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Auslandssemester in Lissabon: Bewerbung und Vorbereitung

Auslandssemester in Lissabon: Bewerbung und Vorbereitung

Ich sitze gerade im Park in Lissabon und lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen. Heute vor einem Jahr hatte ich schon die Zusage für mein Auslandssemester. Wie der Bewerbungsprozess und meine Vorbereitung auf die Zeit in Lissabon aussahen und was ich rückblickend anders gemacht hätte, lest ihr hier.

Angefangen hat alles mit einer fixen Idee in meinem Kopf: Ich will für ein Semester nach Lissabon. Ich hatte zur Zeit dieses Entschlusses gerade meinen ersten Surfkurs gemacht und habe es mir einfach traumhaft vorgestellt, an einem Ort zu wohnen, an dem man morgens vor der Uni aufs Surfbrett und ins Meer springen kann (und ja, meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht). Aber nicht nur die Nähe zum Meer und das traumhafte Wetter haben letztlich den Ausschlag gegeben, sondern auch die Universidade Católica Portuguesa, an der ich jetzt studiere. Es ist eine private Universität, die einen sehr guten Ruf hat.

Es war mir wichtig, dass ich hier nochmal eine neue Fachrichtung kennenlernen kann, denn das hatte sich in meinem ersten Erasmussemester als sehr bereichernd herausgestellt. Ich hatte damals in den Niederlanden an der Universiteit Leiden Kurse aus der Philosophie belegt, die letztlich ausschlaggebend dafür waren, dass ich im Master nun Philosophie studiere. Ich muss dazu sagen, dass ich das Glück habe, mir im Rahmen eines Mobilitätsmoduls innerhalb meines Studiengangs fachfremde Kurse anerkennen zu lassen. Ich habe allerdings auch Studierende hier kennengelernt, die sich keine fachfremden Kurse anerkennen lassen und diese trotzdem belegen. Für mich ist es vor allem ein persönlicher Mehrwert, der dadurch entsteht, eine neue Denkart und Methodik kennenzulernen. Auf jeden Fall werden hier sehr interessante Kurse aus dem Bereich der Kulturwissenschaften und Kommunikationswissenschaften angeboten, die letztlich ausschlaggebend für mich waren, mich hier zu bewerben.

Bewerbung bei meiner Heimatuni

Der erste Schritt war dann die Bewerbung bei der Uni Mannheim auf das Auslandssemester an der Universidade Católica Portuguesa in Lissabon. Die Católica ist eine Partneruni der Uni Mannheim, was das Ganze natürlich erleichtert und wodurch auch die Studiengebühren wegfallen. Für die Bewerbung sind hauptsächlich ein Motivationsschreiben, ein aktueller Notenauszug und ein Sprachzertifikat in der Unterrichtssprache wichtig. Als ich mich für die Católica bewerben wollte, war die Uni nur für Bewerber geöffnet, die mindestens B1 in Portugiesisch nachweisen können. Ich habe allerdings etwas nachgeforscht und herausgefunden, dass ausreichend Kurse auch auf Englisch angeboten werden, die ich mir anrechnen lassen könnte. Nach einigem Hin-und-Her wurde die Uni glücklicherweise auch für rein englischsprachige Bewerber geöffnet. Es hilft hier also, selbst die Initiative zu ergreifen und nachzuforschen, ob nicht doch Möglichkeiten für eine Bewerbung bestehen. Meist findet man so einen Weg, an seine Wunschuni zu kommen.

Im Motivationsschreiben sollte man übrigens nicht nur seine eigene Motivation beschreiben, sondern den Fokus auch darauf legen, warum die Kurse, welche man an der Uni belegen will, gut zum eigenen Studium passen und inwiefern diese die Studieninhalte ergänzen. Einige Wochen nach der Bewerbung und etwa ein Jahr vor Start des Auslandssemester kam dann die Zusage und dann passierte erstmal lange nichts.

Bewerbung an der Gastuniversität

Erst Anfang Dezember habe ich das erste Mal von meiner Gastuniversität gehört. Ich musste mich dann formal nochmal dort bewerben und einige Dokumente einreichen, wie eine Kopie meines Ausweises und ein Transcript of Records – ein erneutes Motivationsschreiben wurde nicht benötigt. Ich reichte alles innerhalb der Frist ein und war somit offiziell eingeschrieben. Der Kontakt mit der Uni lief reibungslos und auf Fragen wurde immer sehr schnell geantwortet. Nach der offiziellen Einschreibung an der Uni konnte es losgehen mit der Kurswahl.

Ich musste eine sogenannte Pre-Enrolment Form ausfüllen, in der ich meine vorläufige Kurswahl eintrug. Diese durfte ich innerhalb der darauffolgenden Wochen noch ändern. Die Uni bietet englischsprachige Kurse in den Bereichen Kulturwissenschaft, Kommunikationswissenschaft, aber auch Psychologie und BWL an. Da ich durch mein geisteswissenschaftliches Hauptfach hauptsächlich Kurse an der geisteswissenschaftlichen Fakultät belegen konnte, kamen für mich nur Kurse aus dem Bereich Kulturwissenschaft und Kommunikation in Frage. Ich habe mich letztlich für die Kurse „Contemporary Culture and Environment“, „Culture, Production and Creativity“ und „Social Psychology“ entschieden und bin sehr zufrieden.

Tipps zur Vorbereitung aufs Auslandssemester

Sprachkurs

Ich habe schon in Deutschland einen A1 Portugiesisch-Sprachkurs belegt. Immerhin – im Nachhinein denke ich aber, dass ich in Bezug auf die Sprache noch viel mehr hätte machen können. Immerhin hatte ich im Voraus fast ein Jahr Zeit. Außerhalb des Sprachkurses habe ich nämlich nicht so viel gemacht, um meine Kenntnisse zu verbessern. Aber auch wenn man in der Heimat vielleicht noch nicht so motiviert ist, die Sprache zu lernen, weil man sie nicht direkt anwenden kann, wäre ich hier froh gewesen, schon mehr Vokabeln als die allernötigsten intus zu haben. Gerade durch Sprachlernapps oder Sprachtandems kann man da im Voraus doch einiges machen – und das ist auf jeden Fall der erste Punkt, den ich anders machen würde.

Anreise

Ich bin mit dem Flugzeug nach Lissabon gereist. Klar, das ist die einfachste, schnellste und wahrscheinlich sogar kostengünstigste Möglichkeit. Zurück habe ich mir aber vorgenommen, mit dem Zug zu reisen und so wäre ich im Nachhinein auch lieber angereist. Von Mannheim aus, wo ich in Deutschland wohne, gibt es eine recht gute Verbindung nach Lissabon. Über Paris fährt man nach Hendaye und von dort aus fährt ein Nachtzug direkt nach Lissabon. Insgesamt ist man ca. 24 Stunden unterwegs. Es bietet sich natürlich auch an, unterwegs mal einen längeren Stop-Over einzulegen, beispielsweise lässt es sich auch gut über Barcelona oder Madrid fahren. Wenn es möglich ist, finde ich Zugreisen die beste Option und will versuchen, mich in Zukunft darauf zu beschränken. Einerseits aus Umweltgründen – andererseits mag ich das Gefühl von Weite nach langen Zugfahrten sehr. Man kann Entfernungen so viel besser einordnen und auch der Übergang ins andere Land ist weicher. Landschaften und Wetterverhältnisse ändern sich langsamer und es gibt einem Zeit, sich auf das neue Land einzustellen.

Wohnung

Um ein Zimmer hier habe ich mich schon ein halbes Jahr im Voraus gekümmert. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich das Thema Wohnung so früh angegangen bin und kann das auch nur jedem empfehlen. Ich habe über Uniplaces gebucht, eine Online-Plattform für die Buchung von Studentenunterkünften. Es ist sehr einfach, über die Plattform zu buchen und man hat dadurch eine gewisse Sicherheit. Denn bis 24 Stunden nach Anreise kann man die Buchung über die Plattform noch canceln, wenn die Wohnung nicht den Erwartungen entspricht. Allerdings zahlt man dafür auch eine Gebühr an Uniplaces.

Ich habe mit der Plattform gute Erfahrungen gemacht. Die Kommunikation mit dem Vermieter lief sehr gut und die Wohnung sieht aus, wie auf den Fotos. Wenn man so früh im Voraus bucht wie ich, gibt es außerdem auch noch eine riesige Auswahl an Wohnungen. Eine andere Möglichkeit ist, die Erasmus-Organisationen ESN oder ELL hier in Lissabon per Mail oder Facebook zu kontaktieren. Beide Organisationen helfen gern bei der Wohnungssuche und schicken auf Anfrage geeignete Angebote. Spontane Wohnungssuche am Anfang des Semesters kann zwar etwas stressiger werden, aber ich habe hier auch einige Leute kennengelernt, die erst hier persönlich eine Wohnung gesucht haben und die ersten Tage couchgesurft sind und auch das war anscheinend problemlos möglich.

Ich wohne hier in Baixa, dem Zentrum Lissabons und kann das Viertel sehr empfehlen. Es ist etwas touristisch, allerdings fühle ich mich nachts hier immer sehr sicher und habe eine super Anbindung. Außerdem kann ich auch Graca, Alfama, alles rum um den Parque Eduardo und den Praca Espanha und auch Intendente empfehlen. Im Nachhinein hätte ich mir wohl überlegt, etwas näher an den Strand (z. B. nach Carcavelos oder Cascais) zu ziehen und nicht so total im Zentrum zu wohnen. Falls ihr Fragen zu den Vierteln oder zur Wohnungssuche habt, schreibt mir gern.

Packen

Klar, auch fürs Packen sollte man genug Zeit einplanen. Wesentlich mehr Zeit ist für mich allerdings draufgegangen, meine Wohnung in Deutschland einigermaßen leer zu räumen, da ich sie für das halbe Jahr untervermietet habe. Mit dem Packen bin ich mir immer noch etwas uneinig – besser viel oder wenig? Ich habe so einiges mitgenommen, mit dem Hintergedanken, dann nichts mehr zusätzlich hier kaufen zu müssen. Generell finde ich das auch einen guten Gedanken, weil ich mich kenne, und ich weiß, dass ich zu viel kaufe, wenn ich sehr wenige Sachen dabei habe. Andererseits finde ich es eigentlich sehr schön, mit wenig Gepäck zu reisen, auch für eine so lange Zeit. Im Nachhinein würde ich wohl weniger mitnehmen, um flexibler zu sein.

Buddy-Programm

ESN und ELL bieten beide ein Buddy-Programm an. Am besten ist es, sich hier schon im Voraus anzumelden, da euer Buddy euch dann auch mit der Wohnungssuche und anderen Fragen weiterhelfen kann. Von einigen Austauschstudierenden habe ich auch gehört, dass ihr Buddy sie am Flughafen abgeholt hat. Ich habe von dem Programm leider zu spät erfahren, würde es aber auf jeden Fall jedem empfehlen.

Facebook-Gruppen

Auch allen relevanten Facebook-Gruppen beizutreten kann ich nur empfehlen. Hier ein paar, die mir geholfen haben:

Zeit nehmen, um sich bewusst auf den Auslandsaufenthalt einzustellen

Im Nachhinein hätte ich vor meinem Auslandssemester gerne mehr Zeit gehabt, mich auf die bevorstehende Zeit im Ausland einzustellen. Ich habe mir die Zeit mit Hausarbeiten und Veranstaltungen zugelegt und war am Ende schon gestresst, als ich im Ausland ankam. Im Nachhinein hätte ich gerne eine Woche gehabt, um mich tiefergehend mit dem Land und der Stadt zu beschäftigen, in der ich wohnen werde. Und um meine Gedanken zu ordnen und mich auf diesen neuen Lebensabschnitt einzustellen, um bewusster ins Auslandssemester zu starten und mir vielleicht auch Ziele zu setzen und Intentionen für die Zeit zu überlegen.

Mein Fazit: Der Bewerbungs- und Vorbereitungsdschungel mag zwar am Anfang abschreckend wirken – aber ich kann aus ganzem Herzen versprechen: es lohnt sich! Und es ist nicht so aufwendig, wie es scheint, gerade wenn man sich innerhalb Europas bewirbt. Ein weiteres Plus für ein Auslandssemester in Europa: das Erasmus-Stipendium gibt’s obendrauf!

Kommentare
  1. Marc

    22. März 2020

    Liebe Sophie, vielen Dank für deinen Einblick in das Studieren Weltweit in Lissabon. Ich hoffe sehr, das es dir gut geht und du eine schöne Zeit hattest.
    Ich habe selbst in dieser schönen Stadt gelebt und möchte dir gerne mein kostenlosen Reiseführer zur Verfügung stellen, welchen du gerne mit anderen teilen kannst. Du findest ihn unter: https://www.lissabon-sehenswuerdigkeiten.com

    Darf ich dich fragen, was du am meisten an Lissabon vermisst?

    LG
    Marc

    1. Sophie

      23. März 2020

      Lieber Marc,

      danke für deinen Kommentar und den Link zum Reiseführer – der wird sich sicher als nützlich erweisen, sobald ich zurück in Lissabon bin.

      Seit ich nicht mehr dort bin, vermisse ich das Lebensgefühl, dass Lissabon mir gegeben hat, sehr – leicht und lebendig. Ich vermisse die kleinen Gassen, die bunten Häuser, die alle unterschiedlich aussehen, die Pflastersteine und die vielen Cafés und Bars auf den Straßen, die schönen Parks und die Nähe zum Meer. Ich vermisse es, abends am Tejo zu spazieren oder auf einen der vielen Miradouros zu klettern. Und noch so vieles mehr, aber das würde hier wahrscheinlich zu lang werden 😉

      Ich hoffe, auch dir geht es gut!
      LG
      Sophie

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