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Zwischen Babylon und Marathon: Mein erster Uni-Tag

Zwischen Babylon und Marathon: Mein erster Uni-Tag


Es gibt diese Momente im Leben, wenn du dich wieder ganz klein und unwissend fühlst. Der erste Uni-Tag im Auslandssemester ist so einer. Ahnungslos streifst du durch die furchtbar fremden Hallen, läufst mindestens einmal in einen genervt blickenden Dozenten rein und findest dich in der Cafeteria statt im gesuchten Hörsaal wieder. Kleinmütig wendest du dich deshalb an die nächstbeste Person, die dir über den Weg läuft, und gibst widerwillig dein Unwissen preis: „Excuse me, I’m new here, do you know…?“ Ein bisschen fühlt es sich wie der erste Schultag an – nur dass man damals eine hübsche Schultüte voller Süßigkeiten bekommen hat.

Schließlich sollte ich den gesuchten Hörsaal doch noch finden. Neben mir wartet schon eine Traube anderer internationaler Studierender auf den Einlass in die heiligen Hallen. Gesprächsfetzen auf Englisch, Italienisch, Französisch, Türkisch, Niederländisch, Litauisch und Deutsch dringen zu mir durch. Neugierige Blicke werden ausgetauscht. Noch kenne ich niemanden, das soll sich aber innerhalb der nächsten Stunden ändern.

Als sich endlich die Hörsaaltüren öffnen, geht ein polyglottes Raunen durch die Menge. Mögen die Spiele beginnen! Beim Eintritt in die Manege  den Hörsaal bekomme ich sie dann doch ausgehändigt: Meine höchstpersönliche Schultüte. Genau genommen handelt es sich um einen Willkommensbeutel, prall gefüllt mit allem, was die gemeine Studentin fürs nackte Überleben an der Tallinna Ülikool braucht. Kalender, Stadt-, Bus- und Campus-Plan sowie ein Reflektor für die sichere Fortbewegung auf estnischen Highways (dazu an anderer Stelle mehr).

Orangener Beutel mit Stadtkarte, Kalender
Mein Survival Guide

Was folgt, ist ein wahrer Präsentationsmarathon. In einem atemberaubenden Tempo stellen sich Uni, verschiedene Abteilungen, Organisationen, Initiativen und spannende Menschen vor. Zwischendurch schaut auch die Polizei vorbei und klärt uns über die Do’s and Don’ts in Estland auf. Alkohol auf öffentlichen Plätzen ist tabu, Pfefferspray in der Handtasche okay. Aha. Mir schwirrt der Kopf. Zum Glück habe ich Schokolade dabei.

Nach dem mentalen Marathon steht der physische Ausgleich an. Begleitet von Studierenden der Uni Tallinn unternehmen wir eine Sightseeingtour über den Campus. Langsam aber sicher nimmt das Labyrinth Form an. Das, was ich sehe, gefällt mir. Moderne, lichtdurchflutete Räume (einige davon mit Hafenblick), eine Mensa mit erstaunlich großem vegetarischen Angebot und eine hauseigene Garderobe, wo der Wintermantel trocknen kann, während man selbst von Vorlesung zu Vorlesung spaziert. Schick hier.

Foyer der Uni in Tallinn mit Fahrstuhl
Im Foyer der Uni

Aber zum Wesentlichen: Wie melde ich mich nun für meine Kurse an? Als fleißige Studentin habe ich mich schon im Vorfeld erkundigt und weiß: Dafür benötige ich zunächst einen E-Mail-Account der Uni. Wie gut, dass man in Estland alles online erledigen kann. Wirklich alles? Nein, eine kleine Abteilung der Uni Tallinn wehrt sich vehement dagegen! Tatsächlich muss ich höchstpersönlich im IT-Büro vorstellig werden und mein Nutzerkonto beantragen. Eine Sache von zwei Minuten, wie sich herausstellt. Um 17 Uhr des gleichen Tages soll der Account freigeschaltet werden. Ich warte also gespannt, bin Punkt 17 Uhr am Start, logge mich mit klopfendem Herzen ein – und bekomme eine Fehlermeldung auf Estnisch angezeigt. Google Translate leistet Übersetzungshilfe und überbringt mir die ernüchternde Botschaft, dass scheinbar irgendetwas falsch eingetragen wurde und ich noch nicht registriert bin. Ich hole tief Luft: Mein Bürokratie-Marathon geht morgen also in die zweite Runde.

Kleiner Trost: Immerhin kann ich schon die Stundenpläne der einzelnen Kurse einblicken. Ich rufe den ersten Seminarplan auf – und stolpere über eine wichtig (weil rot markiert) aussehende Meldung auf Estnisch: välis jääb ära Schon fast routiniert gebe ich die kryptische Nachricht bei Google Translate ein – und bekomme die automatische Übersetzung: „Ausländer bleibt fern“. Ungläubig starre ich auf den Bildschirm: Wie bitte?!? Ich lasse mir den Satz zusätzlich ins Englische übersetzen und frage meine estnische Mitbewohnerin um Rat. Es stellt sich heraus, dass die Meldung so viel heißt wie „Die Dozentin ist im Ausland. Der Kurs findet (diese Woche) nicht statt.“ Estnisch ist eine merkwürdige Sprache. Selbst Google versagt hier seine Dienste. Die nächsten Wochen werden spannend.

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