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3 Gründe für ein Auslandssemester im Mittleren Westen der USA

3 Gründe für ein Auslandssemester im Mittleren Westen der USA

Für alle, die noch überlegen, in welchem Bundesstaat der USA das Auslandssemester stattfinden soll, kommt hier ein kleines Plädoyer für den berühmt-berüchtigten Mittleren Westen.

Traumstrände statt Maisfelder

Ja, es gibt sie hier im Mittleren Westen, die Maisfelder. Schlicht und einfach deshalb, weil in den meisten Bundesstaaten des Mittleren Westen (North Dakota, South Dakota, Nebraska, Kansas, Minnesota, Iowa, Missouri, Wisconsin, Illinois, Ohio, Indiana und Michigan) intensiv Landwirtschaft betrieben wird, vorrangig mit Vieh, Getreide und eben Mais. Würde man einen Road Trip durch den Mittleren Westen unternehmen, würde man mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit auch mal stundenlang durch eine Landschaft fahren, in der es nichts zu sehen gibt als Mais, Mais, Mais und ab und an ein Silo oder eine Farm. Man könnte aber auf besagtem Road Trip auch einfach die nächste Abzweigung nehmen und würde nach einiger Zeit an beeindruckenden Naturhighlights landen.

Besonders der Bundesstaat Michigan, mein Zuhause auf Zeit, besticht durch seine landschaftliche Schönheit. Am bekanntesten ist wohl der Nationalpark „Sleeping Bear Dunes“, der im Jahr 2011 von den Amerikanern in einer landesweiten Umfrage sogar zum „Schönsten Ort der USA“ gewählt wurde – vor Kaliforniens Küsten und Floridas Stränden. Kein Wunder, dass meine neuen Freunde und ich vor zwei Wochen spontan zwei Autos und ein großes Ferienhaus in der Nähe dieses Nationalparks mieteten, um uns selbst ein Bild des angeblich schönsten Ortes des Landes zu machen. Wir wurden nicht enttäuscht: hinter den „Sleeping Bear Dunes“ verbergen sich riesige (bis zu mehreren Kilometern hohe und breite) Dünen aus goldenem und perlweißem Sand, die sich malerisch an den Lake Michigan schmiegen. Der See ähnelt viel mehr einem weiten, türkisfarbenen Ozean mit starkem Wellengang, dessen Ende nicht zu sehen ist. Wir verbrachten das gesamte Wochenende damit, bei sehr warmen Temperaturen ausgedehnte Strand- und Dünenwanderungen zu unternehmen, im See zu baden und abends am Lagerfeuer Marshmallows zu rösten und dabei die ein oder andere Geschichte in Erfahrung zu bringen. Da ist zum Beispiel die von der schlafenden Bärin, nach der der Nationalpark „Sleeping Bear Dunes“ benannt ist: der Legende nach begab es sich vor vielen tausend Jahren, dass eine Bärenmutter mit ihren beiden Bärenkindern im Land Wisconsin lebte. Doch eines Tages kam eine große Not über das Land und es gab kein Futter mehr für die Bären. Um Nahrung zu finden, zog die Bärenfamilie los und erreichte nach einigen Tagen das Ufer des Lake Michigan, der schon damals zwischen Wisconsin und Michigan lag. In Michigan, das wusste die Bärenmutter, würde es genügend Futter für sie geben. Also beschlossen sie, durch den See hinüber nach Michigan zu schwimmen. Doch die Bärenkinder waren klein und schwach und obwohl die Bärenmutter versuchte, sie zu stützen, ertranken beide auf der gefährlichen Reise. Alle Rettungsversuche der Bärenmutter schlugen fehl und so erreichte sie das Ufer in Michigan alleine. Dort legte sie sich nieder, ihren Kopf in Richtung See gedreht, und schlief für immer ein. In dem Moment, in dem sie ihre Augen schloss, entsprangen plötzlich zwei wunderschöne Inseln aus dem Wasser. Es war der „Große Geist Manitu“, der die Inseln formte, um den Ort zu markieren, an dem die Bärenkinder ertranken. Kurz nachdem er die Inseln fertiggestellt hatte, erschuf er am Ufer des Lake Michigan eine einzelne, gigantische Düne – in Form einer schlafenden Bärin, den Kopf in Richtung See gedreht. Wenn euch bei dieser Legende auch ein kleiner Schauer über den Rücken gelaufen ist, dann könnte der Mittlere Westen etwas für euch sein, denn hier wimmelt es nur so von spirituell-indianischen Geschichten und Mythen.

Akademische Exzellenz statt Provinz

Ein weiteres gängiges Klischee über den Mittleren Westen bezieht sich auf die Menschen, die tatsächlich hier leben. In Filmen, Büchern oder auch journalistischen Reportagen werden die Einwohner Minnesotas, Missouris oder Michigans gerne als provinzielle Hinterwäldler dargestellt. Farmer, die sonntags in die Kirche gehen, abends Football im Fernsehen gucken und selten bis nie ihr leicht heruntergekommenes Dorf verlassen. Vorurteile wie diese sind natürlich heillos überzogen und treffen – wenn überhaupt – nur auf einen kleinen Prozentsatz der Bevölkerung zu. Tatsächlich findet sich auch im Mittleren Westen Kosmopolitismus, Weltoffenheit und akademische Exzellenz. Die University of Minnesota, die Indiana University, die University of Wisconsin und die Michigan State University (meine Gastuni) gehören beispielsweise zu den besten öffentlichen Unis Amerikas und der Welt. Sie werden daher auch als „Public Ivy League Schools“ bezeichnet. Die Michigan State University liegt einem der neuesten Rankings zufolge beispielsweise auf Rang 20 von fast 400 Universitäten in den USA. Andere Hochschulen, wie die University of Michigan, werden sogar auf ein Level mit Harvard und Yale gestellt – kein Wunder, dass hier unter anderem die Kinder von Madonna und Barack Obama studieren. Wer also nach akademisch hervorragenden Universitäten sucht, der wird im Mittleren Westen sicher fündig. Ganz nebenbei führen die Midwest-Unis auch regelmäßig die eher inoffiziellen Rankings des schönsten Hochschulcampus der USA an und können definitiv mit denen der Eliteschulen in Neuengland mithalten. Die Unis im Mittleren Westen sind oft der ganze Stolz der Bewohner des Staates, in dem sie sich befinden. Beispielsweise ist es mir jetzt schon häufiger passiert, dass ich in einer ganz anderen Ecke Michigans unterwegs war, zufällig einen Pulli mit Uni-Logo trug und mir wildfremde Menschen dazu gratulierten, auf die Michigan State University zu gehen.

Freundlichkeit pur statt Langeweile

Oft entwickelte sich aus besagten zufälligen Begegnungen auch ein kurzes Gespräch über Gott und die Welt. Überhaupt erscheinen mir die Menschen im Mittleren Westen extrem freundlich, sehr offen und ehrlich interessiert an ihrem Gegenüber. Betreibt man ein wenig Internetrecherche, stößt man auf mehrere Umfragen, Artikel und anderweitige Quellen, die den Mittleren Westen als freundlichsten Teil der USA listen und seine Bewohner als ehrlicher und bodenständiger beurteilen als Amerikaner aus Florida oder Kalifornien.

Letztendlich kommt es natürlich immer auf die individuelle Person an, aber meinen Erfahrungen nach sind die Menschen in Michigan wirklich sehr freundlich und ehrlich interessiert. Egal ob es sich um die Person, die zufällig neben mir beim Footballspiel steht; ein zufällig vorbeikommender Passant oder der Verkäufer im Supermarkt – jeder hat ein Lächeln übrig, erkundigt sich nach meinem Akzent und verwickelt mich in ein Gespräch. Daraus sind für mich sogar schon erste Freundschaften entstanden – einfach, weil die „Midwesterners“ es einem sehr einfach machen, Freundschaften zu knüpfen, sich willkommen zu fühlen und den Mittleren Westen lieben zu lernen. Wie es meine neuen Freunde aus Michigan, Missouri & Co häufig mit einem kleinen Augenzwinkern zusammenfassen: „Midwest is Best!“

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