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Im Land der aufrichtigen Menschen

Im Land der aufrichtigen Menschen

Mich hat mein Auslandssemester nach Burkina Faso geführt. Was bedeutet der Name des Landes und was hat das mit der Mentalität der Menschen zu tun? Wie sieht die Vergangenheit des Landes aus? Ich verrate euch, was in meinen Augen der größte Reichtum des Landes ist…

„Burkina Faso“ heißt das Land nördlich von Ghana und unterhalb der Nigerbogens seit gar nicht so langer Zeit, erst seit 1984. Manch einer kennt vielleicht noch die Bezeichnung „Obervolta“, die die Kolonialisten dem Land gegeben haben. Vor mehr als 30 Jahren ist Thomas Sankara, einer der Helden des Landes, an die Macht gekommen und hat mit der Umbenennung ein Zeichen gesetzt.

„Burkina“ ist Moore (die meistgesprochene Sprache in Burkina Faso) und bedeutet „aufrichtig“, „Faso“ ist Dioula und bedeutet „Heimat“ oder „Vaterland“. Somit ist Burkina Faso die Heimat der aufrichtigen Menschen. Und dafür sind die Burkinabé tatsächlich auch bekannt! Für Ehrlichkeit, Höflichkeit und einen respektvollen Umgang untereinander.

Was ich als Weiße, Fremde besonders bemerkt habe, ist die grenzenlose Gastfreundschaft. Egal wo, ob auf der Straße, unter Freunden oder kurzen Bekanntschaften, mir wird täglich Hilfe angeboten, ich bin quasi überall willkommen, zum Essen eingeladen und es wird keine Gegenleistung erwartet. Ich lerne täglich dazu, wie das Geben und Nehmen hier funktioniert. Kleine Portionen koche ich schon lange nicht mehr, bestimmt kommt jemand vorbei, der mit isst. Eine ältere Frau sagte die Tage zu mir, „die Menschen lieben sich hier“. Sie hat recht! Das ist der größte Schatz des Landes, den wir vom Westen aus nicht glänzen sehen.

Ich glaube, dass dies in der Geschichte des Landes auch abzulesen ist. Dazu erzähle ich ein wenig von Sankara.

Thomas Sankara, der Präsident Burkinas von 1983 bis er 1987 ermordet wurde, hat das Land mithilfe einer panafrikanistisch-sozialistischen Vision innerhalb von wenigen Jahren vorangebracht. Er war jung und hat sein Volk geliebt. Er selbst war nah bei den Menschen und fuhr nicht mit riesigen Autos durch die Stadt, sondern häufig mit seinem Fahrrad. Das Land, in dem zuvor – und heute wieder – von nicht genug Nahrung berichtet wurde, wurde autonom in Bezug auf die Lebensmittelversorgung und war nicht mehr auf den Import angewiesen. Natürlich ist es einfach einen Präsidenten, der nicht mehr da ist, in den Himmel zu loben. Mit Sicherheit hatte seine Vision auch seine Grenzen. Ein Hoffnungsträger war er dennoch und bleibt bis heute in guter Erinnerung!

Thomas Sankara

Ich empfehle wärmstens die Dokumentation „Auf den Spuren von Thomas SANKARA“ (ein Film vom Kollektiv Baraka (OmU AfricAvenir)). Wenn ihr den Film seht, spürt ihr, welche Vision Sankara für sein Land hatte und wie er dafür gekämpft hat. Bis heute sprechen die Leute täglich von Sankara und hoffen auf eine Zukunft, wie Sankara sie vorgezeichnet hat.

Die Meinungen über Sankara in Europa, besonders Frankreich kenne ich nicht. Ich vermute, dass sie von dem, was ich sehe und höre abweichen. Hier sind sich die Menschen sicher, dass der Mord an Sankara durch seinen Freund und späteren Präsidenten des Landes Blaise Compaoré durch Frankreich unterstützt wurde. Das alles ist jedoch international stark umstritten. Blaise Compaoré konnte nach dem Mord die Macht ergreifen und war bis 2015 Präsident Burkinas, bis die Menschen genug von ihm hatten und ein Putsch ihn vertrieben hat. Das Land atmet auf, der neue Präsident ist jedoch kein Thomas Sankara. Eine Chance gibt man ihm.

In jedem Fall war Thomas Sankara ein Freiheitskämpfer und Revolutionär, es lohnt sich, sich mit ihm auseinanderzusetzen. Viel Spaß beim Filmeabend!

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