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Ein Königreich für ein Bett – Wohnen in Galway

Nachdem Finanzierung und Kursauswahl für den ERASMUS+– Aufenthalt in Irland geregelt waren, galt es ein Zimmer in Galway zu finden. Ich bin kein Fan von WGs, aber nachdem ich mir einige irische Webseiten zur Wohnungssuche  angesehen hatte, wurde mir klar, dass eine eigene Einraumwohnung ein Wunschtraum bleiben würde.

In Galway gibt es nahezu keine Apartments und schon gar keine Plattenbauten. Die wenigen Einzelwohnungen die es gibt, sind meist heruntergekommen und mitten in der Innenstadt, was am Wochenende ziemlich laut werden kann. Die Mehrzahl der Iren lebt nicht gerne in Wohnungen.

Preise

Besonders in den Städten ist die Miete ziemlich teuer. Galway ist zwar günstiger als Dublin, aber die ständig steigende Anzahl an Studierenden und Touristen hat auch Auswirkungen auf die Wohnraumpreise. Abhängig von Lage, Hausart, Anzahl der Mieter und Ausstattung müsst ihr schätzungsweise mit 300 bis 600 € warm rechnen.

Hier eine Übersicht der verschiedenen Unterkünfte:

Studentenwohnheime

Es gibt 8 Studentenwohnheime. Ein Wohnheimplatz bietet sich besonders kurzfristig an. Im Vergleich zu Deutschland sind sie ziemlich teuer, aber alle Kosten sind bereits im Preis inbegriffen und es gibt eine Rezeption an die ihr euch bei Fragen oder Problemen mit euren Mitbewohnern wenden könnt. Auf der anderen Seite müsst ihr Übernachtungsbesuch und Partys vorher anmelden. Es gibt Mehrbett- und Einzelzimmer und Zimmer mit eigenem oder geteiltem Bad, dazu eine Wohnküche. Die Wohnheime befinden sich auf oder nahe beim Campusgelände. Wenn ihr einen Wohnheimplatz möchtet, solltet ihr euch frühzeitig darum bewerben, da sie schnell ausgebucht sind.

Ich wollte vor meiner Anreise sicher sein, dass ich ein Zimmer habe, daher wohnte ich in meinem ERASMUS+-Jahr in Corrib Village direkt auf dem Campus. Darüber werde ich im nächsten Beitrag ausführlicher schreiben, aber ein zweites Jahr hätte ich dort nicht bleiben wollen.

Private WGs

Die meisten Studierenden mieten sich zusammen ein privates Haus. Oft bilden sich im ersten Jahr Freundeskreise, die im dritten Semester zusammen ziehen. Wobei mit Freunden zusammen wohnen auch Spannungen mit sich bringt.

Als ausländische Studierende habt ihr den Nachteil, dass ihr vor der Ankunft niemanden kennt, euch Häuser und Mitbewohner nicht persönlich angucken könnt und schwer Referenzen über euer gutes Verhalten von früheren Vermietern bekommt. Diese „Verhaltenszeugnisse“ oder schriftliche Garantien von Eltern werden häufig gefordert, um sicher zu gehen, dass die Miete regelmäßig gezahlt wird und ihr nicht die Einrichtung verwüstet und verschwindet. Das klingt extrem, kommt aber vor.

Die meisten Häuser werden privat vermietet und viel hängt von den Vermietenden ab. Einige wollen die wöchentliche Miete bar auf die Hand und andere bekommt man nie zu Gesicht. Es gibt wenige offizielle Vorschriften für Privatvermietung. Meistens müssen eine Anzahlung und mindestens eine Monatsmiete im Voraus bezahlt werden. Manche Eigentümer vermieten einzelne Räume und wieder andere wollen einen Hauptmietenden für das ganze Haus, der oder die dann das Geld von den anderen Bewohnenden einsammelt. Besonders als ausländische Studierende ist es nicht ratsam sich als Hauptmietende_r eintragen zu lassen.

Mit wie vielen Leuten ihr zusammen lebt hängt von der Größe des Hauses ab, meistens gibt es zwischen zwei und sechs Schlafzimmer. Oft können die Leute, die bereits in einem Haus wohnen entscheiden wer neu bei ihnen einzieht. Viele wollen keine Erstsemestler, andere keine Paare, wieder andere nur Arbeitstätige und ich habe sogar eine Anzeige gesehen in der es hieß „keine Brasilianer“, was unglaublich rassistisch ist. Allerdings könnt ihr an diesen seltsamen Kriterien nicht viel ändern und mit Leuten, die solche Vorstellungen haben möchte ich persönlich nicht leben. Auch solltet ihr euch vorher die Gegend anschauen: Gibt es Einkaufsmöglichkeiten und kommt ihr gut mit Bus, zu Fuß oder per Fahrrad zur Uni?

Mit den Vermietenden in einem Haus wohnen

Diese dritte Möglichkeit wird immer beliebter und heißt umgangssprachlich „Digs“. Viele Iren müssen ihr Haus auf Raten abbezahlen und um extra Einkommen zu haben, vermieten sie Räume an Studierende. Manchmal handelt es sich um separate Wohnungen im Dachgeschoss oder in einer konvertierten Garage. Diese Variante ist leider ziemlich teuer.

Viele alleinstehende, ältere Menschen freuen sich über Gesellschaft und haben Spaß daran Studierende zu bekochen. Im Gegenzug könntet ihr ihnen bei Gartenarbeiten oder ähnlichen Aufgaben helfen. Auf der anderen Seite kann es seltsam sein mit den Hausbesitzenden zusammen zu wohnen, besonders wenn es sich um eine Familie handelt, fühlt man sich schnell im Weg. Viele Vermietende wollen auch, dass man am Wochenende nach Hause fährt,  was natürlich bei ausländischen Studierenden nicht möglich ist. Andere bieten auch Unterkunft mit Verpflegung an. Ihr solltet euch auf keinen Fall ausbeuten lassen um anderer Leute Kredit abzubezahlen.

Fazit: Wie Finde ich also eine Unterkunft?

Das alles mag anfangs risikoreich und abschreckend wirken, aber in den meisten Fällen klappt das Zusammenleben gut. Letztendlich wollen alle Beteiligten keinen Streit und erfüllen ihren jeweiligen Anteil der Vereinbarung auch ohne Verträge. Trotzdem solltet ihr vorsichtig sein. Besonders wenn ihr vor Ankunft im Gastland von einem privaten Vermietenden aufgefordert werdet große Summen im Voraus zu bezahlen.

Grundsätzlich empfehle ich rechtzeitig vor Semesterbeginn (möglichst mehr als eine Woche vorher) anzureisen, ein paar Tage in einem Hostel zu übernachten und persönlich nach Unterkunft zu suchen. Hilfreich sind dabei Webseiten wie daft.ie und rent.ie, Lokalzeitungen, das Accomodation Office der Uni und Facebook-Gruppen wie „House Hunting for Sound People“, in denen Leute nach Häusern oder Mitbewohnern suchen können. Allerdings sind nicht alle Leute in dieser Gruppe „sound“ und es kann vorkommen, dass ihr euch bei zwanzig Leuten meldet und nur zwei davon antworten. Es gehört jede Menge Glück dazu die passende Unterkunft zu finden und im Zweifelsfall kommt es darauf an, zur rechten Zeit den richtigen Vermietenden zu kontaktieren oder zur richtigen Hausbesichtigung zu gehen.

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