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Auslandspraktikum vs. Auslandssemester

Auslandspraktikum vs. Auslandssemester

Für viele Studenten ist es ein Traum im Studium ins Ausland zu gehen. Dabei gibt es viele unterschiedliche Alternativen für einen Aufenthalt im Ausland. Doch welche Option bringt einen am meisten weiter und bietet einen größeren Nutzen? Da ich mein Auslandspraktikum im direkten Anschluss zu meinem Auslandssemester absolviert habe, hab ich die Möglichkeit beide Optionen in einen direkten Vergleich zu stellen.

Arbeitsplatz vs. Vorlesungssaal

Arbeitsplatz vs. Vorlesungssaal

Multikulti vs. „echte“ Kultur

Ein Auslandssemester bietet einen tiefen Einblick in eine andere Kultur. Doch man sollte sich bewusst sein, dass man die meiste Zeit eher mit den anderen Auslandsstudenten verbringt, die sogenannte „International-Blase“. Hauptgrund dafür ist meist die hohe Sprachbarriere. Aber auch die universitäre Struktur fördert nicht immer die Interaktion mit einheimischen Studenten. Viele Kurse sind nur auf Auslandsstudenten ausgerichtet, da es beispielsweise die einzigen englischsprachigen Kurse sind. Allerdings muss dieser Aspekt nicht unbedingt von Nachteil sein! Dank meines Auslandssemesters in Tokio habe ich viele Menschen aus den verschiedensten Ecken der Welt kennengelernt. Dadurch kamen unglaublich interessante Gespräche und Diskussion zustande und man bekam so noch einen Einblick in weitere Kulturen der Welt.

In meinem Auslandspraktikum wurde ich mehr oder weniger ins kalte Wasser geworfen. Hier erlebt und erlernt man die Kultur einfach durch direkten Kontakt zu den Einheimischen im Alltag. Zudem kommt hinzu, dass der Arbeitsalltag ein ganz anderer ist als der eines Studenten. Es gibt keine großartige „Ausländercommunity“, wo man ab und zu untertauchen kann bzw.  es braucht mehr Zeit als an der Uni. Diese direkte Konfrontation bietet jedenfalls einen sehr guten und tiefen Einblick in die Kultur des Gastlandes.

47 Stunden Woche vs. 15 Stunden Woche

Wie viel man vom Land erleben kann, hängt natürlich auch von der verfügbaren Freizeit ab. Hier macht sich der Unterschied schon sehr bemerkbar, da mir bei meinem Praktikum nur Wochenenden und Feiertage übrig bleiben.

Während meines Auslandssemesters war dies natürlich um einiges entspannter. Trotz Anwesenheitspflicht blieb mir auch unter der Woche genügend Zeit für die ein und andere Stadtrundfahrt oder Tagesausflug. Außerdem hat man als eingeschriebener Student auch das Privileg von Ferien, die den arbeitenden Menschen völlig verwehrt bleiben. Da können die vertraglichen 12 bis 18 Urlaubstage im Jahr leider nicht mithalten.

Ich hab zwar die Erfahrung gemacht, dass die Urlaubsregelung bei Praktikanten nicht ganz so streng geregelt ist, aber dennoch ist die freie Zeit im direkten Vergleich zum Studentenleben sehr eingeschränkt.

 Neue vs. verbesserte Sprachkenntnisse

Ein weiterer Vorteil am Auslandssemester waren die angebotenen Japanisch-Sprachkurse der Uni. Aus den 5 Monaten Intensivsprachkurs konnte ich wirklich eine Menge mitnehmen. Da ich mit nahezu Null Japanischkenntnissen ins Auslandssemester gestartet bin, hat mir der Sprachkurs auch im Alltag sehr geholfen. Solch ein intensiver Sprachkurs ist nicht nur zeitaufwendig sondern auch sehr teuer. Für mich als eingeschriebene Studentin war er glücklicherweise kostenlos. Zusätzlich konnte ich meine Englischkenntnisse durch den Umgang mit den anderen internationalen Studenten und den Businessvorlesungen verbessern.

Mein Auslandspraktikum bietet leider keinen Thailändisch-Crashkurs an. Bei einer Vollzeitstelle hat man aber auch schlichtweg keine Zeit. Vermutlich würden mir auch die finanziellen Mittel für einen privaten Sprachkurs fehlen. Meine Thailändischkenntnisse beschränken sich daher nur auf das Nötigste. Ähnlich wie in Japan ist meine Alltagssprache und Unternehmenssprache Englisch. Daher kann ich wenigsten meine Englischkenntnisse verbessern.

Neue Freundschaften vs. Arbeitskollegen

Vielleicht liegt es an mir, aber ich schließe auf der Arbeit langsamer Freundschaften als an der Uni. Das gleiche gilt auch nach meinen Erfahrungen auch im Ausland.

Wie oben erwähnt, habe ich während des Auslandssemesters ziemlich schnell tiefe Freundschaften schließen können. Man wohnt im selben Wohnheim, sieht sich häufig bis täglich in der Uni und unternimmt viel gemeinsam in der Freizeit etc. – das schweißt einfach zusammen.

Anders als bei einem Auslandssemester brauchte es in Thailand länger, um eine freundschaftliche Beziehung aufzubauen. Hier spielen auch andere Aspekte, wie Alter, Familie, Verpflichtungen etc. eine Rolle. Allerdings ist es nicht unmöglich Freundschaften aufzubauen 😉 Es braucht einfach mehr Zeit. Da mein Praktikum nur sechs Wochen ging, ist dies nur bedingt möglich.

 Fazit

Obwohl die Vorteile eines Auslandssemesters vermeintlich überwiegen, würde ich auf meine Erfahrung aus dem Auslandspraktikum nicht missen wollen. Fakt ist, dass man sich bei beiden Optionen persönlich weiterentwickelt und seine kulturellen Kompetenzen erweitern kann. Mir persönlich hat das Auslandssemester aufgrund der vielen neuen Freundschaften und der prägenden Erinnerungen besser gefallen.

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