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Coronavirus – Gestrandet in Thailand

Coronavirus – Gestrandet in Thailand

Der Ausbruch des Coronavirus in der zentral-chinesischen Stadt Wuhan hat auch mich als internationaler Student beeinflusst. Nach einigem Abwarten habe ich China vorübergehend verlassen und beobachte die Situation aus Thailand. Wie reagiert man in einer solchen Ausnahmesituation?

Mitte Januar hörte ich zum ersten Mal in Gesprächen mit chinesischen Arbeitskollegen etwas über die Ausbreitung eines neuartigen Virus in der Stadt Wuhan. Es war kurz vor den Feierlichkeiten zum chinesischen Neujahrsfest, den bedeutendsten Tagen der Chinesen. Mit Beginn der Feiertage setzt sich die jährlich größte Völkerwanderung der Welt in Bewegung. Wirklich jeder verreist entweder selber oder erwartet Familienmitglieder als Gäste. Die Frage die sich nun also jeder stellte: die Feierlichkeiten wie geplant durchziehen oder doch alles abbrechen?

Chinesisches Neujahrsfest: Durchziehen oder Abbrechen?

Viele meine Kollegen entschieden sich für einen Abbruch, insbesondere Shanghai ansässige (Shanghai HuKo 上海户口), denn deren Reise wäre eh zum Vergnügen und weniger zum Besuch von Familie gewesen. Aber für nicht Shanghaier (WaiDi 外地)sah es anders aus, denn für 外地 ist das chinesische Neujahrsfest einer der wenigen oder sogar die einzige Möglichkeit im Jahr, Zeit mit der Familie zu verbringen.

Auch meine Entscheidung stand: Durchziehen! Wie bereits letztes Jahr , war ich zu einer chinesischen Familie auf dem Land für das Feiern des Neujahrsfestes eingeladen worden. Ich packte also meinen Rucksack, diesmal allerdings nicht ohne zusätzliche Atemmasken für Bahnfahrten mitzunehmen.

Einkaufen in Zeiten von Corona
Um mich beim Einkaufen in Shanghai vor einer Ansteckung zu schützen, habe ich stets einen Mundschutz sowie Einweghandschuhe getragen.

Im Zug nach Wuhan

Das Dorf in das ich wollte, liegt in der Provinz Anhui nahe der Grenze zu Hubei. Luftlinie war ich also etwa 200 Kilometer von Wuhan entfernt. Zu diesem Zeitpunkt war die Quarantäne der Stadt Wuhan gerade erst in den chinesischen Sozialen Medien verkündet worden und noch nicht in Kraft getreten.

Um in das Dorf zu gelangen, musste ich in der Provinzhauptstadt Hefei umsteigen. In einem Zug, dessen Endstation die Stadt Wuhan war. Ich habe noch nie in meinem Leben einen so leeren Zug gesehen und werde auch wohl keinen noch leereren zu Gesicht bekommen: ich war der einzige Passagier weit und breit.

Medizinische Kontrolle am Bahnhof
Beim Betreten eines chinesischen Bahnhofs wird die Temperatur von jedem Fahrgast festgestellt.

Die Nachrichten überschlugen sich

Auf dem Land angekommen hatten wir trotzdem normale und schöne Feierlichkeiten, allerdings immer mit einem Auge auf die Nachrichten. Um mich auf dem neusten Stand zu halten nutzte ich insbesondere die chinesische Social Media App Weibo (微博), die mit Twitter vergleichbar ist.

Chinesisches Neujahrsfest 2020
Zu den Feierlichkeiten des chinesischen Neujahrsfest gehören Besuche von Verwandten und Freunden.

Mittlerweile hatte sich auch in der Deutschen-China Community die Diskussion entfacht, ob man jetzt China verlassen oder bleiben soll. Viele meiner Freunde waren bereits zurück in Deutschland, teilweise in Hals-Über-Kopf-Aktionen. Was also tun?

Nach Deutschland war erstmal keine Option

Für mich war eine Rückkehr nach Deutschland erstmal keine Option. Erstens hatte ich für diesen Zeitraum eh Urlaub geplant und zweitens hätte ich zurück in Deutschland auch nicht zu meiner Familie gekonnt. Das Fiese am Coronavirus ist die lange Inkubationszeit in Kombination mit gleichzeitiger Verbreitung des Virus. Was also, wenn ich mir den Virus unbewusst eingefangen habe und nun Familie sowie Freunde anstecke?

Ich entschied mich meinen Urlaub kurzer Hand für unbeschränkte Zeit nach Thailand zu verlegen. Da Thailand nur eine Stunde Zeitverschiebung zu China hat, kann ich so im engen Austausch mit Freunden und Kollegen in China bleiben.

Phuket Strand in Thailand
Obwohl ich natürlich gerne nach China zurückkehren möchte, ist Thailand mit Stränden wie in Phuket auch nicht verkehrt.

Die Entscheidung, China zu verlassen hat mir letztendlich auch der DAAD abgenommen. So forderte der DAAD uns Stipendiaten auf, China zu verlassen und vorübergehend nicht wieder einzureisen.

Somit sitze ich nun also hier in Thailand und frage mich wie es weiter geht. Meine Gedanken und Hoffnungen sind natürlich bei den Freunden und Kollegen in China, aber ich kann Ihnen hierbei leider nicht helfen. Bis eine Entwarnung vom deutschen Auswärtigen Amt kommt, werde ich daher wohl in Süd-Ost Asien abwarten, oder vielleicht doch Deutschland? Ich muss auf Sicht fahren und flexibel bleiben, denn das Corona Virus lässt sich nicht “weg planen”.

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