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Und wie sind die so, die Finnen?

Und wie sind die so, die Finnen?

Finnland liegt am nördlichen Rand der Europäischen Union, es wird mit Euro gezahlt, die Schüler genießen eine der besten Ausbildungen weltweit und laut den Vereinten Nationen (VN) wohnen hier seit neuestem auch noch die glücklichsten Menschen. Meiner Erfahrung nach steckt aber noch eine Menge mehr dahinter, als diese ergoogelbaren Fakten. Vorhang auf für meine Alltagsbeobachtungen!

Sommer, Palmen, Sonnenschein

Der Finne und seine Sonnenbrille sind ein unzertrennliches Team. Er hat sie immer dabei und sobald der Hauch eines Sonnenstrahls vom Himmel fällt, sitzt sie auf seiner Nase. Besonders im Winter ist Sonnenschein bekanntlich ein seltenes Gut im rauen Norden. Ab März scheint die Sonne dafür umso mehr. Dementsprechend sollten die Augen stets vor der ungewohnten Helligkeit geschützt sein. Auch ich ertappe mich mittlerweile dabei, dick eingepackt in Anorak, Schal und Mütze, regelmäßig die Welt durch die Sonnenbrille zu sehen. Zwar nicht rosarot, aber immerhin.

Frau blickt in Kamera und trägt Kapuze mit Kunstfellbesatz, dicken Schal, Mütze und Sonnenbrille.
Es ist keine Frage der Temperatur, ob die Sonne scheint und sich deine Äuglein nach etwas UV-Schutz sehnen. Außerdem wirkt man so gleich viel cooler und auch der Wind kann einem dann gar nichts mehr anhaben!

Die Finnen und ihre Zebrastreifen

Finnen nehmen Zebrastreifen ernst. Sehr ernst. Sowohl als Autofahrer als auch als Fußgänger. In meiner niederbayerischen Heimat ist es fast schon eine Seltenheit, dass ein Auto hält und dich die Straßen überqueren lässt. In Helsinki ist es ganz normal, dass man auf einen Zebrastreifen auf einer mehrspurigen Straße zuläuft und alle Autos sofort bremsen. Viele schauen gar nicht mehr nach rechts und links, sondern treten einfach auf die Fahrbahn und alle halten. Das ist mit meinem deutschen Pflichtbewusstsein natürlich nicht zu vereinbaren. Ich schaue immer links, rechts, links bevor ich den Zebrastreifen nutze. Meistens.

Wo Kartenzahlung an der Tagesordnung ist

Ich bin großer Fan elektronischer Zahlungsmethoden und habe so gut wie nie ausreichend Bargeld bei mir, was in Deutschland oft zu Problemen führt. Vor allen Dingen führt es zu Hunger, weil in erster Linie Lokale und Bäckereien keine EC-Karten annehmen und auch kleinere Supermärkte Kartenzahlung erst ab einem Mindestbetrag ermöglichen. In Finnland ist es zum Glück total normal mit seiner Kartti zu zahlen. 65 Cent mit Kreditkarte zahlen? Kein Problem, funktioniert sogar einfach kontaktlos. Und alle finden das ganz normal. Auch in Restaurants, Kneipen, Cafés oder winzigen Geschäften, oft sogar an Marktständen (an dieser Stelle noch ein kurzer Verweis auf Pablos bargeldlose Straßenverkäuferin in Peking…). Meine Kreditkarte war also eine sehr gute Investition fürs Auslandssemester. Ich kann nicht nur nahezu überall damit bezahlen, sondern auch kostenlos Geld abheben, falls ich doch mal welches brauche.

Friede, Freude, Zimtschnecke

Erst kürzlich wurden die Finnen in einer VN-Studie zu den glücklichsten Menschen der Welt gekürt. Glück ist sicherlich schwer zu messen, aber irgendwas muss ja dran sein. Mein Eindruck: der finnische Lebensstil ist geprägt von Gelassenheit. Alleine die Sprache lässt eigentlich gar keinen Stress zu. Finnisch klingt immer irgendwie total gechillt.

Junge Frau sitzt mit einer Tasse in einem Korbstuhl, der von der Decke hängt. Im Hintergund sieht man durch eine Scheibe die Straße.
Wer schon einmal in einem Café mit von der Decke hängenden Korbstühlen war, versteht, warum man hier eigentlich nur glücklich werden kann.

Außerdem gibt es an jeder Ecke Cafés, eines schöner und liebevoller gestaltet als das andere. Und der Geruch von Zimtschnecken entspannt quasi automatisch. Gut, der Kaffee kostet vielleicht ein paar Euro mehr als in Deutschland, dafür kann man stundenlang dort sitzen, im gratis WLAN-Netz surfen und es gibt immer Wasser für umsonst. Apropos WLAN.

Der Finne ist online

Free Wifi gibt es hier fast überall: Cafés, Lokale oder Shopping Center, kaum jemand bietet seinen Kunden keinen kostenlosen WLAN-Zugang. Mit dem Laptop im Café arbeiten, ob alleine oder in einer Gruppe – ganz normaler Alltag. Und wenn kein freier Hotspot in der Nähe ist, gibt es ja immer noch für wenig Geld unbegrenztes mobiles Internet. Wo ich in Deutschland für 1 GB im 3G-Netz 10 Euro im Monat gezahlt habe, bekomme ich jetzt unendliches Datenvolumen im 4G-Netz für 20 Euro (Prepaid). Nach der erste Woche hatte ich schon 2 GB verbraucht.

Schlange stehen: der Ordnung zu liebe

Die Finnen lieben Ordnung und Fairness, zumindest, wenn es darum geht, wer zuerst in der Schlange stand. Egal ob auf der Post, im Geschäft des Mobilfunkanbieters oder bei der Reperaturannahme im Elektroladen: Zuerst wird eine Nummer gezogen. Auch, wenn man 2 Sekunden später aufgerufen wird. So hat zumindest alles seine Ordnung und niemand kann sich vordrängeln. Wobei ich mir einen Finnen, der sich vordrängelt eigentlich gar nicht vorstellen kann.

Das sind natürlich nur meine Beobachtungen hier in Helsinki. Vielleicht sind Finnen woanders ganz anders drauf. Eine Freundin meiner Mitbewohnerin sagte neulich “Helsinki is different to the rest of Finland”. Stimmt ja vielleicht. Aber das finde ich dann im Sommer heraus.

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