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Wie ich meine deutsche Klausur im Ausland schreiben konnte

Wie ich meine deutsche Klausur im Ausland schreiben konnte

Passiert es, dass sich der Beginn eures Auslandssemester knapp mit dem Ende eures Semester in Deutschland überschneidet, wird es vor allem mit dem Ablegen eurer finalen Klausuren schwierig. Aber deswegen müsst ihr nicht gleich den Kopf in den Stand stecken und das Auslandssemester absagen. So habe ich mich aus dieser verzwickten Situation befreit.

Die Situation habe ich mir nicht freiwillig ausgesucht, sondern ich bin dort durch unglücklich Umstände reingeraten. Grundsätzlich ist jeder Austauschstudent mit dem Problem konfrontiert, dass die Semesterzeiten in Deutschland von denen im Ausland abweichen. Dadurch kann der Übergang zwischen Deutschland und dem Ausland manchmal fließend sein. Das Problem verschärft sich noch weiter, wenn man wie ich nach dem Wintersemester ins Ausland gehen möchte, da hier die Ferien deutlich kürzer sind als im Sommer. In meinem Studiengang in Tübingen ist es zusätzlich üblich, dass man die Klausuren noch bis zwei Wochen in die Ferien rein schreibt und so kam es bei mir zu einer Überschneidung der Semester.

Meine Klausur „Advanced Macroeconomics“, die ich pflichtmäßig bestehen musste, wurde an demselben Tag angesetzt, an dem auch mein Semester in Taiwan starten sollte. Worst case also! Ich wollte definitiv nicht nach Semesterstart in Taipeh ankommen, also habe ich nach langem Recherchieren folgende Lösung gefunden:

Man kann einen Antrag stellen, seine Klausur im Ausland zu schreiben!

Drei Voraussetzungen für den Antrag

Folgende drei Punkte müssen (in Tübingen) erfüllt sein:

  1. Ihr könnt nachweisen, dass ihr aufgrund des Studiums im Ausland zum Prüfungstermin bereits im Ausland sein müsst.
  2. Ihr könnt eine Aufsichtsperson im Ausland nachweisen bzw. benennen, die die organisatorische Abwicklung und die Aufsicht für die Prüfung übernimmt.
  3. Die Prüfung findet im Ausland zeitgleich zur Tübinger Prüfung statt. Dies kann aufgrund von Zeitverschiebung zu Problemen führen.

Punkt 1 war bei mir erfüllt, da meine Klausur auf den gleichen Tag fiel, wie der Beginn des Semesters in Taipeh. Punkt 2 war dagegen eine größere Herausforderung. Ich habe mir dabei Hilfe vom International Office der Uni Tübingen geholt. Der Verantwortliche für den Austausch nach Asien hat mir netterweise den Kontakt zur NTU hergestellt (vielen Dank dafür). Ich denke, es ist generell eine gute Idee, die Verantwortlichen eurer Austauschprogramme anzusprechen, da sie erstens vielleicht schon Erfahrung mit solchen Fällen haben und zweitens mit der Partneruniversität in Kontakt stehen.

Bitte nicht schummeln

Der 3. Punkt war auch nochmal ein wenig problematisch, da ich durch die Zeitverschiebung meine Klausur erst um 21 Uhr hätte anfangen können. In Absprache mit meinem Professor und dem Prüfungsamt durfte ich aber schon eine Stunde früher starten, da die Länge der Klausur 1 1/2 Stunden betrug und ich somit keine Information an Kommilitonen in Deutschland hätte senden können. Diese eine Stunde war deswegen so wichtig, da in öffentlichen Einrichtungen in Taiwan keine Überstunden nach 22 Uhr gemacht werden dürfen. Sind nun alle drei Punkte erfüllt, wir ein inoffizieller Antrag mit den nötigen Unterlagen (Nachweis der drei Punkte) an den Leiter des Prüfungsamtes gestellt. Dieser wird dann auch meistens in kürzester Zeit bestätigt und so steht eurem Auslandssemester nichts mehr im Wege!

Lernen im Flugzeug
Sogar im Flugzeug wurde gelernt

Kann man machen – muss aber nicht sein

Generell ist es toll, dass es diese Möglichkeit gibt. Trotzdem würde ich empfehlen, sie nur zu nutzen, wenn es wirklich nicht anders geht. Vor allem, wenn es euer erster großer Auslandsaufenthalt ist. Die Anfangszeit ist immer sehr aufregend, viel muss organisiert werden, alles ist neu und spannend, manches kann schief laufen und am Anfang sind dann noch die ganzen Partys und Kennenlern-Events. Diese große und wichtige Klausur knapp eine Woche nach Ankunft zu schreiben, hat sehr viel Disziplin und Nerven gekostet. Aber am Ende haben sich die Strapazen gelohnt, denn dadurch konnte ich trotz der unglücklichen Situation mein Auslandssemester in Taipeh realisieren.

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