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Campus, Klausuren, Kommilitonen: Was in Melbourne ganz anders läuft

Studieren in Australien – was läuft hier anders? In diesem Beitrag findest du fünf zentrale Unterschiede zwischen meinem Psychologiestudium in Deutschland und dem Studienalltag in Melbourne.

In Deutschland studiere ich einen Master in Psychologie mit einem Fokus auf klinische Psychologie und Psychotherapie (kurz KliPPs) an der Universität Leipzig. Dieser brandneue Masterstudiengang wurde auf eine Gesetzesänderung im Psychotherapeut*innengesetz angepasst und soll mich auf eine Prüfung (die Approbationsprüfung zur Psychotherapeutin) vorbereiten. Es gibt daher sehr strenge Vorgaben bezüglich des Curriculums und oft auch Anwesenheitspflicht.

In Australien studiere ich an der Monash University. Damit du als Vollzeit-Student*in giltst, musst mindestens drei Module besuchen (hier übrigens „units“ genannt). Ich habe mich für vier Module entschieden, mit einem Arbeitsaufwand von jeweils sechs credit points, dies entspricht 7,5 ECTS Punkten.

Credit Points berechnen

Damit in Europa Studiengänge vergleichbar sind, messen wir den Arbeitsaufwand eines Moduls in Credit Points (Punkte) nach dem European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS). Dabei entsprechen 30 ECTS Punkte ungefähr 900 Stunden Arbeitsaufeand pro Semester (1 ECTS = 30 Stunden).

Ich habe mich vor allem aufgrund des spezialisierten Curriculums für das Studium hier in Melbourne entschieden. Mehr zu den Modulen, die ich besuche erfährst du hier. Zwischen meinem Studium in Deutschland und dem Studium hier in Australien, sind mir allerdings einige Unterschiede aufgefallen.

Keine Klausuren, sondern Anwendung!

Ich besuche vier Module, habe aber nur eine Klausur dieses Semester! Stattdessen gibt es als Prüfungsleistung vor allem anwendungsorientierte Aufgaben und Hausarbeiten (sogenannte „Assignments“) über das Semester verteilt. Z.B. Poster erstellen, Videopräsentationen, Executive Summary, Reflexionen, Fallbeispiele, Strategiepläne für psychische Gesundheit und fast immer eine Gruppenarbeit. Meist zwei-drei pro Semester pro Modul.

Größtenteils gibt es zu den Assignments auch eine sehr umfangreiche Aufgabenstellung mit Anleitung und einem sehr detaillierten Erwartungshorizont für die Benotung (den „Rubrik“). Einem werden also wirklich umfangreiche Hilfestellungen gegeben, das kenne ich aus meinem Studium in Deutschland nicht in diesem Ausmaß.

Die geforderten Wortanzahlen der Assignments erschienen mir oft überraschend gering, meist nur 750–1000 Wörter (ungefähr ein- zwei Seiten). Was erstmal nach einer einfachen Hausarbeit klingt, ist tatsächlich schwieriger als ich dachte, da die Herausforderung lag allerdings darin sich kurz und präzise auszudrücken.

Ich empfinde den Arbeitsaufwand als angemessen und nicht überfordernd. Im Vergleich zu dem Studium in Deutschland erlebe ich es als angenehmer, da die Abgaben über das Semester verteilt sind.

Die Professoren mit Vornamen ansprechen?

Der Umgang mit den Dozierenden ist viel persönlicher als ich es aus Deutschland kenne. Man spricht sich z.B. mit dem Vornamen an. Zudem kommt es viel häufiger vor, dass Dozierende auch über ihr Privatleben sprechen. Besonders in dem Modul zu kultureller Reflexivität haben die Dozierenden viel über ihren persönlichen kulturellen und familiären Hintergrund erzählt. Denn in diesem Modul geht es darum, die eigene „Positionalität“ zu reflektieren. Die Positionalität beschreibt, wo sich jemand im Verhältnis zu seinen verschiedenen sozialen Identitäten (Geschlecht, Rasse, Klasse, Ethnizität, Fähigkeiten, geografische Lage usw.) befindet.

Ich empfand es als sehr aufschlussreich so mehr über meine Dozierenden und Mitstudierenden zu erfahren und zu verstehen aus welcher Perspektive sie den Unterrichtsstoff lehren.

Vorlesungen online und Seminare in Person

Im Gegensatz zu Deutschland sind die Vorlesungen hier aufgezeichnete Videos. Zudem gibt es wöchentliche Buchkapitel oder wissenschaftliche Artikel zum Lesen als Vorbereitung auf die Seminare, hier „Tutorials“ genannt. Die Tutorials finden in Person statt, dauern meist bis zu zwei Stunden und legen einen besonderen Fokus auf Gruppendiskussion. Es geht darum, das Gelernte anzuwenden und sich auszutauschen. Bei mir gab es keine Anwesenheitspflicht in den Tutorials.

Dank der online Vorlesungen, wird oft auch unterwegs fleißig gelernt!

Andere Studierende, z.B. in naturwissenschaftlichen Studiengängen haben aber auch Labor-Veranstaltungen und teilweise gibt es wohl auch Veranstaltungen z.B. für Jura-Studenten in denen die Mitarbeit in die Note einfließt. Es ist also sehr unterschiedlich und es lohnt sich ein Blick ins „Unit Handbook“ also das Modulhandbuch, wenn man sich seinen Studienplan zusammenstellt. Falls du einige Formulierungen im Unit Handbook nicht verstehst, lies mal hier zu den Veranstaltungsarten und hier im Glossar nach.

Wenn das Studium persönlich wird

Die Module, die ich hier belege, beschäftigen sich viel mit Diskriminierung und Stigma. Oft wird man dazu eingeladen seine eigenen Glaubenssätze zu reflektieren oder wenn man möchte auch über die eigene Identität oder Erfahrungen zu sprechen, teilweise ist das Schreiben einer Reflexion sogar eine Prüfungsleistung. Aus den Modulen zu den Themen Behinderung sowie kulturellen Unterschieden habe ich für mich besonders mitgenommen, dass Therapie sowie Wissenschaft ein kooperativer Prozess ist. Oft werden Betroffene nur als Versuchspersonen an Wissenschaft beteiligt, damit Betroffene aber nachhaltig von wissenschaftlichen Erkenntnissen profitieren können, muss man Sie in den gesamten wissenschaftlichen Prozess involvieren. Von der Ideenfindung, basierend auf den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen bis hin zur Entwicklung eines respektvollen und ethisch vertretbaren Studiendesigns sowie einer nachträglichen Anwendung der wissenschaftlichen Ergebnisse in der Praxis.

Paula sitzt in der Sonne lächelnd mit einem Tagebuch.
In vielen Modulen schreiben wir eine „Reflexion“, dies läd uns regeömäßig dazu ein über das gelernte nachzudenken. Mich erinnert mich dies oft an ein Tagebuch, nur eben ein wissenschaftliches.

In meinem Studium in Deutschland sprechen wir meiner persönlichen Meinung nach viel zu selten über unsere eigene Identität, obgleich dies als Psychotherapeut*innen unsere Sicht auf die Welt prägen kann. Obgleich Psychotherapeut*innen neutral sein sollen und in der Lage Menschen zu therapieren, deren Erfahrungen im Leben sie nicht teilen, sind wir gleichzeitig auch Menschen deren Identität teilweise offensichtlich ist (z.B. Ethnie oder Gender) und so die Beziehungsdynamik beeinflussen kann. Sich dem bewusst zu werden, halte ich für überaus hilfreich.

Clubs und Studierendenorganisationen

Einen großen Unterschied im Uni Alltag machen für mich die Clubs aus. Diese sind von Studierenden organisiert. Es gibt Clubs für Sportarten, Hobbys, Sprachen, Länder, Fakultäten und mehr. Diese organisieren oft verschiedenste Events und sind eine wunderbare Möglichkeit andere Studierende kennenzulernen. Viele meiner Freunde habe ich zum Beispiel im „Boardriders Club“ kennengelernt, dieser organisiert Skate treffen, Surfcamps und Snowboardreisen aber auch soziale Events wie Barabende oder gemeinsames Blutspenden. Außerdem organisiert die Monash Student Organisation (Studierendenorganisation) viele soziale Events z.B. die Wednesday Sessions, das sind Konzerte auf dem Campus, oder auch Ausflüge. Insgesamt erlebe ich das Campusleben hier als lebendiger und sozialer. Der Clayton Campus liegt etwas außerhalb der Stadt weswegen viele den ganzen Tag auf dem Campus verbringen und einige Studierende (vor allem viele Austauschstudierende) leben auf dem Campus.

Andere Länder, anderes Studium– und genau das macht ein Auslandsstudium so spannend. Wer offen für Neues ist, kann an Universitäten wie der Monash viel über sich selbst, das Fach und andere Herangehensweisen lernen.

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