein zweites Jahr zu verlängern und die Zeit zu nutzen, um in alle Berufe, die mich interessierten, ein (kurzes) Praktikum zu absolvieren. Ich schrieb also jene Berufe in mein Tagebüchlein nieder, die meine Aufmerksamkeit auf sich zogen. Nun, auf meiner Liste standen zehn Berufe. Das würde ein taffes Jahr 2020 werden. 

Paula befindet sich in der Hocke auf einer Straße. Ein echter Papagei sitzt auf ihrer Schulter, ein weiterer auf ihrer Hand. Zwei Papageien setzten neben ihr auf der Straße. Die Stimmung ist gut.
In Australien waren die Papageien teilweise sehr zutraulich.

Mitte Februar 2020 landeten meine Freundin und ich wieder in Deutschland. Anfang März besuchte ich zusammen mit meiner Schwester unsere Mama. Ein zentraler Besuch, denn in dieser Woche kam durch eine Eingebung der elfte Beruf auf meine Liste: Stadtplanung. Von diesem Beruf hatte ich zuvor noch nie etwas gehört, geschweige denn wusste ich, dass es möglich ist Stadtplanung zu studieren. In meiner Vorstellung vereinigte dieser Beruf jedoch die Stadt mit der Natur. Die Natur war für mich als kleines Kind schon ein essenzieller Bestandteil meines Alltags. Meine Geschwister und ich hatten das große Glück, direkt neben einem Wald und weiten Wiesen- und Ackerflächen aufgewachsen zu sein. Mit meiner besten Freundin ging es deshalb nach dem Kindergarten oder nach der Schule oft erstmal raus in die Natur. Wir bauten Tippis oder beobachteten Wildschweine, Rehe und Fasane. Wir befreiten Kröten aus Betonlöchern oder stapften mit Gummistiefeln die Bäche hoch und runter. Letzteres war unsere Lieblingsbeschäftigung. Ich liebte die Natur, ich liebte die Tiere und ich liebte es einfach die Blätter zu beobachten, wie sich die Regentropfen von Blatt zu Blatt hangelten. 

Als ich älter wurde und in Städte wie Paris oder Sydney reiste, verliebte ich mich in die hohen Häuser, den Lifestyle der Stadt, das Zusammenspiel zwischen den Menschen, der Bewegung, die Kommunikation und vor allem in eines: In die Parks der Stadt. Die Grünen Lungen. Ich glaube in Sydney war es das erste Mal, dass mir vor Freude die Tränen kamen, als von einem Park aus die Skyline zu sehen war. Ich empfand dies als traumhaft schönen Anblick, eine spannende Kombination. Es musste doch also möglich sein, die Natur dauerhaft in unsere Städte zu bringen. In meinem Kopf skizzierte ich Bäume und Gärten auf Hausdächern, dachte daran die Natur von unten nach oben zu holen – später entdeckte ich, dass ich mit den sogenannten Gründächern oder Dachgärten das Rad nicht neu erfand. Sie sind sogar ein essenzieller Bestandteil der Stadtplanung.

Blick auf die Skyline von Sydney. Die Szene ist gerahmt von Bäumen. Der Himmel ist bewölkt, doch die Sonne bahnt sich den Weg durch die dicke Wolkenschicht.
Das war der Ausblick in Sydney, der mich zu Tränen rührte.

Meine Schwester gab mir den Tipp zu jedem Beruf, welcher auf meiner Liste stand, zu notieren, was genau mich daran interessiert sowie fasziniert. So sammelte ich die einzelnen Punkte.

Ich machte diese Aufgabe mit ihr zusammen und als schließlich der letzte Beruf – Stadtplanung – an der Reihe war, schauten wir uns an und stellten fest, dass fast alle Themen, in dem Beruf Stadtplanung wiederzufinden waren. So begann die Suche nach einer geeigneten Universität oder Hochschule. Die Hochschule für Wirtschaft und Umwelt, Nürtingen-Geislingen traf am ehesten auf meine Wünsche und Bedürfnisse zu.

Somit stand meine Studienwahl fest. Ich würde Stadtplanung studieren. Sobald es möglich war, bewarb ich mich an verschiedenen Hochschulen in Deutschland. Zum Glück bekam ich eine Zusage für die HfWU Nürtingen-Geislingen. 

Eine belebte Straße in Amsterdam. Der Fokus liegt auf einer Gebäudefassade, welche vertikal von Pflanzenranken bepflanzt ist. Wimbel hängen über der Straße. Vor den Geschäften haben Restaurants Tische und Stühle. Die Pride-Flagge ist mehrmals zu sehen. Menschen begegnen sich oder laufen durch die Straße.
Fassadenbegrünung kann viele Formen haben. Hier in Amsterdam zum Beispiel in Form von Pflanzenranken.

Ist Stadtplanung international?

Zu Beginn meines Studiums im Herbst 2020 stand für mich fest, ich möchte mein Praxissemester im Ausland absolvieren. Ich hatte sofort New York City im Kopf. Wieso kann ich nicht genau sagen. Aber New York sorgte für ein Kribbeln in meinem Bauch. Im zweiten Semester fing ich mit der Recherche zu Stadtplanungsunternehmen in New York an, informierte mich im Internet über mögliche Praktikumsstellen und kontaktierte das International Office meiner Hochschule. In Online-Meetings bekam ich Informationen über die verschiedenen Stipendien auch spezifisch für Praktika in den USA. Der DAAD bietet sehr viele Stipendien und Förderangebote an. 

Ebenso war ich im engeren Kontakt mit zwei Professor:innen meiner Hochschule, da sie entweder selbst für einige Zeit in New York lebten oder noch weitere Kontakte im Ausland hatten. Ich kontaktierte wiederum die vorgeschlagenen Personen, bewarb mich bei großen und kleineren Stadtplanungsbüros in New York City.

Ich feilte an meinen Bewerbungen und meinem Portfolio. Oft saß ich bis spät abends an Bewerbungen oder suchte nach weiteren offenen Praktikumsstellen. Die Zugfahrten zur Hochschule nutzte ich ebenso für diese Tätigkeiten. Es gab viele Tage, an denen ich meine Konzentration verstärkt in die diversen Architektur- und Planungsbüros in New York anstatt in mein Studium steckte. Es gab auch Tage, an denen ich zweifelte. Zweifelte, ob ich es nach New York schaffen kann. Von meinen Freund:innen, Kommiliton:innen und meiner Familie bekam ich Mut zugesprochen. Doch aus New York kamen entweder Absagen oder gar keine Rückmeldungen. Es stimmte mich traurig, aber ich gab nicht auf. Ich machte weiter, rief im New York City Department of City Planning an. Schließlich erweiterte ich meine Suche auf die gesamte USA, Australien und England, da die Deadline für das HAW.International-Stipendium immer näher rückte und ich immer noch kein Erfolg verzeichnen konnte. 

Eine begrünte Fassade voll unterschiedlicher Pflanzen. Nur an den Stellen der Fenster wächst keine Pflanze. Die Begrünung bietet beispielsweise Insekten Heimat und Nahrungsquelle.
Eine Fassadenbegrünung in Almere auf der Floriane Expo 22 in Form einer Living Wall.

Kein New York City? Dafür aber Amsterdam!

Die Bewerbungsfrist für das Stipendium war abgelaufen. Doch das hielt mich nicht davon ab weiter zu suchen und meinen Länderradius zu erweitern. Ich informierte mich in Rotterdam und Amsterdam nach Stadtplanungsbüros. Die Niederlande ist ein populäres Land für die Städteplanung. Durch Zufall stieß ich auf ONE Architecture and Urbanism, ein Stadtplanungsbüro mit dem Fokus auf Klimaanpassung und Klimaresilienz von Städten – genau das was ich machen wollte! Allerdings nicht in den Niederlanden, sondern in New York City. Stipendienfrist hin oder her, ich versuchte noch einmal mein Glück in dieser Metropolstadt, leider ohne Erfolg. ONE Architecture and Urbanism hat jedoch ein weiteres Büro in Amsterdam. Somit bewarb ich mich dort, wurde am nächsten Tag zum virtuellen Bewerbungsgespräch eingeladen und erhielt eineinhalb Wochen später die Zusage! Ich freute mich wie ein kleines Kind. 

Zwei Hochhäuser im Close-up. Das linke Gebäude weißt weiße Stahlträger als Fassade, sowie viele Fenster und Balkone auf. Das rechte Gebäude hat eine Fassade in Stahloptik.
In Amsterdam Noord ist ein schöner architektonischer Kontrast zur restlichen Innenstadt vorzufinden.

Nun möchte ich meine Auslandserfahrung auch dafür nutzen, um internationale Kontakte im Bereich der Städteplanung zu knüpfen. Da das Büro in Amsterdam in enger Zusammenarbeit mit dem Büro in New York City steht, erhoffe ich mir, einen Einblick in dieses zu bekommen. Ich bin gespannt, wie mir das gelingen wird!

Rückblick meines ersten Monats in Amsterdam

Das Office in Amsterdam besteht aus sechs Personen (inklusive mir), wobei eine Person zurzeit für vier Monate in New York ist und für das Büro dort arbeitet. Meine Arbeitskolleg:innen kommen aus den Niederlanden, Bangladesch, Indien und Griechenland. Mir gefällt diese Internationalität sehr gut, da es mir so möglich ist einerseits etwas über die niederländische Kultur und andererseits etwas über die anderen Kulturen zulernen. Des Weiteren wird mein Hörverständnis der verschiedenen Akzente in der englischen Sprache geschult. Manchmal fällt es mir noch schwer auf Englisch das auszudrücken, was ich gerne sagen würde. Doch es hilft sehr gesuchte Wörter zu Umschreiben. Mir fällt auf, welch einen Unterschied es macht tagtäglich mit der englischen Sprache konfrontiert zu sein. Ich fange an Wörter zu benutzen, deren wörtliche Übersetzung ich nicht zu hundert Prozent kenne, mir aber deren Bedeutung erschließen kann. Es macht Spaß, solche Fortschritte an mir selbst beobachten zu können. Mit der niederländischen Sprache hapert es noch etwas. Zwar belege ich keinen Niederländisch-Sprachkurs, doch ein Freund der Familie bringt mir ein paar Sätze und wichtige Kniffe bei. Wenn ich mir nun also Texte auf Niederländisch durchlese, erkenne ich die Ähnlichkeit zu der deutschen Sprache. 

Meine ersten Aufgaben als Praktikantin waren beispielsweise ein städtebauliches Konzept für ein Projekt in Gouda „hübsch“ zu machen. Es standen noch Feinschliffarbeiten an, wie unter anderem das Bearbeiten der Linienstärken, das Zeigen eines Kinderspielplatzes oder die Darstellung von Fassadenbegrünungen.

In der vergangenen Woche erstellte ich Plakate für einen Workshop in Utrecht. Der Workshop handelt von den Folgen für Boden und Wasser bei der Gebietsentwicklung sowie Lösungsmöglichkeiten im jeweiligen Gebiet. Momentan erstelle ich ein Excel Spreadsheet, also eine Tabelle, mit Webseiten für Online-Karten und GIS Quellen für die Niederlande. Ich unterteile dies in verschiedene Themen wie Klima, Stickstoffdioxid, Energie oder Landschaft. Des Weiteren wird hier in Nationenweit und die einzelnen Provinzen in den Niederlanden unterschieden. Große Challenge hierbei ist, dass die Webseiten auf Niederländisch sind und sich leider nicht wirklich ins Englische übersetzen lassen. Zum Glück gibt es heutzutage Apps, die Texte per Bilderkennung übersetzen. Das ist auch ein Weg, um eine Sprache zu lernen. 

Zu sehen ist das Büro, in dem Paula arbeitet. Links im Bild stehen auf einem Regal große Pflanzen, die als Raumtrennung und Sichtschutz fungieren. Dahinter befinden sich Schreibtische mit Bildschirmen zum Arbeiten. Aus den großen Fenstern ist das gegenüberliegende Gebäude zu erkennen, dessen Architektur modern ist. Paulas Büro ist im industriellen Design.
Das ist unser Büro, ein Shared Office zusammen mit Freelancern. Die Pflanzen sind einfach wunderbar.

In der ersten Zeit hatte ich oft Heimweh. Den Blogpost dazu findest du hier. Dieses Gefühl ist momentan nicht mehr so präsent. Ich komme immer mehr an, lerne wunderbare Menschen kennen und erschließe mir sogar mittlerweile die verschiedenen Wege durch die Innenstadt. Ich bin glücklich und dankbar hier sein zu dürfen. Für meine weitere Zeit möchte ich stets mutig und voller Neugierde meinen Weg gehen und offen auf neue Menschen zu gehen. 

Ich hoffe ich konnte dich ein bisschen inspirieren. Ich wünsche dir alles Gute und viel Erfolg und Freude auf deinem eigenen beruflichen Weg!

Ganz viel Liebe für dich <3
Deine Paula

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