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Klausuren in Gent: Mut zur Lücke!

Ganz nach diesem Motto verlief die erste Klausurenphase an meiner Universität in Gent. Sehr beliebt war auch die Aussage: „Oh, davon habe ich schon mal gehört“. Der Titel war, wie gesagt, Programm und hört sich zunächst einmal wunderbar schaurig an. Hier also meine kleine Grauensgeschichte.

Endlose Tage und endlose Nächte.

Wer zur Hölle kam auf die Idee Klausuren auf Anfang Januar zu legen?

Das war die wohl meist gestellte Frage im Zeitraum von Ende November bis Januar. Aber mal ganz ehrlich, wer hat sich das ausgedacht und vor allem warum zur Hölle? Wer auch immer das war, wurde nicht nur einmal von mir verflucht (hiermit entschuldige ich mich im Nachhinein bei allen Verantwortlichen). Im Dezember sah ja noch alles ganz rosig aus: Man beginnt ganz entspannt mit dem Lernen (und ist total stolz, dass man zeitig angefangen hat), holt Vorlesungen nach, schreibt Zusammenfassungen und Karteikarten und und und… Dann kamen allerdings die Weihnachtsferien, der Erzfeind von Klausuren im Januar und mein persönlicher Untergang. Schließlich warten zu Hause endlose Tage gefüllt mit gutem Essen und Wein, Freunden und Familie und viel freier Zeit. Wäre da nicht dieser quälende Gedanke an die bevorstehenden Klausuren, wäre ja auch alles wunderbar gewesen. Hallo, ich bin’s, das schlechte Gewissen… da war es wieder, und es hat nicht nur einmal an die Tür geklopft. Aber dann waren da eben wieder Essen und Wein, und Freunde und Familie. Was für ein Teufelskreis. Im Endeffekt schafft man viel weniger als man sich vorgenommen hat und der Januar kam um einiges schneller als mir lieb war.

Operation Lerncamp

Zurück in Gent mussten harte Maßnahmen ergriffen werden und so wurde das Gentsche Lerncamp ins Leben gerufen. Mit meinen 7 Sachen bin ich für zweieinhalb Wochen zu einer Kommilitonin gezogen. Geteiltes Leid ist schließlich halbes Leid. Zwei Wochen lang haben wir uns täglich um acht Uhr aus dem Bett gequält und von 9 bis 23 Uhr gelernt. An guten Tagen haben wir uns, neben Mittag- und Abendessen, noch einen kleinen Spaziergang als Pause gegönnt. Am Ende eines jeden Tages war die traurige Bilanz trotzdem: wir haben zwar viel geschafft aber es war immer noch nicht genug. Jeden Tag hatten wir das Gefühl immer noch nicht schnell genug zu lernen.

Und die Klausuren?

Mein sehr frustrierender Klausurenplan hat tatsächlich bereits am 10. Januar begonnen. Das ist selbst für Gent ziemlich früh. Innerhalb von 13 Tagen durfte ich dann 5 Klausuren und 2 Hausarbeiten schreiben. Von „ach ja, war ganz okay“ bis zum ultimativen Nervenzusammenbruch war von allem etwas dabei. Rückblickend muss ich sagen, dass ich sehr unzufrieden mit der Art der Bewertung bin. Von einer qualitativ hochwertigen Uni wie der „Universiteit Gent“ kann ich auch dementsprechende Klausuren erwarten. Im Endeffekt waren leider alle Klausuren reine Auswendig-lern-Klausuren, obwohl im Voraus immer wieder betont wurde wie wichtig es doch ist die Zusammenhänge und das große Ganze verstanden zu haben. Stupides Runterrattern der Folien und Bücher hätte einen eher weiter gebracht, als den Inhalt wirklich verstanden zu haben.

Aus Fehlern lernt man

Eigentlich wissen wir es doch alle, eine frühe Vorbereitung ist das A und O. Trotzdem ertappt sich jeder Student dabei den Beginn der Lernphase, solange es geht, herauszuzögern. Aus meiner ersten Klausurenphase hier in Gent habe ich gelernt, dass die richtige Organisation alles ist. Stetiges Nacharbeiten der Vorlesungen und vor allem konstantes Lernen sparen einem am Ende kostbare Zeit. Außerdem werde ich mich dieses Semester darauf konzentrieren die Inhalte einfach auswendig zu lernen. Das finde ich zwar alles andere als gut, aber das zu ändern liegt wohl außerhalb meines Einflusses, leider. Außerdem will ich ja gute Noten erzielen und muss mich deswegen wohl dem hiesigen System anpassen. Ein durchaus positiver Aspekt war allerdings, dass man für jede Klausur mehr als genug Zeit hatte. In Deutschland habe ich die Erfahrung gemacht, dass man durch viele Klausuren durchhetzen muss. Hier war die Zeit immer sehr großzügig angesetzt, es blieb also immer genug Zeit zum Nachdenken.

Am Ende nicht erschrecken

Die Ergebnisse kamen viel schneller als mir lieb war, aber so hatte ich wenigstens Gewissheit. Mit meinen Noten war ich alles andere als zufrieden, da jedes Fach gerade so bestanden war. Dazu muss man wissen, dass die Notenskala in Belgien von 1-20 verläuft, 20 die beste Note ist und man mit 10 bestanden hat. Eine 20 zu erreichen ist hierbei aber vollkommen unmöglich. Das sagen sowohl die Studenten, als auch die Professoren. Viele haben in ihrer ganzen Laufbahn noch keine 20 gegeben. Es ist also nicht verwunderlich, dass eine 15 als hervorragende Note gilt und auch noch eine 12 von den Belgiern als sehr gute Leistung betrachtet wird. Wenn ich diese Noten in das deutsche System umrechne, sieht das allerdings schon ganz anders aus. Für mich waren die Ergebnisse also alles andere als zufriedenstellend.

Das Wort zum Sonntag

Abschließend möchte ich noch hinzufügen wie froh ich bin, dass es im deutschen Notensystem durchaus möglich ist eine 1,0 und somit die beste Note zu erreichen. Ich halte es für äußerst demotivierend, nie (oder eben fast nie) die beste Note der Skala zu vergeben. Hierbei wird den Studenten das Gefühl vermittelt, niemals gut genug zu sein, egal wie viel Zeit und Arbeit in ein Fach und die Klausurenvorbereitung gesteckt wurde. Ich hoffe, dass sich diese Tatsache irgendwann ändern wird und studentische Leistungen angemessen gewürdigt werden. Belgische Studenten sind in meinen Augen äußerst diszipliniert und ambitioniert, das sollte auch von den Professoren gesehen werden.

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