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Brauche ich ein Konto im Ausland? – Interview mit der Verbraucherzentrale

Es gibt Momente während des Auslandsaufenthaltes, in denen es sinnvoll ist, ein Konto im jeweiligen Land zu haben. Welche das sind und was es sonst in Sachen Geld im Ausland zu beachten gibt, erklärt Thomas Mai, Experte für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Bremen.

Portraitfoto von Finanzexperte Thomas Mai vor einer blauen Stellwand mit Aufdruck "Verbraucherzentrale".
Thomas Mai ist Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale in Bremen.

Wann lohnt sich bei einem Auslandsaufenthalt eine Kontoeröffnung bei einer ausländischen Bank?
Wenn man außerhalb Europas ein Studium beginnt und sich außerhalb des einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum SEPA bewegt. Dank SEPA kann man auch vom EU-Ausland aus bequem Überweisungen tätigen und Lastschriften verwalten. Grenzüberschreitende Euro-Zahlungen bis zu einem Betrag von 50.000 Euro dürfen nicht mehr kosten, als entsprechende inländische Euro-Zahlungen. Grundsätzlich sind also alle Zahlungen über das heimische Konto abzuwickeln. Falls das in der Praxis mal nicht reibungslos klappt, besteht für mich in jedem EU-Land ein Recht auf ein Basiskonto mit folgenden Mindestleistungen: Kartenzahlung, Überweisung, Lastschrift und Barabhebungen. Das heißt, die Bank darf mich als Kundin oder Kunde nicht ablehnen, nur weil ich aus dem EU-Ausland komme.

Wofür kann und sollte ich ein ausländisches Konto nutzen?
An Bargeld in Fremdwährungen können Studierende im Ausland mithilfe von Kreditkarten recht einfach gelangen. Aber Überweisungen von meinem deutschen Girokonto ins außereuropäische Ausland können dagegen auf Dauer teuer werden. Allein Überweisungsgebühren mit Währungsumrechnung kosten mindestens acht bis zwölf Euro bis zu dreistelligen Beträgen je Überweisung. Wer also im Nicht-EU-Ausland regelmäßige Überweisungen erwartet oder durch Nebenjobs Geld verdient, sollte vor Ort ein Konto eröffnen.

Welche Vorteile bringt mir das Konto dann?
Vor Ort können günstige Überweisungen oder Lastschriften ausgeführt werden, sei es für die regelmäßige Zahlung von Nebenkosten oder das Fitnessstudio, um teure Überweisungen aus meinem Heimatland zu vermeiden. Oder zum Beispiel  Einkünfte aus Nebenjobs kann ich auf mein Konto vor Ort einzahlen lassen.

Wann sollte ich so ein Konto eröffnen – vor Ort oder nach Möglichkeit schon vorher?
Wenn es um ein Filialkonto mit einer Bankkarte geht, sollten die Studierenden das im außereuropäischen Ausland vor Ort erledigen. Innerhalb der EU kann man so ein Konto oft schon von Zuhause aus online eröffnen. Unterschriften können noch später in der Filiale getätigt werden. In einigen Ländern müssen schon eine Wohnadresse und der Mietvertrag vorliegen. Die unterschiedlichen Voraussetzungen zur Kontoeröffnung in den Mitgliedstaaten finden sich auf der Webseite des Europäischen Verbraucherzentrums.

Welche Konditionen sind bei einem Konto im Ausland wichtig?
Für Studierende fallen normalerweise keine Kontoführungsgebühren an. Ansonsten ist auf eine günstige Grundgebühr zu achten und das insbesondere für Überweisungen und Bargeld günstige Konditionen bestehen. Studierende können die Vorteile der ISIC (International Student Identity Card) nutzen, um günstigere Sonderkonditionen zu erhalten.

Gibt es deutsche Banken, die empfehlenswert sind, wenn ich ins Ausland gehe? Auf welche Konditionen kommt es hier an?
Wichtig ist die Kombination von Girokonto und der richtigen Kreditkarte, da ich innerhalb und außerhalb der EU auch mal eine echte Kreditkarte – also keine bloße Debitkarte – benötige. Zum Beispiel für den klassischen Fall der Buchung eines Mietwagens. Studierende sollten eine kostenlose Kreditkarte mit möglichst niedrigen Gebühren auswählen. Nach konkreten Anbietern und Preisvergleichen kann man sich gut auf den Seiten der Stiftung Warentest und bei Finanztip informieren.

Viele nutzen im Ausland einfach ihre deutsche Kreditkarte – worauf sollte ich achten, damit ich sie problemlos überall nutzen kann?
Es sollte eine echte Kreditkarte sein und keine Debitkarte – wie unsere deutsche Girocard, die ehemalige EC-Karte. Mit einer Debitkarte kann ich normalerweise keinen Mietwagen buchen. Also darauf achten, dass nicht „debit“, sondern „credit“ irgendwo auf der Karte steht.

Wenn ich doch mal Bargeld brauche – lieber viel auf einmal abheben oder kleinere Beträge? Gibt es Möglichkeiten, hier hohe Gebühren zu vermeiden?
Das hängt auch von der Dichte und Erreichbarkeit der Geldautomaten vor Ort ab und wieviel Bargeld ich mit mir tragen möchte. Wichtig ist: Beim Bezahlen und Geldabheben im Nicht-Euro-Raum immer die lokale Währung wählen und darauf verzichten, dass der Betrag direkt in Euro abgerechnet wird! Innerhalb Europas ist das Zahlen mit der Karte zum Girokonto in der Regel günstiger.

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