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Wie ist das Studium an der besten Uni Taiwans?

Wie ist das Studium an der besten Uni Taiwans?

Die Nationaluniversität Taiwan (NTU) gehört zu den Top-Universitäten im Land und genießt hier einen ähnlichen Ruf wie zum Beispiel die Harvard Universität in den USA. Vergleicht man das Uni-System mit dem in Deutschland, fällt aber schnell auf, dass hier doch so manches ganz schön anders läuft. Also Hand aufs Herz: Das sind meine persönlichen Tops und Flops nach drei Monaten an der NTU.

Flop: System zur Belegung der Kurse

In Deutschland musste ich mich knapp einen Monat vor dem Semesterstart für meine Kurse online anmelden. Hier lautet die Devise: Alles wählen, was geht! Denn in Taiwan kann man die ersten zwei Wochen des Semesters erst mal in die Kurse „reinschnuppern“. Danach muss man sich dann festlegen und sich bei den restlichen Kursen wieder online abmelden. Stellt man nach dieser zweiwöchigen Frist fest, dass ein Kurs sich doch nicht so entwickelt, wie man es erwartet hätte, darf man sich pro Semester nur noch von einem weiteren Kurs abmelden. Sollte euch noch ein anderer Kurs nicht gefallen, müsst ihr entweder in den sauren Apfel beißen und durchziehen, oder es erscheint für diesen Kurs ein „fail“ (nicht bestanden) auf eurem Zeugnis. Mir persönlich gefällt dieser Punkt an der Universität am wenigsten, da ich noch gerne nach der zweiwöchigen Frist einen Kurs gewechselt hätte.

Top: Meine Kurswahl

Nach meinem Auslandssemester muss ich mit meiner Masterarbeit anfangen, wobei mir die Kurse an der NTU sehr helfen. Hier kann ich zwei Seminare belegen, die mich intensiv auf das wissenschaftliche Arbeiten vorbereiten und mir die benötigten Statistikprogramme durchsprechen. Solche Kurse werden an meiner Uni in Deutschland nicht angeboten, weswegen sich im Bezug auf mein Studium das Auslandssemester schon zu 100% gelohnt hat.

Neutral: Arbeitsaufwand

Als Masterstudentin (in meinem Fachbereich) bin ich es inzwischen gewohnt, mehr für einen Kurs leisten zu müssen, als am Ende des Semesters eine Klausur zu schreiben. Daher finde ich den Arbeitsaufwand auf dem Masterlevel vergleichbar mit dem in Deutschland. Der Unterschied ist hier, dass mehr Projekte oder Präsentationen während des Semesters anfallen, dafür ist dann aber der Anspruch pro Projekt/Präsentation geringer. In Deutschland habe ich also mehr Leerlauf, wohingegen man von der NTU konstant eingespannt wird.

Top: Professoren

Die Professoren sind hier unglaublich nett und sehr bemüht, ihren Studenten etwas beizubringen. Dabei begegnet man sich auf Augenhöhe. In meinen Kursen wird von meinen durchgehend männlichen Professoren auch oft das Thema Feminismus angesprochen. Ich habe das Gefühl, dass Feminismus hier nicht nur Frauensache ist, sondern dass auch die Männer versuchen, mehr Bewusstsein dafür zu schaffen. Dies passiert auch wieder auf Augenhöhe, statt das eine männliche Professor uns weiblichen Studentinnen vorschreibt, was wir zu tun oder lassen haben. Hier ist es nicht „entmännlichend“, Frauen öffentlich zu fördern, zu unterstützen und zu motivieren. Ich wusste schon vorab, dass Taiwan mit das progressivste Land in Asien ist, aber das sie in diesem Punkt Deutschland so voraus sind, hat mich positiv überrascht.

Neutral: Benotung

Was weniger überrascht, ist ein anderes Notensystem an der Auslandsuniversität. Statt 1,0 – 1,3– 1,7… wird hier in Buchstaben A+ – A – A- … bewertet. Ein weitere ganz wichtiger Unterschied ist die Notengrenze für Nichtbestehen. An der NTU wird nämlich zwischen Master- und Bachelorstudierenden unterschieden.  Bachelorstudierende müssen mindestens ein C- erreichen, was ungefähr einer 3,7 in Deutschland entspricht. In meinem Fall als Masterstudentin oder auch „Graduate“ muss dagegen ein Kurs mindestens mit einer B- bewerten werden, damit ich noch bestehe. Das bedeutet im deutschen Notensystem ungefähr eine 2,7! Diese Tatsache hat mich vorab etwas beunruhigt, doch nach meinen Midterms kann ich sagen, dass mit ausreichender Vorbereitung mindestens ein A- drin sein sollte. Außerdem zählt hier in der Regel nicht die absolute Performance, sondern die relative. Soll heißen, dass wenn ich jetzt eher so mittelmäßig in meiner Klausur war, der Rest des Kurses aber noch schlechter abgeschnitten hat, dann bekomme ich trotzdem die bestmögliche Note (A+). Ob sich das letztendlich positiv auf meine Noten auswirken wird, zeigt sich aber erst am Ende des Semesters.

Also bleiben Sie bitte in der Leitung … 😉

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