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Und, wie war’s denn jetzt in Taiwan?

Und, wie war’s denn jetzt in Taiwan?

Zwei Wochen nach meiner Rückkehr aus Taiwan bekomme ich diese Frage des Öfteren zu hören. Meine kurze und knappe Antwort lautet: Überragend! Aber natürlich war auch nicht alles rosa-rot. Hier möchte ich euch nun zusammenfassen, was mir besonders gut gefallen hat und worauf ich hätte verzichten können.

Eigenschaften, die ich an Taiwan vermisse:

Die unglaublich freundlichen Menschen

Das Highlight sind wirklich die Menschen in Taiwan. Nicht ohne Grund küren Reiseblogs oder Internetberichte Taiwan als das „freundlichste Land der Welt“ – was ich auch so unterschreiben kann. Das zieht sich durch alle Lebensbereiche von meinen Unikollegen/Professoren zu den Passanten auf der Straße bis hin zum Taxifahrer. Einmal stand ich gerade an irgendeiner Kreuzung mitten in Taipeh und habe genüsslich einen hujiao bing verspeist, da spricht mich aus dem Nichts eine ältere Dame an. Mit ihr habe ich dann am Ende den ganzen Nachmittag in einem Café verbracht, wo wir über Gott und die Welt gequatscht haben. Ich könnte noch viele ähnlich Geschichten erzählen. Fakt ist, man trifft in den meisten Ländern nette Einheimische, aber Taiwan hat sich in den vier Monaten für mich an die Spitze katapultiert.

Die Sicherheit

Ich habe das Gefühl, dass man sich in Taiwan wirklich keine Sorgen um sein Hab und Gut oder die eigene Sicherheit machen muss. Wie oft ich mein Fahrrad vor Cafés nicht abgeschlossen habe und teilweise sogar über Nacht dort vergessen habe. Am nächsten Tag konnte ich es immer unversehrt am gleichen Ort wieder abholen. Außerdem habe ich mich wirklich zu keiner Tages- oder Nachtzeit unwohl oder unsicher gefühlt. Auch die anderen Austauschstudierenden haben keine schlechten Erfahrungen gemacht. Nur auf dem Fahrrad sollte man ein bisschen vorsichtiger sein, da sich im Verkehr die Fahrradfahrer am unteren Ende der Nahrungskette befinden. Sogar noch unter den Fußgängern!

Das Studium an der NTU

Das Studieren an der Nationaluniversität Taiwan (NTU) hat mir sehr gut gefallen. Es läuft natürlich alles etwas anders ab als an deutschen Universitäten (s. hier), dennoch hat mir vor allem das Verhältnis zwischen Professoren und Studierenden gefallen. Wenn ich in Deutschland dreimal darüber nachdenke, ob ich meinen Professor mit einer E-Mail belästigen kann, scheint es in Taiwan normal, sich mit allen Fragen zu melden. Außerdem sind die Professoren an der NTU wirklich daran interessiert, dass man als Student was lernt und den Kurs besteht. Das Miteinander steht im Vordergrund, statt den Stoff von oben gelehrt zu bekommen. Zusätzlich kann man sich ab dem Masterlevel für Büros im Institut bewerben, das man sich dann mit 7 weiteren Kommilitonen teilt. Ein paar meiner taiwanesischen Kommilitonen hatten solch ein Büro, wo ich dann auch Zeit verbringen konnte, wenn ein Platz frei war. Dort haben wir entweder gemeinsam gelernt, einfach nur gequatscht oder sehr viel gegessen. So war der kulturelle Austausch ungezwungen und ich konnte viel über das Land und die Leute und das Essen lernen. Das bringt mich gleich zum nächsten Punkt …

Das leckere Essen

Ich liebe generell asiatisches Essen, deswegen hatte Taiwan hier ein leichtes Spiel. Mit einem etwas objektiveren Blickwinkel auf die Sache muss ich jedoch sagen, dass im Vergleich zur koreanischen oder japanischen Küche, taiwanesischen Essen etwas fader im Geschmack ist. Aber für solche Fälle findet man auf jedem Tisch mindestens vier unterschiedliche Gewürze um es geschmacklich gehaltvoller zu machen. Außerdem isst man in Taiwan fast nur außerhalb, da an jeder Ecke kostengünstig ein Essensstand zu finden ist. Ich war in meiner ganzen Zeit nur zweimal am Anfang im Supermarkt. Ab dann habe ich Frühstück, Mittag und Abendessen immer außerhalb gegessen – und ich habe es geliebt! Da ich nicht besonders gerne oder gut koche, war die taiwanesischen Esskultur für mich ein Segen und ich trauere dieser auch mit am meisten nach. Für die Vegetarier unter uns muss ich aber leider sagen, dass taiwanesisches Essen sehr fleischlastig ist.

Das viele Reisen

Ich denke, diesen Punkt findet jeder Austauschstudierende egal in welchem Land auf seiner Plus-Seite. Besonders im Inland ist das Reisen mit dem Nah- und Fernverkehr super einfach, günstig und meistens noch schnell. Das macht einfach Spaß und man unternimmt deutlich mehr, wenn man nicht für jeden kleinen Städtetrip oder einer U-Bahn Fahrt tief in die Tasche greifen muss. Zusätzlich kann man innerhalb von drei Flugstunden unter anderem Reiseziele wie Japan, Korea, China, Vietnam oder die Philippinen ansteuern. Dadurch lernt man super die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern kennen, die man sonst gerne mal aus Bequemlichkeit oder Unwissenheit in einen Topf schmeißt.

Eigenschaften, die ich nicht vermisse:

Das durchwachsene Wetter

Es war nicht katastrophal, aber geht man im Sommersemester nach Taiwan erwischt man halt die Regenzeit. Das bedeutet jetzt nicht, dass es non-stop regnet. Dennoch hängt ständig ein Dunst über der Insel, der keinen klaren Blick in die Ferne zulässt. Im Grunde kann Taipeh mit einer schönen Bergkette glänzen, nur hab ich die leider fast nie zu sehen bekommen, da es immer so diesig war. Natürlich ist die Luftfeuchtigkeit mit mindesten 70% für Europäer auch erstmal schwierig zu ertragen, ich finde daran gewöhnt man sich aber doch überraschend schnell.

Das Leben im Wohnheim

Auch wenn es Vorteile gibt, im Wohnheim zu leben (schaut hierfür doch mal bei Dilara vorbei), bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich mir beim nächsten Mal ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft suchen würde. Es hat weniger damit zu tun, dass mein Zimmer super verschimmelt war (s. mein Youtube-Video) oder dass die Zimmer sehr kalt und spärlich eingerichtet sind. Viel mehr hat es mich gestört, dass man durch das ausgegliederte Wohnheim-Gelände vom Puls der Stadt abgeschnitten ist. Zusätzlich läuft man auch Gefahr, ausschließlich mit Austauschstudierenden Zeit zu verbringen, statt den Kontakt zu den „Locals“ zu suchen. Aber in diesem Fall muss auch jeder für sich selber überlegen, was er/sie vom Auslandssemester erwartet und dementsprechend die jeweilige Entscheidung treffen.

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